204 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli/August 1918.
die mittlere Greenwich-Zeit nicht ohne weiteres erhält, sondern erst Bogen in Zeit
verwandeln und die Zeitgleichung aus dem Jahrbuch entnehmen muß. Wenn das
für einen einzelnen Fall auch nicht gerade schwierig ist, so würde doch die Be-
schickung einer großen Zahl solcher Beobachtungen viel Arbeit machen.
Fehler beim Gebrauch wahrer Zeit. Wenn sich zwei Dampfer auf ent-
gegengesetzten oder sich kreuzenden Kursen begegnen, so wird Schiffsort und Zeit
des Passierens in das Schiffstagebuch eingetragen, um gegebenenfalls das andere
Schiff melden zu können. Dabei werden die aus jedem Tagebuch gegebenen Mel-
dungen in bezug‘ auf die Schiffsorte wahrscheinlich annähernd übereinstimmen.
Daß aber auch die mitgeteilten Zeiten übereinstimmen, ist sehr unwahrscheinlich,
weil die Schiffsuhren die Zeiten verschiedener, um Grade voneinander abweichender
und nicht einmal sicher ermittelter Meridiane zeigen.
Wir wollen annehmen, daß zwei Dampfer, beide mit 20 Kn. Geschwindigkeit
auf dem 50. Breitengrade fahrend, einander hegegnen; auf beiden Schiffen mögen
12 Stunden zuvor die Uhren nach dem Meridiandurchgange eingestellt sein. Seit
jenem Zeitpunkt hat jedes Schiff 374’ Länge abgelaufen, folglich weichen ihre Wach-
uhren 49m 52s voneinander ab. Das ostwärts steuernde Schiff würde also beispiels-
weise als Begegnungszeit 10h 30m Nm. und das westwärts steuernde 1lh 20m Nm,
angeben. Dabei würde jedes Schiff glauben, die Zeit richtig angegeben zu haben,
obgleich jedes Schiffes Angabe etwa 25 Minuten von der wahren Zeit des Meridians, auf
dem die Begegnung stattfand, abweicht. Und nehmen wir, um die Sache weiter
zu verfolgen, an, beide Schiffe meldeten gleichzeitig das Sichten eines U-Bootes
an das Hauptquartier, so würden beide Meldungen, wiewohl in Breite und Länge
beinahe übereinstimmend, in Zeit um etwa 50 Minuten voneinander abweichen
und jeden irreführen, der sich zur Verfolgung der Fahrt des U-Bootes auf solche
Meldungen verließe.
Einheitszeit an Land. Dieselbe Schwierigkeit der Zeitbeschickung hat
an Land zur Annahme der Einheitszeit geführt; zunächst wurden die Sonnenuhren
durch andere Uhren ersetzt, und dann nötigte die Entwicklung der Eisenbahnen
zur Annahme einer Einheitszeit; als solche ist in England die mittlere Greenwich-Zeit
eingeführt worden.
In ähnlicher Weise, wenn auch nicht so dringend, hat die Entwicklung der
Dampfschiffahrt den Wunsch hervorgerufen, an Bord die Zeit besser und genauer
als bisher zu haben.
Zur Verbesserung der Zeitangaben an Bord ist von der britischen
Admiralität, die sich der Übelstände voll bewußt ist, die der Mangel einheitlicher
Zeitangaben in der britischen Kriegsmarine herbeiführt, an verschiedene Regierungs-
stellen und wissenschaftliche Gesellschaften eine Einladung ergangen, den Gegen-
stand unter dem Vorsitz des Marine-Hydrographen zu erörtern.
Vorschläge der Versammlung. Nach mehreren Sitzungen wurde den
„Lords Commissioners‘‘ der Admiralität ein Bericht unterbreitet, der im Auszug
hier beigefügt ist. Die nachstehend angeführten Paragraphen 1, 2, 3, 6 und 11 sind
die einzigen, welche gegenwärtig zur Lösung der Frage in Betracht kommen:
1. Die ausschließliche Annahme der Greenwich-Zeit als Einheitszeit auf
See ist augenblicklich nicht ausführbar.
2. Außerhalb der heimischen Gewässer ist die Festsetzung von Zonen auf
See, entsprechend den Zonen auf dem Festland, die am meisten zu empfehlende
Methode, um Einheitlichkeit in der Zeitrechnung auf See zu erhalten; es ist zu
hoffen, daß diejenigen Länder, die noch nicht Stunden-Zonen angenommen haben,
sich mit der Zeit diesem System anpassen.
3. Die Angabe der Zonen soll die tatsächliche Verbesserung geben, um Zonen-
Zeit in Greenwich-Zeit und Datum umzuwandeln. Die Zone von 7*/,° Ost bis
71/2° West vom Greenwich-Meridian soll die Nullzone sein. Die westlich von der
Nullzone liegenden Zonen sollen mit plus 1, plus 2 usw. bis plus 12 bezeichnet
werden, alle 12 liegen östlich von der Datums-Linie (nach Admiralty Sailing
Directions die Linie in Anlehnung an den 180. Meridian, bei dessen Überschreiten
von Osten oder Westen das Datum um einen Tag vor- oder rückwärts zu rechnen