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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli/August 1918,
Im allgemeinen haben die späteren nautischen Leitfäden diese ausschließlich
für Lissabon geltenden figurativen Darstellungen der Höhe des Polarsterns in den
acht Positionen seines Stundenkreises nicht mehr aufgenommen. Wenn dies wirklich
im Repertorio dos Tempos des Val, Fernandez vom Jahre 1552 geschehen sein
sollte, und zwar ganz in der fehlerhaften Form des Evora-Regimento, wie Ben-
saude S. 145 angibt, so spricht dies nicht für astronomische Einsicht des damaligen
Herausgebers.
Mit einem Regimento da altura del x%olo Antaretico haben wir uns im
Rahmen unserer Betrachtungen nicht weiter zu beschäftigen. Zwar taucht die
Frage nach der Existenz eines Südpolarsterns schon früh auf. Schon Cadomosto
sucht ihn 1455. Mestre Joäo, der Begleiter Cabrals 1500, beschreibt ihn im Stern-
bild des südlichen Kreuzes. Aber weder die beiden oben analysierten Regimento-
Schriften, noch Enciso, Faleiro, Martin Cortez beschäftigen sich mit ihm.
Nur Medina widmet ihm 1545 in seiner Arte de nauegar ein. Kapitel: Como se ha
de tomar el altura del Polo antartico Libro V. cap. XI (vgl. Bensaude, L’astronomie
nautique, 145 bis 147).
26. Die älteren Instrumente der astronomischen Nautik, Bevor wir uns
den Breitentabellen des Regimento do estrolabio zuwenden ($ 27), berühren wir
mit einigen Worten die Beobachtungsinstrumente der Gestirne, deren sich die
portugiesischen Seeleute im 15. Jahrhundert bedienten. Freilich meist nur Bekanntes
wiederholend ; denn tatsächlich wissen wir darüber wenig und die neueren Forschungen
haben unsere auf gelegentliche und unsichere Andeutungen angewissenen Kennt-
nisse kaum in irgendeinem Punkt erweitert. Fest steht dagegen heute, daß es sich
nur um zwei Werkzeuge, den Quadranten und das Astrolabium handelt. Denn,
wie noch zu erörtern sein wird, scheidet der Jacobstab oder Gradstock für die
ältere Zeit aus.
Inwieweit man bereits zu Heinrich des Seefahrers Zeit (+ 1460) zur Be-
stimmung der Polhöhe eines Punktes aus der Beobachtung des Polarsterns eines der
erstgenannten Instrumente wirklich anwandte, entzieht sich noch immer der
sicheren Kenntnis. Es ist von späteren Autoren bis in die Neuzeit allerdings öfter
behauptet worden. Auch Bensaude (a. a. O. 8. 50) bleibt bei einfachen Behaup-
tungen stehen. „On sait que les Portugais des 1419 et 1420 se sont franchement
lances & travers l’Ocean pour decouvrir Madera et les Azores. A ce moment (sic)
ils reconnurent toute la portee des guides astronomiques en mer car on ne navigait
plus le long de la cöte; pour se diriger ils avaient l’etoile polaire et la boussole.‘‘
Die Beobachtung der Polhöhe in dieser Zeit wird damit nicht bewiesen. Ebenso-
wenig kann hierbei der Umstand in Betracht kommen, daß König Duarte in seinem
Werke ‚„Leal Conselheiro‘, das zwischen 1428 und 1438 geschrieben sein soll
(Bensaude p. 46), zwei Kapitel der Zeitberechnung nach dem Polarstern widmete.
Schwerlich wird man ferner aus der Erzählung Cadamostos v. J. 1456
schließen dürfen, daß bei diesem bereits von einem bewußtvollen „Fahren nach
dem Polarstern‘, wie es einzelne aus der Stelle gefolgert haben ®), die Rede sein kann.
Im 39. Kapitel der Ruchamerschen Übersetzung des italienischen Reise-
berichts®?), betitelt ,, Von dem steren Tramontana und seinem Auffgang an dysem
Ende‘ heißt es: „In den Tagen als wir waren an dem orte dyses flusses (gemeint
ist der Senegal 13° N-Br., wo Cadamosto umkehrte) sahen wir nicht meer denn ein
male den stern Tramontana / und was vast nider auff dem mere / also wurden wir
eins wolten inen sehen so das Wetter klar were do erschyne er auff dem mere bey
einem drytteyl einer lantzen‘‘5). In dem langen Bericht über die Fahrt wird sonst
nur die Länge des Wegs in Miglien von Insel zu Insel oder Küstenpunkten gesprochen.
5) Joh. Baguette, Die Bedeutung des Astrolabiums für die Seefahrt und seine Verwendung
bis zur Einführung des Spiegelsextanten. Diss. Bonn 1909, 22,
57) „Unbekanthe landte Und ein newe weldte in kurtz verganger Zeythe erfunden‘ durch
Jobsten Ruchamer, Nureinbergk 1508,
58) In Arch. Madriganus, Itinerarium Portugalensium e Lusitania in Indiam ete. Mediolani
1508, Cap. 39, heißt es gleichfalls „ab aquisque tramontana non plus videbatur abesse quam lancee
tertia parte“, Aber bei Ramusio, Delle navigationi e viaggi, Venetiis 1613, p. 107, steht: „e tramontana
ne pareua sopra il mare Valtezza di una lancia“, Der niedrige Stand des Polarsterns über dem
Horizont in jener Breite spricht für „das Dritteil der Lanze‘‘,