334 Annalen der ‚Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1918,
die als Tiefensedimente gedeutet werden. Sie beweisen mit der Tatsache ihrer
beschränkten Verbreitung und der geographischen Lage.der Fundorte, daß in den
Randgebieten der Kontinente vertikale Schollenbewegungen in erheblichem Aus-
maße stattgefunden haben müssen.‘ Eine absolute Permanenz.der Hoch-
und Tiefgebiete der Erde hat demnach nicht bestanden. Haben aber
jemals die Kontinente im ganzen oder größere Teile von ihnen Tiefseeboden ge-
bildet, so müßten Tiefseeablagerungen in weiter horizontaler Ausdehnung ge-
funden werden, Dies ist nicht der Fall. Dacqu& erhebt den Einwand, daß in
früheren geologischen Perioden die Bedingungen der Gesteinsbildung von den
heutigen ganz wesentlich abgewichen hätten und Tiefseeablagerungen entstanden
sein könnten, die nur nicht als solche erkannt würden. Nun ist zwar nicht bei
allen auf den Festländern vorgefundenen Gesteinen einwandfrei festgestellt, in
welcher Tiefe sie entstanden sind, doch ist bei den in Frage stehenden nur eine
geringe horizontale Ausdehnung beobachtet worden, und sie sind zwischen Ab-
lagerungen, die auf sehr wechselnden, aber kontinentalen Charakter des Ent-
stehungsgebietes schließen lassen, eingebettet, was beides gegen die Möglichkeit
auf Tiefseeboden entstanden zu sein spricht. Weiterhin wendet Dacqu6& ein,
daß in manchen geologischen Perioden insbesondere die Bedingungen zur Bildung
des roten Tiefseetones nur in beschränktem Maße oder überhaupt nicht gegeben
waren. Nach Philippi findet sich nämlich der kalkarme rote Ton heute in der
Nähe der Antarktis schon in weit geringeren Tiefen als in niedrigeren Breiten,
was er der kalklösenden Wirkung der dort verhältnismäßig stark sauerstoff-
haltigen und damit auch bei Anwesenheit zersetzbarer organischer Stoffe kohlen-
säurereichen Tiefenwasser zuschreibt, Danach habe nach Dacqu6& der rote Ton
„vereiste Pole geradezu zur Voraussetzung“, nachweislich seien aber die Klimate
früherer Perioden vielfach milder gewesen. Hiergegen ist m. E. einzuwenden,
daß auch bei Erhöhung der Temperaturen der Erdoberfläche so weit, daß die
Pole eisfrei werden, die Bildung kalten Bodenwassers und damit eine Durch-
lüftung der Tiefenschichten nicht aufhören wird, da diese nicht durch das Eis
der polaren Gebiete, sondern in erster Linie durch das oberflächliche Wind-
und Stromsystem bedingt zu sein scheint. Bei Eisfreiheit der Pole braucht die
Temperatur des Bodenwassers nicht einmal verändert zu sein, und selbst wenn
sie um einige Grade steigen sollte, so_ist dadurch noch keine andere Zirkulation
bedingt, da die Gegensätze zwischen Aquator und Pol und die dadurch erzeugte
Wind- und Wasserzirkulation wenigstens in ihren großen Zügen nicht aufgehoben
würde. Außerdem ist die kalklösende Tätigkeit des Tiefenwassers auch durch
die hohen, in großen Tiefen herrschenden Drucke bedingt. — Außer an dem
roten Ton ähnelnden Gesteinen fehlen auf dem Festlande auch dem Globigerinen-
schlamm entsprechende Bildungen in weiterer Erstreckung. Es kann demnach kein
Zweifel daran sein, daß die heutigen Kontinente niemals Tiefseeboden
gewesen sind. Als ganz wesentlicher Beweisgrund hierfür kommt noch hinzu,
daß der Charakter der durch Versteinerungen erhaltenen Fauna überall auf
flache Meere deutet und nur ganz selten auf 700 bis 800 m überschreitende Tiefen.
Sind aber die Kontinente stets Hochgebiete gewesen und halten wir an
dem Bestehen der Brückenkontinente, die zu gewissen Zeiten eine Gesamtfläche
von der Größe des Atlantischen Ozeans eingenommen haben sollen, fest, so ent-
steht die Frage nach dem Verbleib der durch die Zwischenkontinente verdrängten
Wassermassen, besonders da die wohlbegründete Annahme besteht, daß die freie
Wassermenge auf der Erde seit kambrischen Zeiten im wesentlichen unverändert
geblieben ist. Es könnte angenommen werden, daß infolge der Bildung von
Landbrücken der Meeresspiegel ganz allgemein gestiegen und dadurch die Über-
flutung von Teilen der Kontinente bedingt gewesen sei. Dies ist aber nach fol-
gender Überlegung nicht möglich. Die bei Entstehung der Brückenkontinente
im oben angegebenen Umfange verdrängte Wassermenge umfaßt etwa 300 Mill. km?
(bei einer Fläche des Atlantischen Ozeans von 80 Mill. akm und einer mittleren
Tiefe von 3500 m). Dient diese nun zur Erhöhung des Meeresspiegels der ver-
bleibenden Fläche der Ozeane (280 Mill. Gkm) und zur Überflutung von etwa
100 Mill. akm Land, so wird der Wasserspiegel um mehr als 700 m erhöht.