178 "Annalen der Hydrographie und Maritimen‘ Meteorologie, :Mai/Juni 1918,
Rocks sowie mit Südamerika festzustellen. Auf der Fahrt zwischen den Falkländs-
Inseln und Süd-Georgien wurden westlich und östlich der Shag Rocks mehr als
3000 m Tiefe gelotet, so daß also eine unterseeische Verbindung der Shag Rocks
mit Süd-Georgien wohl \icht vorhanden ist. Aber Nordenskjöld hebt‘ selbst mit
Recht hervor, daß die Lotungen nicht zahlreich genug sind, da z. B. eine bogen-
förmige Verbindung zwischen der Burdwood-Bank und Süd-Georgien möglich ist.
Wenn man die schöne Karte von Nordenskjöld betrachtet, so erinnert der
von den Falklands-Inseln nach Südosten sich erstreckende unterseeische Sporn
an den Reykjanes-Rücken bei Island, an den sich die mittelatlantische Schwelle
ansetzt, so daß eine weitere Ausdehnung der Burdwood-Bank und ihr etwaiger
Zusammenhang mit Süd-Georgien durchaus wahrscheinlich ist. Die Lotungen
der „Deutschland“ haben gezeigt, wie verwickelt das unterseeische Relief in diesem
Gebiet ist. Die Zahl der vorhandenen Lotungen ist zu gering, und man bedürfte
eines Vielfachen der bislang vorhandenen Lotungen, um nur die Grundzüge des
Bodenreliefs hier aufzudecken. Hoffentlich veranlaßt die Karte Nordenskjölds
später eine gründliche Auslotung dieses Gebiets, die nicht nur eine ozeanographische
Forderung, sondern auch notwendig ist, um die geologischen Beziehungen zwischen
Graham-Land, Südamerika und den ostwärts liegenden Inseln klarzustellen. Daß
ein: unterseeischer Rücken‘ die Süd-Orkney-Inseln: und die Süd-Sandwich-Inseln
verbindet; ist nach den „Deutschland‘‘-Lotungen ziemlich gesichert, auch. ist ein
unterseeischer Rücken zwischen den östlichen Süd-Shetlands-Inseln und den Süd-
Orkney-Inseln wahrscheinlich, wenngleich hier keine Lotungen vorhanden sind,
da die zwischen den Inselgruppen gemachten Lotungen sämtlich ohne Grundberührung
sind, so daß die in den Karten befindlichen Lotungszahlen nichts Positives aus-
sagen. Ob Süd-Georgien unterseeische Verbindungen mit den Inselgruppen im
Westen und Osten aufzuweisen hat, müssen. wir dahingestellt sein lassen, wohl
aber. erkennen wir aus den Tiefenkarten, daß die Gesamtheit der Inselgruppen,
wie. auch Nordenskjöld hervorhebt, auf einem unterseeischen Plateau von 3000
bis 4000 m Tiefe aufgesetzt ist; das. sich wie eine Halbinsel von der Linie Graham-
Land -— Falklands-Inseln. nach ‚Osten ausdehnt. Von Westen scheinen. in dieses
Plateau größere Tiefen des Drake-Sundes einzuschneiden - und ; ihre . Fortsetzung
in der Tiefenfurche von mehr als 4000 m nördlich der Süd-Orkney-Inseln zu finden,
während im Nordosten des Plateaus sich die großen Tiefen des Argentinischen Beckens
(von mehr als 5000 m), im Süden die 4500 bis 5000 m tiefen Gebiete der Weddell-
See anschließen.
_. Den Lotungen der schwedischen: Expedition in der Umgebung von Graham-
Land verdanken wir den Nachweis des von der Tiefsee abgeschlossenen Bransfield-
Beckens mit seinen sehr niedrigen Bodentemperaturen von —1.6° bis —1.8°, ferner
eine Anzahl von Küstenlotungen, die in Übereinstimmung mit denen der zweiten
französischen Expedition zeigen, daß der Schelf hier vorwiegend Tiefen. von mehr
als 200 m aufweist, das Relief des Schelfes unruhiger als in gemäßigten Breiten
und der Abfall bis 1000 m Tiefe ein sehr langsamer ist. Die Zeichnung der Isobathen
westlich von Graham-Land ist auf Nordenskjölds Karte eine andere als auf der
Karte von Rouch, die Angliederung der Süd-Shetland-Inseln durch den Schelf
an Graham-Land dürfte durch die schwedischen Lotungen gesichert sein. Bemerkens-
wert sind die großen Tiefen im de Gerlache-Kanal. Zwischen Brabant-Insel und der
Küste sowie zwischen Two Hummocks-Insel' und Palmer-Land liegt der Meeres-
boden, trotzdem der Abstand zwischen der Küste und den Inseln nur wenige See-
meilen beträgt, in etwa 600 bis 700 m Tiefe, so daß man den Eindruck eines ver-
senkten Gebirgstales hat. Südlich von 66° S-Br. ist uns der westliche Teil des Weddell-
Meeres wie auch der Verlauf der Küsten noch gänzlich unbekannt.
2. Temperatur und Salzgehalt des Oberflächenwassers, Die Ergebnisse der.
Beobachtungen der Oberflächentemperatur bei den verschiedenen Reisen der
„Antaretic‘ hat Nordenskjöld unter Heranziehung der Beobachtungen des „,„Pourquoi
Pas?‘ und der „Scotia‘‘ zur Konstruktion einer: Isothermenkarte benutzt, die wir
als Karte I in Tafel 6 wiedergeben. Das Kärtchen zeigt, wie selbst im Sommer
das kalte Wasser von weniger als 0° östlich von Graham-Land bis 61° S-Br. vor-
dringt, und daß die Isothermen von 1° und 2° in Nordost — Südwest-Richtung ver-