308 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Septembher/Oktoher 1918,
Dem hat dafür die Tängenmethode weichen müssen, Unter den Spiegelinstrumenten sind Trommel-
und Zeigersextanten neu beschrieben. Als kleine Unstimmigkeit wird empfunden, daß der im Text
zenannte Halbkreis beim Weirschen Diagramm in der Figur nicht mehr auftritt, daß als unterste
irenze hei Höhenbeohachtungen cinmal 10°, dann wieder 12° angegeben wird. In der Nordstern-
breitenformel ist das zweite Vorzeichen der ersten Berichtigung überflüssig, da es schon in der trigono-
metrischen Funktion enthalten ist. Die Bezeichnung der Überschrift S. 165 als Ortsbestimmung
aus einer Standlinie ist störend, Von der Wahl und Benennung des Leitpunktes als wahrscheinlichen
Schiffsortes sollte man füglich abgehen; er wirkt in einem Lehrbuch nicht förderlich. Auch die Be-
rechnung des Schiffsortes mit Hilfe des Leitpunktes der ersten Standlinie sollte aufgegeben werden;
a wird die gewünschte Einheitlichkeit der Methode nur gestört. auch die Lösung durch Rechnung
aus dem gegißten Ort ist möglich und sehr einfach, wenn man nicht überhaupt die Zeichnung vor-
zieht. Erwünscht wäre, die leichter zu schreibende Funktion sem einzuführen und die Differenz
p-— 8 durch ein anschauliches z, oder Z, statt durch das nichtssagende u zu ersetzen, Dem Wunsche,
laß in einem Lehrbuch nur fest umrissene Worte gewählt werden, widerspricht, daß das Instrument
zum Kursabsetzen in der Karte einmal Kursdreicck, dann wieder Kompaßdreieck oder Kartendreieck
heißt. Der Vorschlag, künstliche Horizonte auch an Bord zu benützen, dürfte nur in den seltensten
Fällen zu brauchbaren Ergebnissen führen, Für manche Figur wäre eine genauere Ausführung zu
wünschen.
In dem Teil „Chronometerkunde“ könnte allmählich das Verfahren der Standbestimmung
aus gleichen Sonnenhöhen aufgegeben werden. Im Zeitalter der F, T.-Signale genügt in Einzelfällen
die Bestimmung aus Einzelhöhen, die man zur Erzielung größerer Genauigkeit gegebenenfalls in
gleicher Höhe rechts und links des Meridians wählt. Als Gewinn des Buches kann die vollständige
Durchführung von Rechenbeispielen der Staud- und Gangbestimmung mit Normaluhr und drei
Chronometern gewertet werden.
. Vorbildlich, aus der Feder eines erfahrenen Didaktikers, wirkt der Teil: „Kompaßwesen“.
Außerlich hat er durch im Drucke hervorgehobene wichtige Sätze noch gewonnen. KErwünscht wäre
noch die Beigabe einer Isogonenkarte und einer Zusammenstellung der Induktionsstangen. Das Ver-
fahren der harmonischen Analyse ist zweckmäßig gekürzt worden. Als Unstimmigkeit wird empfunden,
daß auf S. 355 der Höchstbetrag der Restdeviation zu 6°, auf S. 367 zu 3° angegeben wird. Beim
Kreiselkompaß haben die einleitenden Kapitel cine bessere Fassung erfahren, der Figurenschatz ist
vervollständigt worden.
Die „Wetterkunde‘ ist neu bearbeitet worden, Die Reichhaltigkeit des Stoffes in engem
Rahmen hat den Verfasser manchmal verleitet. Erklärungen zu knapp zu geben; man empfindet das
bei der verkürzten Barometerskala, bei der Berechnung des Gradienten, Ausschießer und Krimper
hätten in etwas nähere Beziehung zu den Isobaren der Depression gestellt werden können. Erfreulich
ist die Beigabe von Isobaren- und Isothermenkarten. Erwünscht wäre noch die Besprechung einer
Wetterkarte und die Aufnahme einiger Beispiele über das Verhalten im tropischen Sturm. Nicht-
geschlossene Isobaren gibt es nicht.
Auf cine für ein Lehrbuch der Navigation viel zu breite Grundlage gestellt ist die ,,Mecres-
kunde“, Möge immerhin für die Wissenschaft die Meeresströmung nur ein Bruchteil der physi-
kalischen Erscheinung des Meeres sein, in ein Lehrbuch «der Navigation gehört sie in den Mittel-
punkt, um den sich die anderen Ergebnisse der Wissenschaft, soweit sie die Strömungen erklären,
gruppieren müssen. Kurze Andeutungen über aufquellende Strömungen, Salzgehalt, Temperatur,
Tiefseelotung hätten genügt, um einer mehr ins Einzelne gehenden Beschreibung der Meeresströmungen
Platz zu räumen. Eine Abbildung der Sommerströmungen im Nordindischen Ozean würde die Haupt-
karte wesentlich ergänzen.
Schr wertvoll erscheint bei den „Gezeiten“ die vollständige Beispielsammlung aller möglichen
Fälle der Gezeitenrechnung. Die einzelnen technischen Ausdrücke hätten in Formulierung und Druck
zielleicht noch etwas mehr hervorgehoben werden können. Veraltete Begriffe braucht ein Lehrbuch
aicht mehr aufzuführen. Die Flutstundenkarten sind etwas eingehender behandelt. Die Verweisungen
auf andere Teile des Buches stimmen leider nur für die erste Auflage. N
Der letzte Teil, „Nautische Vermessungen“, ist eine fast ungekürzte Übernahme des be-
treffenden Teiles aus dem Lehrbuch für die Marineschule und hier neu aufgenommen, Er ist eine
Fundgrube vereinzelter, fast zu sehr ins einzelne gehender guter Ratschläge. Ob die Aufnahme dieses
Sonderzweiges in dem Lehrbuch eine Notwendigkeit war, mag dahingestellt bleiben; die vielen Ver-
weisungen auf ein besonderes Buch für diesen Zweck lassen erkennen, daß die nötige Literatur bereits
‚orhanden ist. Die mit Fleiß zusammengestellten und mit Wärme vorgetragenen viclen Fingerzeige
sollten jedoch noch eine Sichtung erfahren in dem Sinne, daß das Wesentliche als solches erkennbar
hervortritt; insbesondere gehört das psychologische Moment etwas mehr in den Hintergrund geschoben.
Die Anlehnung an ein vollständig und sorgfältig durchgearbeitetes Beispiel aus der Praxis hat ihre
Vorzüge, verleitet jedoch manchmal dazu, die allgemeinen Gesichtspunkte vor dem Speziellen aus dem
(jesichte zu verlieren. Wenig im Einklang mit den anderen Teilen stcht die bürgerliche Rechnung
der M. G. Z. auf S. 568. -
Eine wesentliche Wandlung des Charakters des Buches haben die Anderungen der zweiten
Auflage nicht hervorgerufen. Was man dem Buch nun ferner wünschen mag, ist, nachdem der Stoff
von Fachmännern inhaltlich -genau umschrieben ist, eine einheitliche Bearbeitung unter der Hand
zines wissenschaftlich, praktisch und didaktisch gleich befähigten Meisters, der den für cin Lehrbuch
schr wohltuenden Ausgleich zwischen den verschiedenen persönlichen Noten der einzelnen Bearbeiter
erzielen würde,
Mürwik
V Immler.