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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915.
Periode der Meyer-Seemannschen Luftdruckerscheinung entsprechen. Letztere
besteht nun in einer Hochschwankung des Barometerstandes, welche sich in den
Monaten Oktober, November und Dezember zeigt. Sie wird am ausgesprochensten
wahrzunehmen sein, wenn das vollkommenste Zusammenwirken aller sie bestimmenden
Faktoren in die Mitte dieses Zeitabschnittes fällt, während sie um so mehr zurück-
treten muß, je weiter die sie beherrschenden Einflüsse auseinanderrücken. Einerseits
wird nun der jährliche Umlauf der Sonne in Verbindung mit dem synodisch-tropischen
Mondumlauf seinen Höchsteinfluß nach den bisherigen Feststellungen nur im
Dezember geltend machen, anderseits werden der anomalistische und drakonitische
Mondumlauf den ihrigen in beliebigen anderen Monaten des Jahres zum Ausdruck
bringen können. Nach meinen Ermittlungen ist dies, wie oben angegeben, für die
Zeitspanne 1887---1906 im ‚Januar der Fall gewesen. Da aber die vorteilhafteste
Stellung für den anomalistisch-drakonitischen Einfluß im langsamen Vorrücken
nach dem Dezember hin begriffen ist, so wird im laufenden Jahrhundert eine weitere
Verstärkung der Meyer-Seemannschen Erscheinung zu erwarten sein. Dies muß
sich dann in einem häufigeren verschärften. Hervortreten der Luftdruckamplituden
bemerkbar machen. Im Gegensatz hierzu wäre dann in der Vergangenheit, je weiter
man zurückgeht, ein immer weniger günstiges Zusammentreffen der wirksamen
Faktoren vorhanden gewesen, wodurch das Verschwinden der Meyer-Seemannschen
Luftdruckänderung in früheren Zeitläuften seine ungezwungene Erklärung fände.
Die hier gegebenen Ausführungen erhalten. eine gewisse Bestätigung durch
die von Herrn Köppen für Wien mitgeteilten Ergebnisse. Aus ihnen berechnen
sich die Unterschiede in der Differenz der Zahlen hoher und niedriger Barometer-
stände für die Neumond- und Vollmondpentaden der einzelnen Jahrzehnte von 1775
bis zur Gegenwart wie folgt:
Diese Zahlenreihe zeigt in der Tat für den syno-
dischen Monat ein deutliches Abnehmen der Luftdruck-
unterschiede nach der Vergangenheit hin und läßt für die
Zukunft eine weitere Steigerung der Werte mit Recht er-
warten.
Soweit die Reihe vorliegt, bekundet sie eine aus-
gesprochene Neigung zu einer neuen kürzeren Periode,
welche nur wenige Jahrzehnte umfaßt. Auch diese Perio-
dizität läßt sich mit der Mondbewegung in Zusammen-
bang bringen. Sie hat wahrscheinlich ihren Grund in einer
Verschiebung der Kernstellung von Apsiden- und Knoten-
linie des Mondes gegenüber seinem synodischen Umlauf,
Bei einer mittleren Dauer des letzteren von 29.5306 Tagen
werden nämlich vom Mond während der Periode von 5.9968 Jahren oder in
2190.2844 Tagen 74.1700 synodische Umläufe vollendet. Der hier auftretende
Bruchteil eines Umlaufs wächst nun zum Wert 1 oder zu einem vollen Umlauf
deutende klimatische Veränderungen in Nord-Europa. Auf sie werden nicht nur die ungeheueren
Sturmfluten zurückgeführt. von welchen Island und die Westküsten der nordischen Länder im 15,
und 16, Jahrhundert‘ so vielfach zu leiden hatten, sondern auch die ausgedehnten Überschwemmungen,
welche fast achtzehn Jahrhunderte vorher die Kimbern und Teutonen aus ihren Wohnsitzen ver-
trieben. Diese katastrophalen Naturercignisse waren begleitet von gewaltigen Vorstößen des Polar-
eises nach Süden hin und hatten cine Sperrung des nördlichen Atlantischen Ozeans für die Schiffahrt
zur unmittelbaren Folge, wodurch «ie ums Jahr 1000 einsetzende Besiedelung Grönlands wieder rück-
zängig gemacht und der dem 11. bis 13. Jahrhundert angehörenden Blütezeit isländischer Kultur ein
vorzeitiges Ende bereitet wurde. Die Zeiträume, welche den erwähnten, auffallend gehäuften Natur-
Fatastrophen vorausgingen, sollen sich durch erhöhte Temperatur und durch größere Trockenheit den
ihnen folgenden Zeitabschnitten gegenüber ausgezeichnet haben. So fanden die Wikinger auf ihren
kühnen Fahrten im 9., 10. und 11. Jahrhundert das Meer um Island und an der Küste Grönlands
wahrscheinlich völlig eisfrei vor. Ebenso soll nach den übereinstimmenden Zeugnissen der Geologen
and Archäologen während des Bronze-Zeitalters, also etwa von 1700 bis 600 v. Chr., im Norden
Europas ein überaus günstiges Klima herrschend gewesen sein, das jedoch im Verlauf der letzten drei
ander vier Jahrhunderte v. Chr. in ziemlich jähem Umschwung mehr und mehr zum winterlichen wurde.
Nach astronomischer Berechnung fiel, wie Pettersson mitteilt, die Vereinigung der Knoten-
und Apsidenlinie der Mondbahn, deren zeitlichem Vorrücken wir die große Periode verdanken, 1433
auf den Januarbeginn, Während des 18, Jahrhunderts hatte sie im Oktober stattgefunden, und geren-
wärtig tritt sie rezelmäßie im September ein