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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

569 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September/Oktober 1918, 
als gnomische Karten betrachtet und daher die Großkreise als Gerade 
gezogen werden. Die von solchen Geraden eingeschlossenen Winkel 
können als gleichwertig mit den entsprechenden Kugelwinkeln an- 
gesehen werden. Um die Richtung der Loxodrome zwischen zwei Punkten der 
Karte zu ermitteln, verbindet man sie durch eine Gerade; der Winkel, den die Gerade 
mit dem mittelsten der überstrichenen Meridiane bildet, ist gleich dem loxodromischen 
Winkel, denn in der Schiffahrt braucht man die Kurse höchstens auf 1/,° genau 
zu kennen!). Wie schon vorher bemerkt wurde, weicht die Länge der Loxodrome 
nur wenig von der des Großkreises ab. Da nun die Karte als längentreu betrachtet 
werden kann, ist es erlaubt, die Länge der Loxodrome auf dem Mittelmeridian, 
der die Teilung trägt, abzusetzen. Sollen umgekehrt Kurs und Entfernung eines 
Schiffsweges in die Karte eingetragen werden, so verfährt man folgendermaßen: 
Die geographische Länge des Abfahrtortes sei A,, die des Ankunftsortes 4,, mithin 
der Längenunterschied A, — A,. Vom Abfahrtorte trage man den Kurs an den 
Meridian des Abfahrtortes an und setze auf ihm die Entfernung ab. Man messe 
den Winkel, unter dem. die Gerade den Meridian !/, (2, + 4.) schneidet, und ziehe 
nun durch den Abfahrtsort die Gerade unter diesem, Winkel mit dem Abfahrt- 
meridian. Die Loxodrome liegt stets nördlich vom Großkreise, Nur bei Strecken 
von mehreren hundert Seemeilen wird diese zweimalige Zeichnung notwendig sein. 
Die Fischereikarten der Nordsee, in stereographischem Entwurf gezeichnet, sind 
mithin zur Navigierung ebenso bequem, wie die in Merkatorentwurf gezeichneten. 
Sie bieten aber den Vorteil, daß man in ihnen Großkreise und Kleinkreise in 
größerer Ausdehnung als Gerade zeichnen kann, als bekanntlich bei den Seekarten 
angängig ist. 
Für die astronomische Navigation reichen die stereographischen Karten 
aus, für die terrestrische dagegen muß man sich gnomischer Kartennetze be- 
dienen. Man hat sich daher die Aufgabe zu stellen, stereographische und gnomische 
Karten zu zeichnen, wozu die Kartennetze berechnet werden müssen. Die Lehr- 
bücher der Kartographie geben zur Zeichnung solcher Karten Anweisungen, die 
für die Praxis ungeeignet sind, worauf auch Frischauf hinweist. Überhaupt sind 
die Anweisungen der Lehrbücher auf die Zeichnung von Karten kleinen Maßstabes, 
die eine große Kalotte der Erde zur Darstellung bringen sollen, zugeschnitten. 
Am ausführlichsten scheint Zöppritz-Bludau, „Leitfaden der Kartenentwurfs- 
lehre‘“, 2. Teil, Leipzig 
1908, S. 17, die Zeich- 
nung von Kartennetzen 
behandelt zu. haben. 
Die dort vorgeschlagene 
Zeichnung veranschau- 
licht Fig. 1. Sie ist in 
mehrfacher Hinsicht als 
unpraktisch zu bezeich- 
nen, denn es sind zu- 
viel Schnittpunkte zu 
ermitteln und die y,, Yı 
ausw. haben ungleiche 
Abstände, müssen also 
immer neu abgesteckt 
werden. Die Formeln 
erfordern 6 und 7stellige 
logarithmische BRech- 
5” W, Immler, Ann, d. Hydr. 1918, S, 93, hält dies Verfahren nicht für einwandfrei. „Für 
die Zwecke der reinen Kursbestimmung ist, wenn sie einigermaßen genau werden soll, dies Verfahren 
weniger zuträglich.‘“ Als Kartenmaterial sind dabei „speichentreue oder azimutale Projektionen“ ge- 
dacht. Mindestens hätte es statt „azimutale‘“ „andere azimutale‘“ heißen müssen. Gemeint sind, wie 
ich aus der Darstellung entnehmen zu müssen glaube, speichentreue Karten mit dem Nordpol als 
Mittelpunkt, Der Widerspruch zwischen den Ausführungen Immlers und den obigen Schluß- 
folgerungen ist daher nur scheinbar.
	        
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