Mecking, L.: Nordamerika, Nordeuropa und der Golfstrom in der elfjährigen Klimaperiode. 9
Jahrestemperatur von Winnipeg!) hergesetzt sei, und‘ welche ebenso wie diese den
gesetzmäßigen, und zwar entgegengesetzten Gang in aller wünschenswerten
Deutlichkeit erkennen läßt.
Normalperiode der \
Flecken 1
Jahr
Min.
7
lo 18
Max.
4
8
6
7
8
]
9 1 10 31
Min,
Ampli-
tude
London, Febr.—März?) | 4,7° (HB [400 1330 [360 B80 [5.80 [54° [48° [46° [4.7 4.70 | — 1,39
Winnipeg, Jahr 2.6° 1.69 10.8° |0.4° 0.1° [0.09 10.29 10.40 16.39 0.69 | 1.690! 2.6° | 2,60
„Bildet man demnach Mittelwerte für die ganze gemäßigte Zone, so ‚steht zu
erwarten, daß die gegensätzlichen Erscheinungen der einander gegenüberliegenden
Gestade sich teilweise aufheben und so einen nur geringfügigen Einfluß der Flecken-
periode auf die Temperatur der ganzen Zone ergeben. In der Tat lehrt auch ein
Blick auf eine Figur, in welcher Köppen?®) den elfjährigen Gang der Temperatur
für drei Klimazonen darstellt, daß unter den drei Kurven die der nördlichen ge-
mäßigten Zone die kleinste Amplitude hat, nicht ganz 0.3°, während der südlichen
gemäßigten Zone ein Weıt von 0.4° und der Tropenzone ein solcher von 0.45° zufällt.
Dieser Befund harmoniert mit obiger Erkenntnis der gegensätzlichen Wirkung auf
beiden Ozeanseiten in unseren Breiten und findet in ihr eine Erklärung.
2. Theorie.
Ehe wir weitere Randgebiete Europas auf ihr thermisches Verhalten zur
Fleckenperiode untersuchen, möge hier, so gewagt auch angesichts. der schon so
reichen theoretischen Literatur über die widerspruchsvollen Annahmen der Sonnen-
feckeneinflüsse jeder Versuch zu einer mehr einheitlichen Erfassung dieser Wirkungen
erscheinen muß, doch ein theoretischer Gedankengang Platz finden, der den Gegensatz
der Gestade verständlich zu machen sucht, vielleicht auch geeignet ist, überhaupt
die Wirkungsweise der Sonnenflecken auf die Klimate ein wenig weiter zu klären.
Gehen wir von der Hypothese aus, daß sich mit dem Maximum der Sonnen-
fiecken jedenfalls ein Minimum der zur Erdoberfläche gelangenden Strahlen-
summe verbinde — wobei die Frage immer noch offen bleiben kann, ob die von der
Sonne ausgehende Strahlenmenge hei Fleckenreichtum verringert sei und. dadurch
eben unmittelbar die Temperatur der Erdoberfläche erniedrigt werde, oder ob,
wie verschiedene Autoren‘) annehmen, die von der Sonne ausgehende Strahlenmenge
sogar vergrößert sei, aber Bewölkung und Regen an: der Erdoberfläche verstärkt
und hierdurch mittelbar die Temperatur herabgedrückt werde —, so wird das
Fleckenmaximum für die Erde gleichbedeutend mit einer Annäherung an
den Winterzustand derselben und zwar der ganzen Erde. Soweit entsprechen
dem auch die allgemeinsten Erscheinungen; sowohl der Umstand, daß die. Mittel-
temperatur der ganzen Erde, d.h, des Tropengürtels und der gemäßigten. Erd-
zonen, bei Fleckenmaximum kühler ist®), wie auch die Tatsache, daß in der Regel
') Der Vergleich wäre äußerlich noch korrekter, wenn die Reihen von Winnipeg und London
entweder beide für die Jahrestemperatur oder beide für das Februar--März-Mittel hergestellt worden
wären. Doch empfahl sich‘ bei London die Berechnung für das: Jahresmittel deshalb nicht, weil die
Periode in ihm nur gar zu schwach mehr durchkommt, bei Winnipeg die für Februar—März darum
nicht, weil aus nur zwei verfügbaren vollen Perioden nicht schon ein so gleichmäßiger Periodengang
für Monatsmittel hervorgehen kann, .
?) Daß die Darstellung des Periodengangs von London sich auf Februar—März beschränkte,
also den April fallen ließ, geschah nur zur Kürzung der Rechenarbeit, für das ganze Quartal würde
sich der Gang genau so günstig herausstellen,
3) M. Z. 1914, S. 315. $
*) Eingehender beleuchtet hat z. B. 0. V. Johansson (M. Z. 1905, S. 145—159, mit Zusatz von
J. Hann) diese Hypothese, mit der er manche Widersprüche in den. mit Sonnenflecken zusammen-
hängenden Erscheinungen zu lösen sucht. Aber gerade unsere für Nordamerika gefundenen Ver-
hältnisse dürften sich aus dieser angenommenen Bewölkungs- und Regenvariation allein schwerlich
erklären lassen, im Gegenteil ihr eine große Schwierigkeit bieten.
5) Endergebnis von W. Köppen und J. Mielke (M. Z. 1914, 8. 307).