242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli/August 1918.
Minimum und nur ein Maximum auftritt, wie die beiden Sätze nach Gleichung (6)
in der Wedemeyerschen Arbeit auch für die loxodromischen Entfernungen
nahelegen, ist vorstehend dargetan, Bei kleinem Längenunterschied A zwischen
Ziel und Abgangsmeridian dürfte zwar nur ein Minimum auftreten, wie es ja
für 1 = 0 zweifellos der Fall ist. Liegt aber das Ziel nahe am Äquator und
annähernd 90° in Länge vom Abgangsmeridian entfernt, so treten wenigstens
4 Minima und 4 Maxima der loxodromischen Entfernung zwischen Ziel und
Punkten des Abgangsmeridians auf. In welchen Fällen die Anzahl der Minima
zwischen 1 und 4 liegt oder gar 4 übersteigt, müßte durch eine genauere Unter-
suchung der Gleichung (6) erst bestimmt werden.
Es ist klar, daß bei der ganzen Frage die loxodromische Entfernung
auf dem Breitenkreis überhaupt nur eine untergeordnete Rolle spielt. Nur,
wenn das Ziel auf dem Aquator liegt, stellt die auf dem Breitenkreis gemessene
Entfernung vom Abgangsmeridian einen Extremwert (Minimum oder Maximum)
dar. In allen anderen Fällen findet man wenigstens noch einen, oft auch noch
mehr Punkte des Abgangsmeridians, die vom Ziel die gleiche Entfernung haben
wie der Punkt in gleicher Breite mit dem Ziel. Nur durch die Verzerrungsart
der Merkatorkarte, auf der gerade diese Loxodrome stets als der scheinbar
kürzeste Abstand des Ziels vom Abgangsmeridian wiedergegeben wird, ist
dieser Loxodromenbogen unbillig in den Vordergrund des Interesses gerückt.
Die Reibung in der Atmosphäre,
Von V. HM. Ryd, Kopenhagen,
In der sehr interessanten Arbeit: „Die Reibung in der Atmosphäre“!) von
Th. Hesselberg und H. U. Sverdrup wird im 8 9 eine Untersuchung des
Koeffizienten der inneren Reibung % in den Schichten oberhalb der Anemographen-
höhe besprochen. Es wird hier gesagt: „Das Ergebnis der Untersuchung des
Reibungskoeffizienten in der freien Atmosphäre ist also, daß man jedenfalls im
Mittel mit einem konstanten Koeffizienten der inneren Reibung rechnen kann.“
Die Bestimmung der Reibung in der Atmosphäre ist von der allergrößten
Bedeutung für die weitere Entwicklung der dynamischen Meteorologie, und für
die Forschung würde es eine sehr große Erleichterung bedeuten, falls man
wirklich, wenn auch nur im Mittel, mit einem konstanten Koeffizienten rechnen
könnte. Im voraus scheint indessen nicht vieles dafür zu sprechen, daß man in
irgendeiner Hinsicht einfache Verhältnisse finden wird, wenn es sich um die
Reibung in der Atmosphäre handelt. Aus der angeführten Abhandlung geht
nicht ganz klar hervor, was man eigentlich darunter verstehen soll, daß man
„im Mittel“ mit einem konstanten Reibungskoeffizienten rechnen kann, aber selbst
wenn man sich an die speziellen Fälle hält, welche die Verfasser behandelt haben,
so scheint es mir, daß man auch innerhalb dieses beschränkten Gebiets die
Richtigkeit der gefundenen Resultate in Zweifel ziehen muß; im folgenden werde
ich versuchen, dies genauer zu begründen, Indessen liegt mir auch sehr daran,
einige Verfahren zu erörtern, welche in der genannten Untersuchung gebraucht
werden, obgleich sich dieselben nicht mit Recht in solcher Weise verwenden
lassen. Diese Verfahren sind auch schon mehrfach von anderer Seite verwandt
worden, und es wäre sehr zu bedauern, falls diese sich in der dynamischen
Meteorologie einbürgern würden.
In der genannten Arbeit wird der Reibungskoeffizient % derart bestimmt,
daß verschiedene Werte von % in die vermittels der Theorie gefundenen
Formeln eingesetzt werden, worauf der Wert gewählt wird, der eine solche Über-
einstimmung zwischen Berechnung und gewissen Beobachtungen gibt, daß man
damit zufrieden sein kann. Wir werden zunächst kurz die Hauptzüge des be-
nutzten Verfahrens wiedergeben.
\ Veröffentlichungen des Geophrsikalischen Instituts der Universität Leipzig, Bd. II, Heft 10