Ann. d. Hydr. usw., XXXXVI. Jahrg. (1918), Heft VII/VIIL
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Zonenzeit an Bord.
(Amtlich) -
Auf Handelsschiffen ist es üblich die Wachuhr nach wahrer Zeit zu
stellen, weil die Mittagbreite den wesentlichsten Teil der astronomischen Orts-
bestimmung bildete. Dabei genügte es, auf Schiffen, die mehr Breite als Länge
gutmachten, die Uhr in 24 Stunden einmal zu schieben. Dies geschah gewöhnlich
im Laufe des Vormittags derart, daß die Uhr die wahre Zeit des Ortes zeigte,
an dem sich das Schiff mittags befinden würde. Auch wenn mehr Länge als
Breite abgelaufen wurde, genügte in vielen Fällen einmaliges Verschieben . der
Uhr im Etmal. Wurden die Zeitunterschiede von einem Mittag zum andern für
einmaliges Verschieben unbequem groß, so wurde der Uhr schon zu einer be-
liebigen Zeit, meistens wohl gegen 8 Uhr abends, ein Schub gegeben. Damit
erreichte man, daß sich der tägliche Dienst an Bord ohne besondere Sprünge
abwickelte; und wenn auf schnellen, besonders auf Schnelldampfern auch zwei
maliges Verschieben der Uhr des Wachenwechsels oder der Passagiere wegen
noch unbequem große Sprünge notwendig machte, so griff man auch wohl zu
dreimaligem Verschieben der Wachuhren. Dabei bildete sich zuerst auf den
großen Linien, deren Offiziere von einem Schiffe derselben Reederei auf das
andere versetzt werden, eine gewisse Routine heraus, die sich bei manchen
Linien zu bestimmten Vorschriften verdichtete; immer aber wird noch heute
auf deutschen Handelsschiffen der tägliche Dienst nach wahrer Zeit geregelt
und die Uhr je nach Bedarf willkürlich verschoben.
Nachdem nun der Einfluß des funkentelegraphischen Dienstes die Kaiser-
liche Marine bewogen hat an Bord mittlere Zonenzeit zu fahren, tritt auch an
die Handelsschiffahrt die Frage, ob sie nicht der Gleichmäßigkeit und — dies
darf vorweg genommen werden — der Vorzüge wegen ebenfalls dazu übergehen
soll. Prüft man die Zweckmäßigkeit, so wird man zugeben müssen, daß es für
den täglichen Dienst an Bord, Wachen und Schlafen, Deckwaschen und Essen usw.,
ganz gleichgültig ist, ob er nach der einen oder der anderen Zeitart geregelt
werde. Gewiß ist es zur Beobachtung der Mittaghöhe der Sonne recht bequem,
wenn die Wachuhr wahre Ortszeit zeigt. Dies ist aber der einzige Vorteil, und
er gilt auch nur da, wo man so sicher ist die Mittaghöhe der Sonne beobachten
zu können, daß man sich um keine andere Breitenbestimmung kümmert, d. h.
nur in Gegenden, die an den Nautiker so geringe Forderungen stellen, daß er
sehr wohl Zeit hat sich auszurechnen, wann ungefähr nach Zonenzeit die Sonne
durch den Meridian gehen wird. Grade aber in den Gegenden, in denen die
astronomische Ortsbestimmung Sehwierigkeiten macht, wird sich wohl heute
Niemand mehr auf die Beobachtung der Sonne im Meridian vertrösten; jeder
wird in solchen Gegenden beobachten, wann und wie sich Gelegenheit dazu er-
gibt und wird seinen Schiffsort nach Standlinien bestimmen, Dabei ist es aber
ganz belanglos, was für Zeit die Wachuhr zeigt, und deshalb ist wahre Zeit an
Bord nicht mehr nötig wie sonst,
Wollte man aber ‚wie auf Schiffen der . Kaiserlichen Marine auch auf
Handelsschiffen die Uhren, um mittlere Zonenzeit zu haben, immer um eine
volle Stunde verschieben, so würde dies viele Unzuträglichkeiten im täglichen
Dienst mit sich bringen; zerlegt man sich aber die Stunde — sobald das Be-
treten einer neuen 15°-Zone ein solches Verschieben notwendig macht — in
zwei oder vielleicht gar drei gleiche Teile, noch kleinere möchten nicht zu em-
pfehlen sein, so wird sich der Dienst auf Handelsschiffen leichter regeln als
bisher; denn auf vielen Reisen zwischen Orten mit der gleichen. Zonenzeit
brauchte man die Uhr überhaupt nicht zu verschieben und auf Reisen nach
Norden oder Süden brauchte man sie seltener zu verschieben als bisher, weil
die Schiffe tagelang in derselben 15°-Zone bleiben und sich von der wahren
Ortszeit ganz frei gemacht haben. Auch auf Schiffen, die vornehmlich. Ost oder
West gut machen, würde sich die Zonenzeit sehr einfach einführen. Ein Dampfer
Ann. d. Hydr. usw. 1918, Heft VII/VIIL.