Sverdrup, H.: U.: Die Beziehung der elfjährigen Klimaschwankungen zur Sonnentätigkeit. 191
Die Beziehung der elfjährigen Klimaschwankungen zur Sonnentätigkeit.
Von H, U. Sverdrup.
Die periodischen Klimaänderungen sind Gegenstand eines eifrigen Studiums
gewesen!). Insbesondere hat man durch die zahlreichen Untersuchungen der
elfjährigen Klimaschwankungen eine eingehende Kenntnis von derselben erworben
und ihre Übereinstimmung mit der entsprechenden Periode der Sonnentätigkeit
nachgewiesen. Hier werden wir zunächst kurz daran erinnern, wie diese elf-
jährige Periode in den verschiedenen meteorologischen Elementen zum Vor-
schein kommt,
Der Gang des Luftdruckes ist in großen Gebieten der Erde durch ein
Minimum zur Zeit des Sonnenfleck-Maximums (S. Max.) und ein Maximum zur
Zeit des Sonnenfleck-Minimums (S. Min.) gekennzeichnet. - In anderen Gebieten
aber schwankt der Luftdruck direkt wie die Sonnenflecken, oder es tritt im
Luftdruck keine elfjährige Periode auf. Das bunte Bild, dem. man hier gegen-
übersteht, wird vereinfacht, wenn man statt des Luftdruckes selbst das Luft-
druckgefälle betrachtet. Aus den vorliegenden Untersuchungen ergibt sich
übereinstimmend, daß dieses groß bei S. Max. und klein bei S. Min. ist.
Die Luftbewegung ist, wie nach dem Gang des Luftdruckgefälles zu er-
warten, größer bei S. Max, als bei S. Min. Dieses tritt z. B. durch ‚die Schwan-
kungen der Sturmhäufigkeit in Erscheinung.‘
Die Niederschlagsmenge ist in den Tropen groß bei S. Max. und klein
bei S. Min. Außerhalb der Tropen sind die Verhältnisse wenig übersichtlich,
Auch: die Bewölkung schwankt in den Tropen. direkt wie die Anzahl der
Sonnenflecken. In den gemäßigten. und den höheren Breiten findet man kein
allgemeines Gesetz.
Die Temperatur an der Erdoberfläche schwankt dagegen in den Tropen
umgekehrt wie die Zahl der Sonnenflecken; sie ist niedriger bei S. Max, als bei
S. Min. . Außerhalb der Tropen ist das Bild der elfjährigen Temperaturschwan-
kungen sehr bunt. Es gibt große Gebiete, z. B. der östliche und mittlere Teil
der. Vereinigten Staaten Nordamerikas und Kanada, wo man denselben Tem-
peraturgang wie in den Tropen findet, und andere, z. B. Nordwest-Europa, wo
der direkte Gang, Temperatur-Maximum bei S. Max. und Temperatur-Minimum bei
S, Min., der gewöhnliche ist. Es kommt auch vor, daß der Temperaturgang inner-
halb desselben Gebietes sich von direkt zu indirekt ändern kann oder umgekehrt.
Bis jetzt haben wir nur die Zahl der Sonnenflecken als Maß der Sonnen-
tätigkeit betrachtet, aber sie äußert sich auch in anderer Weise. Die Zahl der
Protuberanzen ‚und der von der Sonne ausgesandten Elektronen ist größer bei
S. Max. als bei S. Min. Von besonderer Wichtigkeit für die folgende Betrachtung
ist aber die Kenntnis von der Beziehung der Sonnenstrahlung zur Anzahl der
Sonnenflecken. Nach den neuesten Messungen ist die Solarkonstante relativ
groß bei S. Max, und klein bei S. Min.; d. h. die Wärmezufuhr von der Sonne
schwankt wie die Anzahl der Sonnenflecken.
Die folgende kleine Zusammenstellung, in welcher Abweichungen vom
Mittel zur positiven Seite durch + und zur negativen durch — angegeben sind,
dürften den Überblick über dem oben Gesagten erleichtern.
ES me
Wärmezufuhr von der Sonne
Luftdruckgefälle , . .
Luftbewegung. . .
Niederschlag .
Iropen ? Bewölkung
° | Temperatur
Min.
Wärmezufuhr von der Sonne
Gemäßigte ( Niederschlag .
and höhere < Bewölkung .
Breiten Temperatur .
8. Max. | 8. Min.
—_——
+, — —, +
E77
—, + +, —
1) Eine ausführliche Zusammenstellung der Literatur findet sich in der kürzlich erschienenen
Ahhandlung von B. Helland-Hansen und Fritjof Nansen: Temperaturschwankungen des Nord-
KO tischen (Z6ANS und in der Atmosphäre, Videnskapsselsk, skr. I. Math-naturv. Klasse, 1916 Nr. 9.
Kristiania 1917.