Die Zeit an Bord,
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An
Die Zeit an Bord.
Übersetzung einer Denkschrift der Schiffahrtsabteilung des englischen Handelsamts,
I. Denkschrift. .
Der Gebrauch der wahren Zeit an Bord ist auf die alte Gepflogenheit
zurückzuführen, daß die Schiffsuhr täglich beim. Durchgang der Sonne durch den
Meridian auf Null eingestellt wird. Die hierdurch für den Schiffsdienst eingeführte
wahre Zeit steht im Gegensatz zu der für Chronometer-Rechnungen üblichen Zählung
nach mittlerer Greenwicher Zeit. Daß sich Fehler durch den Gebrauch der
wahren Zeit ergeben müssen, läßt sich nicht bestreiten, wenn man bedenkt, daß
die zur Zeiteinteilung benutzte Uhr Abschnitte mittlerer Zeit angibt und die Zeit
von Mittag zu Mittag nicht nach wahrer Zeit einteilt; wenn also auch die Uhr am
Mittag richtig zeigte, werden ihre Angaben während der folgenden 24 Stunden
wegen der Änderung der Zeitgleichung mehr oder. weniger ungenau sein, selbst wenn
das Schiff in der ganzen Zeit auf demselben Meridian bliebe. Daß die Uhr an Bord
tatsächlich nicht wahre Zeit zeigen kann, erhellt schon daraus, daß man, um die
wahre Zeit am Schiffsort richtig zu erhalten, immer die durch Versegelung in Länge
bedingte Berichtigung anbringen muß.
Man könnte nun sagen, das Festhalten an der wahren Zeit sei an Bord das
einzig Vernünftige, weil sich das Leben an Bord zum großen Teil nach dem Stand
der Sonne am Himmel regelt. Das war so, als es noch weniger Schiffe gab und die
Besatzung jedes Schiffes eine vollständig von allem Verkehr abgeschlossene Gemein-
schaft bildete. Heutzutage ist aber infolge neuer Aufgaben, die der häufigere Ver-
kehr mit anderen Schiffen mit sich bringt, und wegen der viel regelmäßigeren Reisen
der Dampfer eine viel größere Genauigkeit unumgänglich notwendig. Zwar könnte
man behaupten, daß sich eine solche auch beim Festhalten an der wahren Zeit
erreichen ließe; daß es nur nötig sei, die Länge des Ortes zu wissen, an dem die Uhr
eingestellt wurde, und daß durch Anbringen der Zeitgleichung auch die genaue
mittlere Greenwicher Zeit irgendeines Vorkommnisses ermittelt werden könne.
Jene Kenntnis des Einstellungsortes steht aber nicht immer zur Verfügung. Wenn
z. B. ein Schiff aus irgendwelchen Ursachen tagelang keine Zeitbestimmung hat
machen können, nun aber aus einer Meridianhöhe der Sonne eine Breitenbestimmung
bekommt und die Uhr danach auf den Mittag eingestellt wird, so ist es sehr unwahr-
scheinlich, daß die Rechnung nach Besteck ganz richtig ist, die Uhr wird also wahr-
scheinlich einen Plus- oder Minus-Fehler haben, den man an Bord nicht kennt, und
es ist dann unmöglich, die genaue mittlere Greenwich-Zeit irgendeines Vorkomm-
nisses aus der Schiffs-Uhrzeit abzuleiten.
Die Ableitung der mittleren Greenwich-Zeit aus der wahren Zeit.
Nehmen wir an, es sei der Zeitpunkt 10h 53m Nm. am 9. November 1918 aus dem
Schiffstagebuch in mittlere Greenwich-Zeit zu verwandeln. Zunächst muß festgestellt
werden, wann und in welcher Länge die Uhr zuletzt eingestellt. worden ist. Nach
dem Tagebuch sei die Mittagslänge = 94° 23’ O-Lg., dann wird die Uhr, voraus-
gesetzt, daß sie mittags eingestellt und nicht wieder verschoben ist, die Zeit des
Meridians 94° 23’ O-Lg. zeigen; wahrscheinlich ist aber, daß sich im: Tagebuch
kein Vermerk darüber findet, daß die Uhr zu dem angenommenen Zeitpunkt auch
wirklich eingestellt worden ist. Nehmen wir aber an, es sei geschehen, so haben
wir die folgende Rechnung zu machen:
Uhrzeit... .... . = 10h 53m 00s
94° 23’ O-Lg. ..... = 6h 17m 32s
Wahre Greenwich-Zeit . = 14h 35m 288
Zeitgleichung . .... = — 16m 078
Mittlere Greenwich-Zeit. = 4b 19m 21s
Dabei hängt die Genauigkeit dieser ermittelten Zeit ganz und gar davon
ab, ob sich das Schiff an dem betreffenden Mittag auch wirklich auf dem bezeichneten
Meridian befunden hat. Dies ist aber sehr zweifelhaft, wenn das Schiff eine längere
Zeit vorher nur auf sein Besteck angewiesen gewesen ist. Man sieht auch. daß man