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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Schmidt, W.: Über (Arbeitsleistung und Arbeitsverbrauch in der freien Luft. 397 
fast immer Haften der äußersten Gasschicht an der Wand (d. h. Strömungs- 
geschwindigkeit hier gleich 0) einsetzen, Gleiten braucht man bloß unter außer- 
gewöhnlichen Bedingungen anzunehmen, und selbst‘ da bedingt das nur eine 
geringfügige Korrektur. Um so mehr sollte man meinen, daß es angezeigt wäre, 
auch in freier Luft der alleruntersten Schicht — sei sie auch noch so dünn — 
eine Geschwindigkeit Null zuzuschreiben. Wir können dann immer noch allen 
Beobachtungstatsachen durch geeignete Wahl der Werteverteilung der A gerecht 
werden ohne jede besondere Formel für eine Grenzreibung. . 
Wir haben eingangs den Begriff der durch den senkrechten Luftaustausch 
hervorgebrachten Scherkraft benützt. Kennt man bei einem Dauerzustand 
— der mittlere entfernt sich erfahrungsgemäß nicht. weit von einem solchen — 
die Scherkraft an der oberen Begrenzung einer Schicht, ferner die Kräfte, die 
durch das Luftdruckgefälle und die. Ablenkung der Erddrehung auf die Massen 
der Schicht selbst ausgeübt werden, . dann braucht man bloß diese beiden zu 
jener zu addieren, um die Scherkraft an der unteren Begrenzung zu erhalten. 
Ist die Schicht jedoch verhältnismäßig dünn, dann bleiben die beiden auf die 
Masse der Schicht wirkenden Kräfte stark hinter der Scherkraft zurück, und 
man erhält als erste Annäherung Gleichbleiben der an horizontaler Fläche an- 
greifenden Reibungskraft, also X. konstant, unabhängig-von z. . 
Die von G. Hellmann veröffentlichten Nauener Beobachtungen!) haben 
nun Werte der Windgeschwindigkeit geliefert, die sich recht gut durch die Formel 
r= nz 
darstellen lassen. Es wird also 
. dv 1 —+ 
I = 5‘ YıZ 
und die Leistung der Reibungskraft in der Volumeinheit, wenn wir ihre Richtung 
mit der Windrichtung zusammenfallen lassen?): 
. 4 
wW = BILL = Bay 278. 
Wir setzen hierin bestimmte Werte ein, die den mittleren in freier Luft 
unserer Gegenden etwa entsprechen dürften, d,i. v, = 187, was in 9 m Höhe 
730 em/sek Windgeschwindigkeit gibt. Den Wert des % rechnen wir aus den 
Zuständen in etwa 50 m Höhe, wo wir A = 20 ansetzen dürfen, während nach 
der eben gebrachten Formel AT den Wert 6.52 -.10—®% erhält. Es wird damit 
B = A = — 0.13, und derselbe Wert gilt nun auch in allen niedrigeren 
Schichten, woraus die sekundliche Arbeitsleistung in der Volumeinheit folgt: 
w = 486.275 
Das liefert z. B. die Wertereihe: 
z=01 02. 05 1 2 4 6 10 20 50m 
w = 0.77 0.44 0.213 0.122 0,070 0.040 0.029 0.019 0.011 0.005 Erg/cm* sek. 
Wegen des starken Geschwindigkeitsgefälles nimmt also die Reibungsarbeit 
gegen Bodennähe außerordentlich zu trotz der erheblichen Abnahme des Aus- 
tausches, der z, B. wegen % = — A = konst. verkehrt proportional dem Ge- 
schwindigkeitsgefälle ist. . 
Noch einfacher erhält man den ganzen Energieverbrauch vom.Boden bis 
zur Höhe z; es ist nämlich wegen 8 — konst. allgemein 
FA 
d 
W (z) = Bf Gr de = .v, 
'y Berl. Sitzber., 1917, X, 194. . 
2, Das ist nun streng genommen nicht der Fall; wohl aber ist der Winkel zwischen beiden 
annähernd konstant, so daß eine Korrektur am Schluß genügt. Die Verhältnisse werden nicht 
vetroffen.
	        
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