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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli/August 1918.
Die Sturmflut vom 15. und 16. Januar 1916 in den dänischen Gewässern.
s _ »„Vandstandsforholdene den 15.—16. Januar 1916“ ist der Titel einer Studie
von D. La Cour!), mit der das Dänische Meteorologische Institut eine Reihe
von Abhandlungen: „Abnorme Vandstandsforhold i de Danske Farvande“ eröffnet,
und über die hier berichtet werden soll. Das Institut hat mit einer
Reihe dänischer Behörden und mit dem Schwedischen Meteorologischen Institut
ein Abkommen getroffen, das es instandsetzt, sobald eine besondere Wetterlage
es geraten erscheinen läßt, durch ein Telegramm eine bereits vorher geschaffene
Organisation in Tätigkeit zu setzen und von nicht weniger als 91 Stationen
Wasserstandsbeobachtungen in ein- bis zweistündigen Zwischenräumen zu
erhalten. Ein derartiger besonderer Fall trat zum ersten Male am 15. und
16. Januar 1916 ein. Indem das Institut nun die Ergebnisse veröffentlicht, beabsichtigt
es nicht etwa über den Windstau in den fraglichen Gewässern im
allgemeinen etwas auszusagen, sondern ein bestimmtes Beispiel zu beschreiben,
um damit anzuregen und sich selbst über den Wert der befolgten Methoden klar
zu werden, zumal eine abschließende Theorie erst nach vielen Jahren möglich
sein wird,
Die Wetterlage, die das Institut bestimmte, das Signal zum Beobachten zu
geben, ist dadurch gekennzeichnet, daß vom 11.I. bis 16. I, zwei Minima in ostsüdöstlicher
Richtung ziehen, wie La Cour durch 10 Wetterkarten belegt. Aber
während das erste sich über Dänemark hinwegbewegte und infolgedessen ein
Drehen der Winde fast durch alle Striche der Windrose veranlaßte, schlug das
zweite einen nördlicheren Weg zum Finnischen Meerbusen ein und wurde durch
die stürmischen Winde an seiner Südseite die Ursache einer Sturmflut. Eine
Tabelle der Beobachtungen von 40 dänischen Landstationen vom 15. und 16. I.
zeigt in einer geradezu seltenen Gleichmäßigkeit überall ein Drehen des Windes
aus südwestlichen in nordwestliche Richtungen, bei gleichzeitigem Anwachsen der
Geschwindigkeit. Es erscheint daher berechtigt, das Mittel aus sämtlichen
dänischen Windbeobachtungen zu nehmen:
Mittlere Windrichtung ....
Windstärke, Beaufort
15. Januar,
4h Vm, Sh Vm,
S33°W S43°W
5.6 75
2b Nm. &h Nm. (A
S799W N68°W N6209W
8.9 9.9 10.0
16. Januar.
4h Vm., sh Vm, 2h Nm,
Mittlere Windrichtung .... N59°W N49°W N 56° W
Windstärke, Beaufort 9.6 7.4 5.4
Die ganze Nacht durch herrschte also ein Sturm von fast konstanter
Richtung und Stärke (von 10 Beaufort). Dabei ist zu berücksichtigen, daß die
Windgeschwindigkeiten schneller zunehmen als die Beaufort-Grade, und daß daher
das Mittel der Beaufort-Grade etwas zu klein sein wird, weil die niedrigeren
Grade mehr Gewicht haben, als ihnen zukommt.
Ähnliches ergibt sich aus den Beobachtungen 10 dänischer Feuerschiffe,
wenn auch sonderbarerweise etwas geringere Windstärken und etwas mehr dem
Gradienten folgende Richtungen gemeldet werden, Das plötzliche starke Auffrischen
des Windes berechtigt La Cour zu der Annahme, daß gegenüber diesen
Windwirkungen diejenigen der Vortage kaum in Betracht kommen, zumal der Wind
damals umlief. Wir haben es praktisch also nur mit den Wirkungen eines rechts
drehenden Sturmes zu tun, der die Nacht durch in Stärke und Richtung fast
gleich blieb.
Publicationer fra det Danske Met. Inst., Meddelelser Nr. 4 Kopenhagen 1917, 83 Seiten
mit 33 Figuren u. Karten.