Mecking, L.: Nordamerika, Nordeuropa und. der Golfstrom in der elfjährigen ‚Klimaperiode, 19
zuerst die unmittelbar benachbarten Meeresteile an langjährigem Material: ziemlich
in der gleichen Vollkommenheit mustern und Schritt für Schritt von der Biscaya-See
nordwärts bis zum Eisrand im‘ Barentsmeer die gleichen oder wenig veränderten
Züge herausarbeiten, um dieselben dann in den polaren Ländern und ihrer Warm-
wasserumgebung -an allerdings immer spärlicher‘ werdendem Material, doch in
stets gleichem Sinn wiederzufinden. Und in solcher Weise darf und muß wohl auch
das kleinste, vereinzelte‘ Körnchen herangezögen werden. ; no
Zusammenfassung der Ergebnisse, .
Im ganzen Bereich der auf Seite 2 verzeichneten Stationen ließ sich für die
Temperatur ein Einfluß der Sonnenfleckenperiode nachweisen, der sich ‚indes
zum Teil nach Ort: und Jahreszeit in recht verschiedener Gestalt darstellt:
Im Innern des Festlands. von Nordamerika wie auch an deı Küste von
Labrador unterliegt die Temperatur dem Fleckeneinfluß : ungemein
stark, besönders im Winter so, daß die Jahre der reichsten: Sonnenflecken um
ganze Grade kälter als die fleckenarmen ausfallen; der Dezember.in Winnipeg
z. B. erweist sich in den Jahren. der Fleckenmaxima und denen der -minima ‚um
durchschnittlich 10° (!) verschieden. Aber auch in den übrigen Jahreszeiten
bleibt der Sinn der Schwankung der des Köppenschen Gesetzes: Fleckenmaximum
kalt, Fleckenminimum warm. Auch ist die Regelmäßigkeit groß genug;
daß für Winnipeg aus noch nicht drei vollständigen Perioden ein guter Normalgang
der Schwankung‘ der Jahrestemperatur hervorgeht. Nach niederen Breiten
scheint sich‘ das Schwankungsausmaß zu verringern, wie der Vergleich
von. St. Louis mit Winnipeg. und Edmonton oder der von Montreal und Quebec mit
Nain und Hebron zeigt. ; .
Auf der europäischen ‚Seite: hat ‘die Temperaturperiode im Randgebiet
von der Biscaya-See bis nach Spitzbergen, und zwar auf den sich gegenseitig durch-
dringenden . Ländern wie. Meeresflächen (Wassertemperatur). den‘ entgegen-
gesetzten Sinn, d.h. die Minimalepochen der Flecken bringen kalte, die
Maximalepochen warme Jahre; so daß im allgemeinen ein Schwankungs-
gegensatz zwischen den atlantischen Gegengestaden vorliegt (nordatlan:
tische Wärmeschaukel): Das Ausmaß der Schwankung ist viel kleiner als
in Nordamerika; es rechnet sowohl in der Biscaya-See wie an den Küsten- und Insel-
stationen der höheren Breiten und besonders in Großbritannien (London) nur nach
Zehntelgraden und erreicht hier selbst für die Wintermonate bei Bildung der
Normalperiode nur eben den. Betrag eines Grades; in nördlicheren Ländern ist der
Schwankungsbetrag größer, und auch innerhalb derselben verrät sich ein Anwachsen
mit der Breite (in Schweden wie.an den norwegischen Seestationen). Unter den
‚Jahreszeiten zeigt ebenso wie in Amerika der Winter die Periode am stärksten;
nur nicht der Hochwinter, sondern Spätwinter und Vorfrühling; von Einzel:
monaten ‚bringt sie an den südlichen Seestationen Norwegens der Februar, im
Binnenland der März und an den nördlicheren Seestationen der April am meisten
zur Geltung. Aber auch im Sommer bleibt die Periode ausgeprägt, sowohl. an den
norwegischen Land- und Seestationen wie in der Eisgrenze des Barentsmeeres
und im. Meerwasser bei der Bäreninsel und ‚westlich Spitzbergens (Oberfläche
und Tiefe). In den Übergangsjahreszeiten hingegen tritt die Periode sehr
zurück oder verschwindet ganz; so im Oktober— Dezember in der Biscaya-See
und in Norwegen auf Land und Meer.
Viele dieser Gesetzmäßigkeiten erklären‘ sich gemeinsam am besten unter
der Annahme, daß die Temperatur, besonders der europäischen Seite, weniger primär
durch die Sonnenflecken als. sekundär vermittelst der atlantischen Zirkulation
beeinflußt wird.