v. Horn, A,: Die Sturmfluten längs den Nordsee- und den Zuiderzee-Küsten usw. 8921
haven u. a, durch Verengung und Verflachung der. das nach innen fließende
Wasser aufnehmenden Einbuchtungen, d. i. durch sog. Trichterwirkung, verursacht,
stehen somit mit den Gezeiten oder der Aufstauung nicht unmittelbar
in Zusammenhang. Diese Trichterwirkung tritt sehr deutlich zwischen Helgoland,
Roter Sand und Wilhelmshaven auf. Von Helgoland aufwärts, dem. Strom folgend,
steigt die Amplitude der M,-Tide rasch von 95 bis 122 cm (28%) und 168 cm
(719%), zwischen 6° O-Lg. und Zoutkamp :von 89 auf 99 cm (11°), zwischen
7° O-Lg. und Delfzyl von 92 auf 125 cm (36°). Die hydrographische Beschaffenheit
des nördlich von dem Abschlußdeich geschaffenen neuen Seegebietes
weicht jedoch von der der Lauwerzee und des Dollart bedeutend ab, Der große
Unterschied liegt in der Form der Oberfläche und der mittleren größeren Tiefe
des neuen: Seegebietes in Verbindung mit den breiten und tiefen Zugangstoren
nach oder von der Nordsee, die weit auseinander liegen und somit die Zirkulation
befördern, sowie in dem Umstand, daß die größeren Tiefen nach dem Abschlußdeich
und der Friesischen Küste zunehmen und die Aufstauung vielmehr verringern.
Dieses führt dazu, daß. Trichterwirkung nicht zu befürchten ist, ;
Zur Beantwortung der Frage, ob die astronomischen Gezeiten sich an der
Friesischen Küste nach der Abschließung verändern werden,. legt Verfasser die
Kappazahlen und Amplituden der Mondtide M, und der Sonnentide S, zugrunde.
Nach diesen ist die Amplitude bei Harlingen (72cm) und ‘Roptazyl (76 cm)
wenig von der. am Helder (68 cm) und auf Vlieland (85 cm) verschieden, sie
wächst bei Zoutkamp (123 cm), Delfzyl (155 cm) und Roter Sand durch Trichterwirkung:
bedeutend an, was in dem neuen Seegebiet aber ausgeschlossen ist.
Ferner gibt die Gezeitenwelle nicht für die drei Zugangspforten der verkleinerten
Zuiderzee zu gleicher Zeit Hochwasser und Niedrigwasser, Zwischen Helder und
Vlieland beträgt der Unterschied der Mondtide M, allein: 2.4 Stunden, Längs der
Friesischen Küste kommt die Tide auch nicht. zu demselben Zeitpunkt. an, .und
zwar im Norden-0.6 Stunden später als im Süden. Hat Terschelling Hochwasser,
so fällt das Wasser schon am ‚Helder, längs der Friesischen Küste ist auch dieselbe
Neigung vorhanden, was eine Wasserhäufung nicht fördert. Dieser günstige
Unterschied. bleibt auch nach der Abschließung bestehen, wofür. in-erster Linie
der Zeitunterschied' in der. Ankunft. der Mondtide M, auf den Leuchtschiffen
Nord-Hinder, Schouwenbank, Maas, Haaks, Terschelling-Bank und auf Helgoland
in der Nordsee spricht, der 50, 80, 216, 68 und 248 Minuten iin Übereinstimmung
mit dem gegenseitigen Abstand dieser Stationen beträgt. Während: somit
der günstige Unterschied zwischen Haaks und Terschelling 68 Minuten beträgt,
wächst dieser. zwischen. Helder und Vlieland auf.2,4 Stunden infolge der.großen
Tiefen des Marsdiep und des Texelstromes, die auch die Ursache der. geringen
Amplitude am Helder sind. Verfasser gelangt zu dem Ergebnis, daß: keine
Gründe für eine: merklich höhere CGezeitenwelle in Zukunft sprechen, setzt
jedoch "der Sicherheit wegen eine Erhöhung der Amplitude. der astronomischen
Tide um 10%, bei Haaks und Terschelling-Bank ein, d. i..um 31cm bei Springund
um 23 cm bei Nipptide. wo
Zur Untersuchung der Veränderung der Aufstauung in. dem neuen Seegebiet
dienen dem Verfasser die die größte bisherige: Aufstauung verursachenden drei
Sturmfluten vom 22./23. Dezember 1894, 12./13. März.1906 und 13./14. Januar .1916.
Zur Berechnung der Aufstauung‘ wird zunächst der Wasserstand: bestimmt, der
allein bei Ebbe und Flut eingetreten sein würde, und zwar von Stunde zu Stunde
für alle Stationen. der Zuiderzee, für Zoutkamp, Delfzyl, Nieuw-Statenzyl wie für
Helder und Vlieland unter Benutzung der astronomischen Zeitrechnung, Die
Vorausberechnung der Gezeitenbewegung geschieht mit großer Genauigkeit durch
deren Zerlegung in eine große Anzahl regelmäßiger einfacher Bewegungen (10),
um auch ' festzustellen, welcher‘ Art-.die Tide bei jedem der drei Stürme war.
In Fig, 2, die die Gezeiten, Wasserstands- und Stauungskurve in Harlingen wiedergibt;.ist
der Einfluß - der Ebbe in‘derSturmflut vom 22,/23. Dezember 1894 unverkennbar,
während am'-12; März 1906 und 13, Januar 1916 der Zusammenhang
zwischen Wasserstand und Gezeiten. deutlich hervortritt. Eine Störung der
Gezeitenbewegung bzw. ein Nichtdurchkommen der Ebbe ist ausgeschlossen. Der