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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

280 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Oktober 1918,
beschrieben sei. Und nun kommt das Neue. Vespucci hatte geschrieben „riscontravolo
 con U Almanaco di Giovanni da Monteregio, accordandolo con le calcazioni del
Re D. Alfonso‘, Daraus folgert Bensaude schlankweg: „Comment Vespucci a-t-il
connu la methode du calcul, est-ce par les Ephemerides? Non puisque nulle part
dans ce livre il en est question; c’est dans les „calcolazioni delle Tavole del Re D. Alfonso‘“,
 qu'il a appris le’ proc6ede‘“. Und kurz zuvor versichert er noch bestimmter:
„Vespucci avait puisee la methode dans les Libros del Saber du roi Alphonse, du
elle se trouve plusieurs fois repetee. C’est done par les Libros del Saber que
Vespucci connu la m6thode‘“, Für diese kühne Behauptung bleibt uns der sonst
so streng jeden Ausspruch durch ein genaues Zitat belegende Autor jeglichen Beweis
schuldig. Er zeigt damit zugleich, wie wenig er die Libros del Saber kennt. Bekanntlich
 sind dieselben bis zum Jahre 1866, wo sie in einer großen Prachtausgabe
von Rico y Sinobas publiziert wurden, Manuskript geblieben. Nirgends findet sich
dort — auch nicht in den ‚„Canones‘ zu den lateinischen Ausgaben der Tabulae
Alfonsinae — eine Andeutung über die fragliche Methode. Ich vermute, daß Bensaude
ein Opfer seiner eigenen Unkenntnis geworden ist. Denn im Jahre 1912 hat er offenbar
von der Anwendung der Methode der Mondabstände durch Vespucci noch keine
Kenntnis. Damals war er noch im Glauben, daß der Florentiner die Ephemeriden
1499 benutzt habe: „pour determiner la longitude de Venezuela par rapport & Cadix,
a V’aide d’une eclipse de la lune‘“. Später (L’astron. naut. p. 10) spricht
Bensaude vom ‚„calcul des longitudes par la methode de la difference de Yheure
d’une eclipse, comme Va fait Vespucci en 1499“ (a. a. O: p. 21). Nun findet sich
im III. Buche der Libros del Saber ein Kapitel überschrieben: De saber tomar la
longueza de las villas ner los eclipses kunares, worin in sehr allgemeinen Wendungen
von dem. Vergleich der Ortszeiten gesprochen wird, zu welchen eine Mondfinsternis
an zwei verschiedenen Orten beobachtet wird, um daraus ihren Längenunterschied
zu finden. Vermutlich hat ein solches Stichwort den Irrtum Bensaudes veränlaßt.
Jedenfalls muß der portugiesische Forscher, dem allein wir diese ganz neue Legende
verdanken, in diesem Fall der nämlichen Oberflächlichkeit geziehen werden, welche
er nicht müde wird, den deutschen Autoren vorzuwerfen.
Nun läßt sich bei näherem Studium des Wortlauts des Briefes vom
18. Juli 1500 eine Reihe ernstester Bedenken sachlicher Natur gegen die vermeintliche
 Längenbestimmung erheben. Hier sollen nur die hauptsächlichsten derselben
angedeutet werden, im übrigen muß ich erneut auf meine ausführlichen Darlegungen
über die Legende verweisen.
a) Der Brieftext spricht bei Erwähnung der Ephemeriden des Monteregio
„che fu composti al Meridiano della citta di Ferrara‘. In Wahrheit gelten sie für
den Meridian von Nürnberg, und Ferrara kommt in Regiomontans Tabula civitatum
überhaupt nicht vor. Groß ist indessen der Einfluß dieser Verwechslung auf das
Gesamtergebnis nicht, da Ferrara nur wenig östlicher als Nürnberg liegt. Aber
das Seltsame ist, daß der nach seiner Vorbildung und seinem nautisch-astronomischen
Wissen weit über Kolumbus stehende Vespucci bei seiner Berechnung einfach Calis
(Cadix) an die Stelle Ferraras gesetzt haben sollte, ohne zuvor die Zeit, welche die
Ephemeriden für die Konjunktion Mond—-Mars am 23. August 1499 angeben,
nämlich um Mitternacht (la cuale seconde  Almanaco aveva a essere a mezza Nolte)
beim Übergang zum 24. August, auf die Ortszeit des mindestens 171/,° L. oder 1h 9m
in Zeit westlicher liegenden Cadix zu übertragen.
b) Vespucci will im Westen um 71/,h abends beobachtet haben, daß der Mond
1° östlich des Mars gestanden habe, um Mitternacht dagegen bereits 51/,° von dem
Planeten entfernt gewesen sei. Da hiernach der Mond in 12% — 7h = 41, Stunden
sich um 4!/,° fortbewegt haben müßte, so soll Vespucci daraus geschlossen haben,
daß der Mond sich in jeder Stunde um 1° bewegt und folglich um 6!/,h p. m. in KonjJunktion
 mit dem Mars gestanden habe, Hier wird man zunächst die Frage aufwerfen,
in welcher Weise hat Vespucci diese Bogenabstände des Mondes bzw. des Mondrandes
 vom Mars messen können? Astrolabium und Quadrant, ausschließlich für
Messungen in der Vertikalebene bestimmt, konnte er dafür nicht anwenden. Der
Jakobstab, Balhestilha von. den Portugiesen des 16. Jahrhunderts genannt, war, wie
in $ 26 ausführlich dargelegt ist, nach unseren heutigen Kenntnissen in der
            
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