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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1918.
die Temperatur aller ‚Jahreszeiten in gleichem Sinne (wenn auch nicht in gleichem
Grade) beeinflußt wird!), vereinen sich mit jener Vorstellung.
So gut nun die wechselnde Wärmeintensität der Jahreszeiten eine Verschieden-
heit der Luftdruck verteilung erzeugt, so muß auch eine verringerte Gesamtwärme
des ‚Jahres eine Tendenz zur Begünstigung der winterlichen Luftdrucklage mit
sich bringen. So ergibt sich für die Jahre um das Fleckenmaximum «die Forderung
einer im ganzen dem Winterzustand angenäherten Luftdrucklage.
Damit ist nun nicht gesagt, daß an. sämtlichen Orten der Erde der Luftdruck
in dieser Weise reagieren müsse, Es wird vielmehr manche Stelle schneller und
leichter reagieren als eine andere, mit am chesten vielleicht der Nordatlantische
Ozean, der mit seinem leicht schwankenden Stromsystem gleichsam eine besonders
empfindliche Reaktionsfläche abgibt. Der Gradient zwischen dem isländischen
Minimum und den umliegenden Hochdrucken, besonders dem inneramerikanischen,
wird sich also in Jahren der Fleckenmaxima vergrößern, sei es mehr durch Ver-
tiefung des Minimums oder durch Druckerhöhung auf den Kontinenten odeı durch
heides?). Damit wird die ganze nordatlantische Zirkulation angeregt, d. h. einerseits
der warme Wind?) und Strom der europäischen Flanke verstärkt, anderseits die
kalte Luft aus Nord und Nordwest über das Innere und das Küstenland Nordamerikas
herangesogen und namentlich im Winter hier die unmittelbare Ausstrahlung erhöht.
In Zeiten der Flecrkenminima werden alle diese. Wirkungen in das Gegenteil
gekehrt.
/ Aus diesem hypothetischen Gedankengang dürften sich diejenigen Kigen-
tümlichkeiten, die uns oben in der elfjährigen Wärmeschwankung auf europäischer
und amerikanischer Seite entgegentraten, erklären. Als erstes erhellt daraus ohne
weiteres der Gegensatz beider Gestade im Schwankungssinne. Auch die stärkere
Offenbarung des Fleckeneinflusses in der Wintertemperatur wird verständlich.
Denn die winterliche Luftdrucklage ist von so kräftigen Unterschieden zwischen
Land und Meer beherrscht, daß sie eine größere Variation im Lauf der Jahre nach
der einen oder anderen Seite verträgt als die Druckverteilung der übrigen ‚Jahres-
zeiten. Weiter, daß die Fleckenperiode in Amerika viel stärker zur Geltung
kommt als auf der europäischen Seite, wird einleuchtend. Denn in Amerika können
die kalten Winter der Fleckenmaximalzeiten wenigstens zum Teil durch die Hoch-
druckentwicklung und die damit verbundene heftigere Ausstrahlung des Landes
heivorgerufen werden, während in Europa die zugehörigen warmen Winter wohl
vorwiegend durch die Anregung der Golfstromzirkulation bedingt sind; in Amerika
ist also die Wärmewirkung mehr unmittelbar, in Europa mittelbar, in Amerika
an eine Reaktion der Unterlage, d. h. des Landes selbst, in Europa an eine solche
des benachbarten Meeres geknüpft — jene pflegt aber stets ein größeres Ausmaß
zu haben als diese; die größere Amplitude, die ein Kontinentalklima schon im Lauf
des ‚Jahres entwickelt, wird sieh schließlich ebenso in jeder Art Schwankung geltend
machen. x
Da sich die Fleckentätigkeit der Sonne in dem Hochdruck Nordamerikas
und in der Golfstromzirkulation. der nordwesteuropäischen Gestade gleichsam
verschiedener Medien bedient, durch die sie auf die Luttwärme innerhalb der ge-
mäßigten Zone wirkt, so folgt daraus — sofern sich unserer theoretischen Entwicklung
überhaupt die Wirklichkeit entsprechend erweist —, daß im Innern und Osten der
eurasiatischen Landfläche wieder die analoge Fleckenwirkung wie in Nordamerika
sich finden muß, daß also zwischen dem nordwesteuropäischen Randgebiet und dem
Innern eine Zone des Übergangs aus der einen in die entgegengesetzte Temperatur-
l) Das wird sich in unseren weiteren Ableitungen noch vielfach herausstellen.
?) Wegen dieser verschiedenen Möglichkeiten ist cs auch nicht durchaus nötig, daß z. B. der
Luftdruck auf Island für sich allein der Ficckenperiode foige; tatsächlich tut er es nach Köppen
{M. Z. 1914, S. 321) nicht. Dagegen scheint der Luftdruck in den Vereinigten Staaten sich mit Zu-
nahme der Flecken zu erhöhen (J. Hann, Lehrb. d, Meteorologie, 8, 645).
;) Auf die gleiche Auffassung läuft cs hinaus, wenn Sv. Arrhenius (Lehrb. d. kosm. Phys,,
8, 145) die Tatsache, daß die Frühlingsmonate »in unseren Gegenden« in fleckenreichen Jahren wärmer
seien, auf cin Vorherrschen der Südwinde, und diese wicder auf eine Verstärkung des haro-
meirischen Mininuums im Aflantischen Ozcan zurückführt.