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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

292 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli/August 1918. 
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und hat schon eine Zwölfteilung des Einzelgrades am Limbus. Er gehört also einer 
schon weit vorgeschrittenen Zeit an. Der Beobachter mußte nach Einstellung des 
Instruments das Senkel am Gradrand mit der Hand festhalten, um alsdann den 
Höhenwinkel abzulesen, falls nicht zwei Beobachter sich in die Aufgabe teilten. 
Kolumbus spricht mehrfach von der Benutzung des Quadranten, ohne 
daß man eine seiner unmittelbaren Beobachtungen — falls sie überhaupt an Ort 
und Stelle ausgeführt waren und nicht nur vorgeschützt sind, wie man nach den 
außerordentlich falschen Ergebnissen vermutet hat, — nachprüfen könnte. Als 
ein zeitgenössisches Urteil über die zu erzielende Genauigkeit einer Höhenmessung 
mittels des Quadranten wird man die Worte des Mestre Joäo, des Schiffsarztes 
und Piloten der Expedition Cabrals v. J. 1500, ansehen können. In seinem Briefe ®) 
an König Manuel vom 1. Mai 1500 heißt es®): „Es erscheint mir unmöglich, auf dem 
Meere die Höhe irgendeines Sternes zu bestimmen, da ich mich in dieser Sache 
viel bemüht habe, denn wenn ein Schiff nur wenig schwankt, irrt man sich um 4 
oder 5 Grade, so daß sich eine Höhenmessung nur auf dem Lande ausführen läßt.“ 
Daher schließt er seinen Brief mit dem Rate: „Es ist auf dem Meere besser, sich 
nach der Höhe der Sonne zu richten als nach der irgendeines Sterns, und es ist besser, 
mit dem Astrolabium als mit dem Quadranten oder irgendeinem anderen Instrument 
(zu messen).“ 
2. Das Astrolabium. Die erste Benutzung des Astrolabiums zur Nee 
wird neuerdings auf Diogo d’Azambuja (1481) zurückgeführt. So geschieht 
es auch von J. Bensaude mit Betonung des Umstandes, daß dies also vor Ankunft 
Behaims in Lissabon geschehen sei. Er führt dabei als Quelle E. Ravensteins 
Schrift über Martin Behaim (1908 p. 16) an. Dieser wiederum stützt sich für seine 
Angabe *) „that the astrolabe was made use of for the first time by Diogo d’Azam- 
buja‘® auf das Werk „De rebus gestis Joanni IT. auctore Emmanuele Tellesio Sylvio 
Marchione Alegretensi‘“ (Manuel Telles de Silva, Marquez de Alegrete). Aber dies 
Werk stammt erst aus 1689. Allerdings bringt dieser Historiker die Umgestaltung 
des Astrolabiums zu einem nautischen Instrument mit der Expedition Azambujas, 
„pridie Idus Decembris anni 1481 Ulyssipone solvens‘, in einen gewissen Zu- 
sammenhang, und zwar indem er zugleich die „Astrolabii inventio‘“, d.h. eben 
diese Umgestaltung auf die Junta dos mathematicos zurückführt. Unter deren 
Mitgliedern nennt er auch Martinus Bohemus. Es verlohnt sich daher, Telles 
eigene Worte anzuführen (a. &. 0. S. 156). ‚Johann IT. erhielt den Rat, Guinea zu be- 
setzen, der ihm gefiel: „Igitur classem tantae rei idoneam aedificare jubet, eique 
Jacobum (sic) Azambujum virum militia et prudentia clarum praeficit; atque 
ut minore cum errandi periculo ignotum mare navigari posset, Roderico ac Josepho 
medieis suis, nec non Martino Bohemo, eä aetate peritissimis Mathematicis, injunxit, 
at adhibito inter se consilio, excogitarent aliquid, quo nautae cursum navium, licet 
in vasto novoque pelago, tutius dirigerent, ut vel abstracti a notis sideribus, cog- 
nitisque littoribus, quam Caeli ac pelagi partem tenerent, aliquo modo cog- 
noscerent: ii post in defessum studium, longamque meditationem astrolabium, 
instrumentum quod ante Astronomiae tantum inserviebat, utiliori invento ad 
navigandi artem maximo navigantium commodo transtulere; quod beneficium 
tota Europa Joanni debere non inficiari potest.“ 
Dann folgt die Ausfahrt Azamhujas und der Verlauf der Expedition, ohne 
daß des Astrolabiums oder einer Beobachtung mit demselben irgendwie weiter 
gedacht wird. Hiernach kann Telles de Silva als authentische Quelle für die Annahme, 
Azambuja habe das Astrolabium zur See zuerst zur Anwendung gebracht, nicht 
wohl herangezogen werden. Woher sollte auch der 200 Jahre nach dem Ereignis 
schreibende Verfasser so viel besser, als wir heute. über dasselbe unterrichtet ve- 
#2) Der gesamte in spanischer Sprache abgefaßte Brief Joäos ist abgedruckt in Bensaudes 
J/’astronomie naut, 1912, 252 ff. 
65) „Antes me paresce ser inposible en la mar tomarse altura de ninguna estrella porque yo 
trabaje mucho en eso e por poco que el nauio enbalance se yerran quatro, 0 cinco grados, de guisa 
que se non puede fazer synon en terra.“ 
%) Dassclbe hatte Ravenstein schon 1900 (Martin de Bohemia, Biobliotheca da Rev, Portug, 
Col. e Marit., p. 15) behauptet: Diz-nos Manuel da Silva que 0 astrolabio serviu a@ primeira vez para 
a vlagem de Diogo d’Azambuja (1481).
	        
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