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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Schulz, B.: Die Frage der Permanenz der Ozeane und-Kontinente. 333

ist, So bleibt doch noch die Frage offen, ob nicht wenigstens die Lage der jetzt
über die Hälfte der festen Erdkruste einnehmenden Tiefenregion zu den aufragenden‘
 kontinentalen Massen im Laufe der geologischen Perioden die gleiche
geblieben ist. Das Problem einer Permanenz. der Kontinente und Ozeane in
diesem allgemeineren Sinne ist noch sehr umstritten, .
Aus Übereinstimmungen in: der Ausbildung und Lagerung von Gesteinen
in heute durch Ozeane getrennten Gebieten ist geschlossen worden, daß im
wesentlichen vier große, über Teile der Tiefenregion ausgedehnte Brückenkontinente
 bestanden haben, nämlich die Nordatlantis, welche Europa über Island
und Grönland mit Nordamerika verband, die Südatlantis als Brücke zwischen
Südamerika und Afrika, das. Gondwanaland, das Afrika, Vorderindien. und
Australien zu einer Einheit verband und endlich den südpazifischen- Kontinent
zwischen Südamerika und Australien,
Doch sind die beigebrachten Beweise von zahlreichen Geologen, die sich
gegen so ausgedehnte Landbrücken auf heutigem Tiefseeboden wandten, angefochten
 worden.
Beiden Betrachtungsweisen suchte A. Wegener durch die Annahme gerecht
 zu werden, daß die Kontinente in dem schwereren aber plastischen Gesteinsmaterial.
 der Tiefenschichten!), das auch den Boden der Tiefsee bilden
soll, schwimmen und horizontal beweglich sind; er nimmt überall, wo bisher ein
Brückenkontinent vermutet wurde, an, daß die Kontinente früher unmittelbar
zusammengehangen hätten und „später durch Spaltenbildung und horizontale
Verschiebung durch vorläufig unbekannte Kräfte von einander bis auf die heutige
Entfernung getrennt worden seien. Diese Theorie rüttelt an den Grundanschauungen
 der Geologie und. insbesondere der Paläogeographie, es ist daher kein
Wunder, daß die Wegenersche Theorie der Kontinentalverschiebung und im Zusammenhang
 damit die Frage der Permanenz der Großformen der Erdoberfläche
eine lebhafte Diskussion hervorgerufen hat. Dacqu€, Diener, Andree, Arldt
haben hierzu in letzter Zeit Beiträge geliefert und besonders W. Soergel hat
in zwei zusammenfassenden Arbeiten die angeführten strittigen Ansichten in
kritischer Weise betrachtet, ihr Inhalt ist im folgenden in den Hauptzügen
wiedergegeben”). . e
Die wesentlichste Voraussetzung für die Wegenersche Theorie ist, daß die
geologischen Tatsachen mit Sicherheit einen früheren ausgedehnten Zusammenhang
 zwischen heute durch weite Tiefengebiete getrennten Kontinenten verlangen,
Dies ist aber durchaus nicht der Fall, vielmehr führt Soergel eine Reihe von
Beweisen an, die für eine Permanenz aller Kontinente, und Ozeane in großen
Zügen seit dem Präkambrium sprechen,
Da die Meerestiefen. nicht zugänglich sind, wird der Nachweis, daß der
Meeresboden .dort, wo die Brückenkontinente vermutet werden, tatsächlich versunkenes
 Festland ist, nicht zu erbringen sein, wohl aber müßten sich. auf dem
Festlande, der einmal Tiefseeboden gebildet hat, Tiefseeablagerungen finden, An
vier Orten, nämlich auf Malta, Trinidad, Barbados und Neumecklenburg, hat man
dem heutigen Globigerinenschlamm ähnelnde Gesteine aus dem Tertiär gefunden,
. ‚ !) Von E, Suess „Sima“ genannt, da der Hauptbestandteil ein Silikat des Magnesiums ist,
im Gegensatz zu den Gesteinen der äußersten Erdkruste „Sal“, in denen das Silikat des Aluminiums
eine vorherrschende Rolle spielt. ;
2) A. Wegener, Die Entstehung der Kontinente und Ozeane. Braunschweig 1915,
E, Dacqu6, Grundlagen und Methoden der Paläogeographie. Jena 1915, .
©. Diener, Die Großformen der Erdoberfläche. Mitt. d. k. k. Geogr. Gesellsch. in Wien,
- 58. Bd. 1915, .
K. Andr6e, Alfred Wegeners Hypothese von der Horizontalverschiebung der Kontinentalschollen
 und das Permanenzproblem im Lichte der Paläogeographie und dynamischen
Geologie, Peterm. Geogr. Mitt. 1917, S. 50 und 77. 1% %®
W. Soergel, Die atlantische „Spalte“. Kritische Bemerkungen zu A. Wegeners Theorie
von der Kontinentalverschiebung. Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft:
Bd. 68, Jahrg, 1916, S. 200—239, ; .
W. Soergel, Das Problem der Permanenz der Ozeane und Kontinente. . Stuttgart 1917,
Th. Arldt, Die Frage der Permanenz der Kontinente und Ozeane, Geogr. Anz. 1918, $, 2ff£.
Th. Arldt, Handbuch der Paläogeographie. Bd.’I. Paläaktologie..: Leipzig 1917. - 8. &
            
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