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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli/August 1918.

höhen gezeigt. Schück hält diese „gewisse Quadranten von Holz‘ für das sogenannte
Kamädl der Mauren. Der Israelit Gaspar da Gama und zwei Schiffsführer von Melinde
begleiteten Vasco auf der Heimreise. Zacut wird dadurch die Kamäl kennen gelernt
haben. Dabei habe ihm nicht entgehen können, daß der Grundzug derselben der
gleiche war, wie der von Levi ben Gersons und Regiomontans Instrument, nur diente
das Kamäl bestimmten Fällen und war höchst ungenau. Zacut soll nach Correa
nicht bei der bloßen Belehrung stehen geblieben sein, sondern auch Tafeln der Sonnenbahn
 mit solchen für den Umlauf des Nordsterns vereint haben, wofür er eine andere
Vorrichtung anbrachte, und zwar so gut, daß man den Punkt messen konnte, in
welchem sich der Nordstern befand. Daraus schließt Schück, daß dies neue Instrument
 Zacuts der Jakobstab gewesen sein könne, der aber zunächst als Tablas da
India aufgetreten sei. Diese ziemlich künstliche Interpretation, die Schück vielleicht
nicht gemacht hätte, wenn ihm damals schon die Anweisungen des Regimento do
estrolabio e do quadrante bekannt gewesen wären, scheitert m. E. daran, daß in
den nächsten ‚Jahrzehnten in Portugal vom Jakobstab niemals gesprochen wird.
Ist ferner das Jahr 1497 für die Flucht Zacuts aus Portugal maßgebend, so spricht
auch das gegen die Hypothese Schücks. Denn dann erlebte Zacut Vascos Rückkehr
aus Indien nicht mehr in Lissabon.
Eine zweite Vermutung, daß das Instrument, das in seinen Grundzügen
auf der Iberischen Halbinsel seit Levi ben Gersons Zeiten bekannt gewesen sei,
nicht erst auf dem Umweg über Deutschland (Regiomontan) dorthin zurückgekehrt
sein könne — Bensaude weist von neuem hierauf hin — bringt uns nicht weiter.
Denn bislang liegt kein greifbarer Anhaltspunkt vor, der uns beweist, daß und wann
auf diesem Wege der Jakobstab in die dortige Nautik eingeführt sein soll.
Dasselbe gilt allerdings nach Aufgabe der Behaimschen Vermittlung für
eine dritte Ansicht, daß nämlich die Schrift Joh. Werners v. J. 1514, in welcher
er sich nach Regiomontan zuerst wieder dem Radius astronomicus, wie er ihn nennt,
zuwendet, um ihn an Stelle der gleichmäßigen Einteilung des Gradstocks eine solche
in Graden des gemessenen Winkels zu geben, den Anlaß zu seiner Einführung abgegeben
 habe. In dieser Hinsicht ist bemerkenswert, daß Pedro Nunes 1546 bei
seiner Beschreibung des dritten der seemännischen Instrumente seiner Zeit
(s. vor. S.) zwar auf Regiomontans Originalschrift und seine Einteilung des Stabes
aufmerksam macht, nicht aber auf die Wernersche. In unmittelbarer Fortsetzung
seiner oben angeführten Worte heißt es: „Ejus (sc. astronomici radii) fabricam
tradidit Ioannes de Monteregio in libro de Cometa. Diuidenda est fustis longitudo
in quotlibet aequas partes.“‘
Die interessante weitere Entwicklung des Jakobstabs zu verfolgen, ist hier
unsere Aufgabe nicht. Wir verweisen von neuem auf A. Schücks überaus gründliche
 Studie, die sich dieses Ziel stellt, hin; es ist jedenfalls mit die beste Arbeit
aus dem fraglichen Bereich. Er verfolgt den Jakobstab durch alle Phasen von
Levi ben Gerson, Regiomontan, Werner (1514), Peter Apian (1533),
Gemma Frisius (1544), über Martin Cortez (1551) und Coignet (1581) bis auf
‚J.. Harris (1730).

27. Die Breitentafeln des Regimento. Um das Können der Portugiesen oder
Spanier in der Breitenbestimmung während der älteren Zeit zu prüfen, liegen nur
wenige Überlieferungen von Einzelbeobachtungen vor. Bekannt ist, wie fehlerhaft,
zum Teil die Breiten waren, die Kolumbus für seine westindischen Entdeckungen
anfangs angenommen haben soll (Breusing), oder diejenigen, welche man Behaim
auf Grund seines Globus zur Last gelegt hat (Peschel). Indessen würde es eines
etwas abseits liegenden Exkurses bedürfen, diese fehlerhaften Angaben auf andere
Ursachen als absolute Unkenntnis des Wesens astronomischer Breitenbestimmung
von seiten der Genannten zurückzuführen. Dem 42° Br., welchen Kolumbus für Nordkuba
 (statt 21°) angibt, steht z. B. die ziemlich richtige Lage von Nordjamaika
gegenüber (18° Br.), die Kolumbus gelegentlich seiner Längenbestimmung am
14. September 1494 für den Hafen von Santa Gloria anführt’®). Lassen wir dies

#8) Race, Colomb. P. I, Vol. IIT. Roma 1894. Tab. CXXXVIII u. Navarrete, .Col, de los viages
Madrid 1825, II, 272, ©. auch H, Wagner. Die Legende d. Längenbest, Vespuceis, Nachr. d. k.
Ges. d. Wiss, Göttingen, Math.-phrs, Kl. 1917, 277.
            
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