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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Waguer, H.: Die Entwicklung der wissenschaftlichen Nautik usw. 9921 
Dagegen bringt Diego Gomez von Cintra (1462) seine eigenen Beob- 
achtungen mittels des Quadranten in unmittelbare Beziehungen zur „altitudo poli 
arctiet““. Die Stelle aus seinem Bericht über die Entdeckung von Guinea an Martin 
Behaim von Nürnberg ist oben (S. 112) wiedergegeben ®). 
Man darf hieraus, wie überhaupt aus der Breitenbestimmung aus Polarstern- 
höhen in der ersten Zeit gegenüber derjenigen aus Sonnenhöhen, schließen, daß der 
Gebrauch des Quadranten von seiten der portugiesischen Nautiker auch dem des 
Astrolabiums vorausgegangen ist. Der Satz, mit dem E. Gelcich 1892 die Be- 
schreibung der nautischen Instrumente im Zeitalter der großen Länder-Entdeckungen 
beginnt: „Das älteste in der Schiffahrt gebrauchte astronomische Instrument war 
das Astrolabium‘“ — Beweise irgendwelcher Art hat er dafür nicht angegeben — 
besteht m. E. also nicht zu Recht. Es mag übrigens sogleich darauf aufmerksam 
gemacht werden, daß die Mehrzahl der neuen Schriftsteller über die anfängliche 
Entwicklung der nautischen Instrumente deren Schilderung und Abbildung nicht 
wirklich zeitgenössischen Quellen, sondern weit späteren Werken, ja solchen aus dem 
Ende des 16. oder des 17. Jahrhunderts, entnimmt und die Frage der ältesten Formen 
und ihrer Anwendung im 15. Jahrhundert kaum berührt. Ich erinnere an 
A. Breusing (1890) und den ihn ausschreibenden E. Gelecich 1892. Aber auch 
bei E- Ravenstein (Martin Behaim 1908) ist es nicht anders. Noch auffallender 
ist das Durcheinanderwerfen der Gebrauchszeiten der einzelnen Instrumente in 
Joh. Baguette’s wenig kritischer Kompilation: „Die Bedeutung des Astrolabiums 
für die Seeschiffahrt 1909‘. (Vgl. Anm. 56.) ; 
l. Der-Quadrant. Quadrant und Astrolabium waren unter den Astro- 
nomen seit Jahrhunderten bekannt, bevor man sie zur See anwandte. . Es fragt 
sich, welche Vereinfachungen sie zu letzterem Zweck erfuhren. Darüber hat man 
bis jetzt nur Vermutungen. Daß unter beiden der Quadrant das handlichere 
war, scheint sicher. Zum wenigsten in der Form, welche die neueren Forscher, wie 
Breusing u. a. ihm unterlegen. Aus einem rechtwinkligen Kreisausschnitt — anfangs 
nur aus Holz — bestehend, auf dessen Bogenstück die Gradeinteilung befindlich war, 
gehört er den vor das Auge zu haltenden Visierinstrumenten an. Der eine Schenkel 
hatte an seiner Außenseite zwei Absehen, mittels deren man nach einem Gestirn 
visieren konnte. Ein am Ende beschwerter, im Scheitel des rechten Winkels be- 
festigter Faden, der über den Limbus glitt (bei senkrechter Stellung des Instruments, 
ohne zu schleifen), gab unmittelbar den Höhenwinkel des Gestirns an. Die wichtige 
Frage der Handhabung des Instruments während der Beobachtung wird von den 
neueren Autoren selten berührt, wie denn die Bitte E. Ham mers*®) bisher leider kaum 
Beachtung gefunden hat. Er wünscht, daß diejenigen; denen gebrauchsfähige Exem- 
plare der alten Instrumente zu Gebote stehen, sich zu einer genügenden Zahl wirk- 
licher Messungen mit denselben entschließen möchten, damit man über die ihnen 
innewohnende Messungsgenauigkeit unterrichtet werde. 
Beim Seequadranten kann nur angenommen werden,‘ daß er an einem im 
Scheitel angebrachten Ring mit ausgestrecktem Arm vom Beobachter hochgehalten 
wurde, damit dieser durch das untere Absehen blicken konnte*). Das bedingt nicht 
zu große Dimensionen des Apparates. Bestimmte Größenangaben der älteren 
Quadranten sind mir nicht begegnet. Ein im Hamburgischen Museum für Kunst 
und Gewerbe aufbewahrter Quadrant von Arnold de Arnoldi, dem Verfasser 
der großen Weltkarte in quadratischer Plattkartenprojektion v. J. 1600, hat nach 
gütiger Auskunft der Direktion des Museums einen Halbmesser von 35.5 cm, wovon 
jedoch 2.2 cm auf den äußeren Ornamentenstreifen kommen. ‘ Er ist von Messing 
59) Vgl. Schmeller, Über Valentin Fernandez Alemä und seine Sammlung von Nachrichten über 
die Entdeckung der Portugiesen bis 1508. Abh, d. I. Cl. d. k, Akad. d. Wiss. München, IV. Bd,, 
III. Abt. a. 1845, 33. Wenn Ravenstein (Martin Behaim 1908, 17) die Fahrt von Gomez auf das 
Jahr 1456 verlegt, also vier Jahre vor Heinrichs Tod, so hat er übersehen, daß Gomez deutlich vom 
Todesjahr 1460 spricht und dann erzählt: „Post duos annos dominus rex Alfonsus armavit quandam 
caravelam magnam, in qua me misit pro capitaneo etc,“, 
60) Peterm. Mitteil. 1897. Lit. Ber. Nr. 20. 
51) In der Abbildung des Quadranten in Reisch Margarita philosophica, Freiburg 1503, auf 
welche Breusing (Naut. Instrumente, 36) verweist, wird der Quadrant allerdings von der Figur des 
Ptolemaeus am Limbus mit der Hand erfaßt und hochgehoben.
	        
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