302 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Oktober 1918,
e. Von den mecklenburgischen Gewässern und den Gewässern um Rügen bis Thiessow
liegen nur wenig Eismeldungen vor. Am meisten melden Wismar mit 42 und
Thiessow mit 41 Tagen mit Eis, Das Fahrwasser nach Wismar wurde an 18 Tagen
durch Eisbrecher offen gehalten und war an 32 Tagen für Segelschiffe ge-
schlossen. In Thiessow war die Dampferfahrt an 4 Tagen geschlossen. Im
ganzen dauerte hier die Frost- und Eisperiode vom 19, XII, 17 bis 28, II, 18.
f. Im Stettiner Haff
haben Eisbrecher an 57 Tagen gearbeitet, die Segelschiffahrt war an 49 Tagen
geschlossen; Swinemünde jedoch nur an 7 Tagen, Von Kolberg und Stolpmünde
gingen 23 bzw. 24 Eismeldungen ein,
g. West- und ostpreußische Küste und Frisches Haff,
Von den preußischen Küsten bis Danzig sind keine wesentlichen Eis-
hindernisse verzeichnet, Pillau hat für den Seekanal 37 Tage und für das Frische
Haff bis Elbing (wo keine Eisbrecher tätig waren) sogar 63 Tage mit Schluß
der Dampmpfschiffahrt verzeichnet.
Die Berechnung des Chronometerstandes aus einer Einzelhöhe.
Von €. Thiemann, z. Zt. Seefahrtlehrer an der Marineschule Mürwik.
Die Berechnung des Chronometerstandes aus einer Einzelhöhe wird durch-
weg so gelöst, daß im Poldreieck mit den bekannten Größen Breite (g), Ab-
weichung (d) und Höhe (h) bzw. Zenitabstand (z) der Stundenwinkel (t) ermittelt
und daraus die mittlere Greenwicher Zeit (M. G. Z.) abgeleitet wird. Diese Methode
wird dort, wo man noch die Chronometerlänge rechnet, wohl kaum auf
Schwierigkeiten stoßen, da durch das tägliche Rechnen mit der Stundenwinkel-
formel bald die erforderliche Sicherheit erlangt wird.
Anders liegen die Verhältnisse jedoch bei der Kaiserlichen Marine, wo die
Aufgabe Chronometerlänge fast gar nicht bekannt ist; hier wird jede Gestirns-
höhe mit Hilfe der Höhenformeln
Be sin? 5- = sin? g-+ cos + cos 8 sec (p — 8)
. 2. sinh = cos (p — 6) - cos x
als Standlinie ausgewertet.
Die Berechnung des Chronometerstandes aus einer Einzelhöhe
—. eine Aufgabe, die auch in der Seeoffiziershauptprüfung‘ vorkommt — wird
auch hier nach der Formel
sin? z- = sec @-sec 8 sin ALL .sin AM,
wo u = g — 60 algebraisch, ausgeführt.
Es liegt auf der Hand, daß in der Kaiserlichen Marine im allgemeinen
die nötige Sicherheit zur Berechnung dieser Aufgabe nicht so schnell erlangt
werden kann, da die Aufgabe zu selten an den Seeoffizier herantritt und mit
der zu erwartenden Ausdehnung der funkentelegraphischen Zeitsignalstationen
auf Ausnahmefälle beschränkt sein wird, Es geht daher mein Vorschlag dahin,
dort, wo nach der Höhenformel gerechnet wird — in erster Linie also bei der
Kaiserlichen Marine und an der Hamburger Seefahrtschule —, die alte Chronometer-
längen-Formel überhaupt aufzugeben und den Chronometerstand ebenfalls nach
der Höhenmethode zu berechnen. Ich bin mir dabei wohl bewußt, daß mancher
Lehrende aus erzieherischen Gründen die Stundenwinkelformel gern beibehält;
Hauptziel bleibt jedoch, die Grundlage für eine sichere Berechnung
der nautischen Aufgaben zu geben, und da läßt sich der Grundsatz „je
weniger Formeln, desto besser“ unbedingt vertreten.