Brennecke, W.: Ozeanogr. Ergebnisse d. zweiten franz., d. schwed. u. d, schott, Südpolarexpedition, 183
die. abgeschlossene Lage bedingte kalte Tiefenwasser, sonst liegen im ganzen Gebiet
die ‚Temperaturen zwischen 0° und 3°, im Bereich der Weddell-See sogar zwischen
0°: und 1°, da die kalten Temperaturen des Schelf-Gebiets fehlen. Aber ebenso wie
bei den andern Tiefenstufen hebt sich das warme Gebiet südlich von 70°. S-Br..-klar
von dem kälteren Gebiet in der Mitte der Weddell-See ab.: — An der Westseite
von Graham-Land finden sich Temperaturen über 1°, so wurde in 69° 15’ S-Br.
und 105° 47’ W-Lg. eine Temperatur von 1.8° in 800m Tiefe gemessen. _
Schlußfolgerungen. Die Kärtchen der Temperaturverteilung in den Tiefen
von 200 m, 400 m und 800 m geben uns Auskunft für die Beantwortung der Frage:
Woher stammt das warme Wasser, das unter dem kalten Oberflächenwasser der
Weddell-See liegt? Man nahm früher an, daß ein warmer Unterstrom aus nörd-
licheren‘ Gebieten auf den Eisrand zu setzte!), um als Kompensationsstrom das in
der Oberflächenschicht nach Norden abströmende Wasser zu ersetzen. Im Weddell-
Meer gestaltet sich der Vorgang nicht so einfach, da weder die Verteilung der Tem-
peraturen in .den einzelnen Schichten noch die Dichteverhältnisse nach den Be-
obachtungen der ‚„Deütschland‘“-Expedition eine Nord-Süd gerichtete Bewegung
des warmen Tiefenwassers zulassen. Man hat also nur zwei Möglichkeiten: Entweder
findet eine Zufuhr von warmem Tiefenwasser in die Weddell-See von der pazifischen
oder von der indischen Seite her statt. Hierauf geben uns unsere Kärtchen der
Temperaturverteilung die klare Antwort, daß. die Zufuhr vom Indischen Ozean
aus stattfindet, und zwar in Anlehnung an den Steilabfall des antarktischen Kontinents.
Wenn vielleicht auch die Beobachtungen .der verschiedenen ‚Expeditionen nicht
alle gleich: exakt sind, so ist die Übereinstimmung in der Ausprägung dieses warmen
Tiefenstroms so gut, wie sie überhaupt nur sein kann. Am klarsten tritt die Zufuhr
des warmen Wassers von Osten her in dem Kärtchen für 400 m Tiefe in die Er-
scheinung durch den Kontrast mit dem kalten auf dem Schelf befindlichen. Wasser,
aber auch die beiden anderen Tiefenstufen zeigen das Vorhandensein eines warmen
Stromes, von Osten nach Westen vordringend, an. Je weiter wir nach Westen und
nach der Mitte der Weddell-See gehen, um so mehr nehmen die Temperaturen ab,
da die Wirkung der Warmwasserzufuhr durch Mischung: mit anliegendem kälteren
Wasser gemindert wird. . .
Aber selbst in bedeutend tieferen Schichten macht sich diese warme, von
Osten vordringende Strömung: noch bemerkbar. Die Temperaturen am Boden
der Weddell-See liegen in den größeren Tiefen meist zwischen —0.4° und —0,5°.
So beobachteten wir auf der Südfahrt mit der „Deutschland“ in 61° 2’ S-Br. —0.48°
in 3201 m, in 61° 53’ S-Br. —0.49° in 4216 m, in 63° 47’. S-Br. —0.47° in 4937 m
Tiefe. Dagegen in 70° 2’ S-Br. —0.38° in 4567 m, in 72° 20’ S-Br. —0.33° in
3982 m, in 73° 17’ S-Br. —0.16° in 3432 m und in 74° 16’ S-Br. +0.33° in 1499 m
Tiefe. Also in annähernd. gleicher Tiefe —0.48° in 61° S-Br. und —0.16° in 73° S-Br.!
Diese stetige Erwärmung des. Bodenwässers bei Annäherung an das Schelfbecken
im ‚äußersten Süden bestätigt also die Schlüsse, die wir aus den Isothermen-
Kärtchen für die Tiefen von 200 m; 400 m und 800 m gezogen haben.
Seegang in Norwegen und mikroseismische Bewegung.
I. Mitteilung?!)
Von Otto Meißner, Potsdam.
a _ I. Einleitung. 2
Während ich‘ in meiner ersten‘ Mitteilung : über den vermeintlichen. Zu-
sammenhang .des Seegangs in Norwegen mit der mikroseismischen Bewegung: in
“54a Vgl. Krümmel, Handbuch der Ozeanographie; 2. Aufl, Bd. I, S. 437. nn
3) Berichtigung. In der I. Mitteilung ist auf S. 92 Zeile 19 statt Folie: Somville zu
setzen. Ferner ist in dem Aufsatz »Über die Beziehung der Temperatur zur Sonnenfleckenperiode« im
Jahrgang 1917 dieser Zeitschrift S, 187 zu lesen statt A, a B,