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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Wagner, H.: Die Entwicklung der wissenschaftlichen Nautik usw. 9217 
bzw. der Wächter, sondern wie bei der hergebrachten Zeitbestimmung, die uns 
soeben beschäftigt hat, nur für die acht Hauptpunkte des Stundenkreises. Die für 
letztere an der Höhe des Polarsterns anzubringenden Korrektionen werden im 
Regimento nur einfach ziffernmäßig angeführt, das Verfahren ihrer Berechnung 
aber nicht erläutert. J. Bensaude teilt ein. elementares . Verfahren solcher Be- 
rechnung mit, welches er dem Züricher Astronomen A. Wohfer verdankt (a. a.. 0. 
S. 141—145). Dieser prüft die Korrektionen an der Hand einer durchgeführten 
Neuberechnung auf Grund der damaligen Sternpositionen. Als solche nimmt er 
für 1500 an: 
1. Polarstern (@« Ursae minoris) Rektaszension @ = 3° 46’, Deklination 6 = 
86° 35’, also Polabstand p = 3° 25’. 
Mittelpunkt zwischen den beiden Wächtern 8 und y Ursae minoris @ = 
227° 14’, 6 = 75° 1’. 
Es sind dies Zahlen, welche mir durch eine freundliche Nachrechnung von 
seiten meines Göttinger Kollegen Joh, Hartmann sehr nahe bestätigt werden. 
Auch hat der Kommandant F. Oom bereits 1911 den Polabstand des Polarsterns 
um 1500 auf 3° 25’ festgestellt ®). Hartmann erhält für den Polarstern genau die 
gleichen Werte wie Wolfer, für den Mittelpunkt zwischen den Wächtern jedoch 227° 0’ 
und 74° 56’. Diese geringen Differenzen üben für die Wolferschen Korrektions- 
werte in Tabelle 1 keinen irgendwie in Frage kommenden Einfluß, so daß wir uns 
einfach an die letzteren halten. 
Zunächst noch eine Zwischenbemerkung. Durch die neue Bestimmung der 
Poldistanz des Polarsterns um 1500 zu. 3° 25’ wird zugleich die zeitgenössische 
Annahme dieses Bogens, nämlich 
8 
bestätigt und damit der Wert von 4° 9’, welchen Pedro Nunes 1537 glaubte an die 
Stelle des ihm falsch erscheinenden von 31/,° setzen zu müssen ‘%), als irrig erwiesen. 
Dieser Punkt ist für die Breitenbestimmungen aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts 
von Bedeutung. Denn eine Differenz von rund 40’ (4° 9’ — 3° 30’) im Polabstand 
des Polarsterns übersteigt im allgemeinen die Fehler damaliger Breitenbestimmungen 
(s. $ 27). Indem übrigens Nunes die Annahme von 3!/,° als Polabstand des Polar- 
sternes auf den Kreis der Nautiker zurückführt, während &r sich hinsichtlich der 
4° 9’ auf den Astronomen Johannes Werner stützt®°), sehen wir in diesem Punkte 
die nautischen Praktiker den binnenländischen Kosmographen in ähnlicher Weise 
vorauseilen, wie in der richtigen Erkenntnis der Größe der 
Erde (vgl. $ 29: Der Erdgrad). 
Für die Berechnung der Korrektion, welche jeweils 
erforderlich ist, um die Höhe des Polarsterns auf die wahre 
Polhöhe zu reduzieren, kann man sich bei den rohen An- 
näherungen, wie sie der damaligen Beobachtungskunst ge- 
nügte, auf Auswertung ebener rechtwinkliger Dreiecke be- 
schränken, deren Hypotenuse p. die Poldistanz des Polar- 
sterns und deren eine Kathete. ihre Projektion anf den 
Meridian (c) ist. Der eingeschlossene Winkel s entspricht 
dem Stundenwinkel des Polarsterns. Alsdann ist die ge- 
suchte Korrektion (Fig. 1) a 
C=P- COS 8. 
Dieser Stundenwinkel s ist gleich der Differenz zwischen der Beobachtungs- 
zeit und der Sternzeit der Rektaszension des Polarsterns. Die Beobachtung geht 
53) Annaes seient, da Academia Polytechn, do Porto, Coimbra Vol. IX, 1914 p. 115. 
51, ,No regimento que tem 0s pilotos pera tomar a altura do polo pella estrela: ha 
erro: porque diz que da estrela ao polo ha tres grados € meo Cila’) € sam quatro graos 
E noveE ou dez minutos (4° 9—10')“%. (Vgl. Faksimile-Ausgabe des Tratado da Esphera von 1537, 
München 1915, p. 140.) 
55) „Eam stellam tribus tantum gradibus cum m 30 ab arctico polo distare nostrae aetatis nautae 
affirmant. Sed si uerus est stellarum fixarum motus Ioannis Verneri calculo repertus per tabulas 
Alphonsi quatuor gradus continet ea distantia cum min, fer& 9, nostro tempore id est anno 1500. 
(P, Nonii Öpera, Basileae 1566, p. 85). 
Ann, d. Hrydr. usw. 1918, Heft VII/VIIL
	        
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