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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Wagner, H.: Die Entwicklung der wissenschaftlichen Nautik usw. 
Breiheutefetn des Regimiende 
also jetzt auf sich beruhen. - Eine Prüfung auf ihre Richtigkeit gestattet auch die 
im übrigen verständige Angabe des Mestre Joäo, des Piloten Cabrals, nicht über 
die von ihm i. J. 1500 an der Küste von Brasilien erreichte Breite. „Am Montag, 
den 27. April“, heißt es in seinem Brief an König Manuel”®), „stiegen wir ans Land, 
ich, der Pilot des Generalkapitäns und der Pilot Sancho de Tovar. Wir haben die 
Höhe der Sonne um Mittag zu 56° gefunden, und der Schatten war nordwärts‘‘. 
„Segund las reglas del estrolabio““ schlossen wir, daß wir 17° vom Äquator entfernt 
seien, und zwar 17° gegen den antarktischen Pol zu,‘ Es ist klar, daß, worauf schon 
Bensaude (p. 127) aufmerksam macht, ein lapsus calami von seiten Joäos vorliegt, 
da eine positive Deklination (28. April) in jenen Breiten einen Schatten südwärts 
erfordert. Im übrigen ist, weil die Deklination nach der damaligen Tabula decli- 
nationis am 28. April rund 17° betrug, die Breitenbestimmung = 90° — (56°.+ 17°) 
= 17° S-Br. richtig. Aber dadurch, daß wir nachträglich schließen, Cabral müsse 
sich bei Porto Seguro befunden haben, können wir keinerlei Schluß darauf ziehen, 
öb die Beobachtung von 56° für die Sonnenhöhe richtig war. Die Prüfung über den 
Grad der Genauigkeit älterer Breitenbestimmungen hat man bisher fast allein an 
der Hand der zeitgenössischen Welt: und Küstenkarten vornehmen müssen, ‘da 
ausgeführte Breitentabellen nicht vorlagen. Von diesem Standpunkt erhalten die 
in beiden Ausgaben des Regimento do estrolabio niedergelegten Tafeln geographischer 
Breitenlagen ganz besonderes Interesse. Die Münchener Ausgabe enthält eine solche 
in weit kürzerer Form mit nur 60 Positionen gegen 190 in dem Evora-Exemplar. 
Was die erstere betrifft, so liefert die Tafel in ihrer Beschränkung den Beweis, daß 
wir sie — und damit den Druck des Werkes — an das Ende des ersten Jahrzehnts, 
vielleicht in das zweite des 16. Jahrhunderts zu verlegen haben. Sie geht mit ihren 
westafrikanischen Breitenlagen räumlich nicht über den Äquator hinaus, obwohl 
dieser von den Portugiesen doch schon im Jahre 1471 überschritten und 1487 das 
Kap der guten Hoffnung erreicht war. Als südlichster Punkt wird die Insel St. Thome 
genannt. Mit dieser beginnend folgen weitere 60 bis hinauf zum Kap Finisterra 
an der Westküste Galiciens (43° Br.). Viel weiter greift die Breitentafel der Evora- 
Ausgabe aus. Ihre 190 Angaben beziehen sich nicht nur-auf die West- und Ost- 
küste Afrikas, sondern auch auf Südasien bis zu den Molukken.‘ Gewiß mit Recht 
sieht Bensaude (a. a. O. S. 171) die Beschränkung in der älteren Ausgabe als eine 
Folge des Dekrets König Manuels vom 13. November 1504 an, wonach es verboten 
ward, auf nautischen Karten Andeutungen über. die Schiffahrt jenseits ‘der Inseln 
St. Thome und Prineipe zu machen. Wenn die Evora-Ausgabe dagegen alle Breiten 
auf dem Wege um Afrika bis nach Ostindien anführt, so wird man annehmen 
müssen, daß zur Zeit der neuen Fassung jenes Verbot bereits aufgehoben war. 
Ich möchte dem Umstande, daß in den zahlreichen Beispielen des Münchener 
Regimento zur Berechnung der Breite aus beobachteter Sonnenhöhe, von denen 
oben (S. 219) die Rede war, die Breite Lissabons bereits zu 
381° ' 
angenommen worden ist (und ebenso in der Bestimmung der Polhöhe aus der Be- 
obachtung des Polarsterns), einen weiteren Beweis dafür entnehmen, daß diese 
Teile des Textes nicht aus viel früherer Zeit als aus dem Ende des ersten Jahr- 
zehnts des 16. Jahrhunderts stammen können. Schon 1894 habe ich®) ‚auf die 
im Zeitalter der Entdeckungen Schritt für Schritt erfolgende Herabrückung der 
Lage Lissabons in niederere Breite hingewiesen, welche für die Datierung mancher 
Fahrten und Ereignisse jener Zeit nicht ohne Bedeutung ist. Die Tabulae civitatum 
des späteren Mittelalters pflegten bei der unsicheren Kenntnis ihrer Lage eine Breiten- 
angabe in ganzen Zahlen der Grade beizufügen. Wenn z.B. im 15. Jahrhundert 
für Lissabon die Breite von 41° angenommen wird, so ist damit. ein ziemlich weiter 
Spielraum gegeben. Denn der 41. Breitengrad reicht vom 40. Parallelkreis bis. zum 
41. Bei Eintragung in Karten mußte man sich freilich für:eine festere Lage nach 
Teilen des Grades entscheiden. Ptolemaeus. (Geogr. 11,5) gab daher Olisipo 
die bestimmte Breite von ‘‘  40°15. 
°) Bensaude, L’astr. naut.:253; © , KR . 
&%) H.: Wagner, Die Toscanellikarte v. 1474 usw. Nachr. d. k, Ges.’d. Wiss, Göttingen, Hist.- 
phil. Kl. 1894, S. 248—251: Die Breitenlage von Lissabon, 
92927
	        
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