Thorade, H.: Die Sturmflut vom 15. und 16. Januar 1916 in den dänischen Gewässern. 287
nimmt, daß das Wasser zunächst infolge seiner Trägheit die der Windstärke: ent-
sprechende Größe des Aufstaus überschreitet und darauf. zurückfließt, Dann
wäre also die Erscheinung des Windstaus mit Schwingungen verbunden, Ohne
diesen Schluß als feststehende Wahrheit hinzustellen, mag doch darauf hin-
gewiesen werden, daß verschiedene Umstände damit im Einklang sein würden,
Einmal erinnert tatsächlich die Fig. 3 an das Bild einer von Norden her ein-
dringenden fortschreitenden Welle, wenn diese auch durch Nebenerscheinungen
entstellt wird. Sodann ist es z. B. schwer zu verstehen, daß der Strom bei
Anholt Knob um 8: Nm. am 15.1. quer zum Winde und bergauf, dem Gefälle
gerade entgegen, gerichtet ist. Er würde sich jedoch ungezwungen erklären als ein
Hinausschwingen des Wassers über seine Gleichgewichtslage. Auch in der Fig. 4
könnte man Ähnliches bemerken. Gewiß ist bei den Strömungen eine Reihe ver-
wickelter Umstände lokaler Natur mitbestimmend, aber daß der hier behandelte
Windstau zum mindesten mit Schwingungen verquickt ist, dürfte immerhin wohl
möglich sein, zumal wir auch weiterhin solchen Erscheinungen begegnen werden,
Doch zurück zu La Cour. Der Wind treibt das Wasser zunächst nach N,
so daß es hier steigt, während es im Süden fällt, Aber sicherlich kommt auf
der Höhe von Skagen auch ein Zufluß aus dem Skagerrak hinzu, sonst könnte
hier das Wasser bis 12% nicht so beträchtlich steigen, obwohl es gleichzeitig bei
Läsö Trindel nach S abströmt. Bei Anholt Knob ist mittlerweile der Strom ge-
kentert und folgt dem Gefälle nach S, wo er ein schnelles Anwachsen des Wasser-
standes während des ganzen Nachmittags bis 8b zur Folge hat. Am nördlichen
Ausgange halten sich nach 12% der Zu- und Abstrom annähernd die Wage, und
die Wasserstandsänderungen bleiben geringfügig.
Eigenartig verhält sich der südwestliche Zipfel des Kattegats (südlich von
Djursland). Hier gibt zunächst der Wind allein den Ausschlag und bläst das
Wasser bis 4h Nm. unausgesetzt fort, so daß die Förden des südlichen Jütlands
ein Sinken bis etwa 1m unter dem Mittel aufzeichnen. Dann aber dringt der
Wasserschwall aus dem nördlichen Kattegat auch hier ein und bewirkt, daß um
8t fast wieder Mittelwasser er- Fig. 5.
reicht ist. In vier Stunden ist also .
der acht Stunden lang ange- Bar
wachsene Windstau wieder aus-
gelöscht und dies, obwohl der
Wind gerade jetzt auf Stärke 10
und darüber anwächst. Wiederum
ein Beweis dafür, wie gering die
direkte Windwirkung in unserem
Falle ist. *
Bis 12h nachts steigt das
Wasser überall noch ein wenig
und bleibt dann bis 8h Vm,
stationär. . Das würde angesichts
der Windverhältnisse erklärlich
scheinen. Um ‘so rätselhafter ist
es, daß durch den steten Abfluß
von Wasser nach dem Norden (bei Cr
Anholt Knob) der Wasserstand aN Variationen im Wasserstande bei Aarhus und Hornbaek
der seeländischen Küste nicht er- nach La Cour. Die Kurven geben für jeden: Zeitpunkt
niedrigt wird, zumal noch ein un- an, um wieviel sich der Wasserstand geändert hat von
ausgesetzter Wasserverlust nach 1h vorher bis 1h nachher,
dem Südwestzipfel und durch die südlichen Ausgänge des Kattegats hinzukommt. Erst
um 12% mittags, mit dem merklichen Abflauen des Windes, verläuft sich das Wasser.
Seicheartige Schwankungen im südlichen Kattegat um eine von N
nach S verlaufende Knotenlinie leitet La Cour aus den Beobachtungen von
Hornbaek und Aarhus ab (Fig. 5); er findet eine Periode von etwa vier Stunden
und erinnert daran, daß schon J. P. Jacobsen bei seiner Untersuchung der Ge-
zeitenströme im südlichen Kattegat die M;-Tide auffällig stark ausgeprägt fand
und auf eine stehende Schwingung von der entsprechenden vierstündigen Dauer
ZU