Brennecke, W.: Ozeanogr. Ergebnisse d, zweiten franz., d. schwed. u, d, schott, Südpolarexpedition. 175
Am wertvollsten sind die eigentlichen Tiefseelotungen, die in nachstehender
Tabelle, von Osten nach‘ Westen geordnet, zusammengestellt sind; sie ergänzen
die Lotungen der ‚‚Belgica‘-Expedition.
S-Breite
W-Länge
Tiefe
m
64° 557 68° 30 2500
69° 10 | 86° 25 3030
68° 55. : 90°40 | 1400
69° 20 0 99949 4850
S-Breite
W-Länge
Tiefe
m
69° 15 105° 45’ 4050
70° 05 | 118° 50 ‚ 1050
66° 15° 119° 28 ‚5100
68° 20° | 21321910 5340
Die Lotungen sind schon in den schönen Tiefenkarten von Groll!) verwertet,
welche zeigen, wie bedeutungsvoll die französischen Lotungen für unsere Auffassung
vom Relief des Meeresbodens und auch für die Ausdehnung des antarktischen
Kontinents sind. Ein Irrtum der Grollschen Karte sei hier berichtigt: die Lotung
in 68° 55’ S-Br., 90° 40’ W-Lg. ist 1400 m ohne Grundberührung, während sie auf
der Karte als Lotung mit Grund eingetragen ist, so daß der. Verlauf der Isobathen
sich ändert, Die Lotung von 5100 m zeigt ein anscheinend von den größeren Tiefen
des Stillen Ozeans isoliertes Tiefenbecken an.
8. Die Temperaturen. Während der Fahrt des „Pourquoi-Pas ?““ wurde die
Oberflächentemperatur des Meeres mehrere Male am Tage bestimmt; die Ergebnisse
sind in Tabellen in extenso nebst Bemerkungen über die angetroffenen Eisverhältnisse
niedergelegt, auch sind in einem Kärtchen die Wärmeverhältnisse des Meeres für
die Monate Dezember und Januar dargestellt. "Trotz der hohen Breite wurden
ziemlich hohe Temperaturen im Vergleich zur Weddell-See gemessen. So betrug
die Temperatur bei der ersten Fahrt (1908/09) längs der Küste von Graham-Land
im Januar etwa — 0,3°, bei Biscoe-Insel und Adelaide-Insel etwa 0°, seewärts von
Victor Hugo-Insel + 1°, auch in 68° S-Br. noch 0° und erst im Packeis sinkt sie
auf — 1.3° (im Weddell-Meer wurden im Dezember schon in 62° S-Br. — 1.7°
gemessen). In Marguerite-Bai (südlich 68° S-Br.) wurden am Eingang zur Bucht
Warmwasserflecke von + 0.5° und + 0.8°, ebenso in der Nähe des Küsteneises
bei Fallie@res-Land eine Temperatur von + 1.8° beobachtet, die als Auftrieb warmen
Wassers.aus der Tiefe gedeutet. werden können. Während der zweiten Fahrt wurden
Ende Dezember im Bransfield-Sund + 0.8°, in der Nähe des Packeises bei der
Joinville-Insel + 0.8 bis + 1.4° als Temperatur der Meeresoberfläche beobachtet,
ebenso bei der König Georg-Insel und Deception-Insel etwa + 1°. Während der
Fahrt längs der Eisgrenze in den hohen südlichen Breiten vom 10. bis 22. Januar
sinkt die Temperatur zuweilen auf — 1.8° und steigt zuweilen bis auf + 1°, und
zwar findet letzteres statt, wenn die Eisgrenze nach Süden ausbuchtet. So wurden
noch in 70° S-Br., als die Eisgrenze stark nach Süden zurückbuchtete, Temperaturen
bis + 1.1° beobachtet, so daß Rouch annimmt, daß die Einbuchtungen des Eises
durch eine warme, von Norden stammende Strömung verursacht seien. Die
Beobachtungen über Zunahme der Temperatur beim Zurückweichen des HEises
sind nicht vereinzelt, sondern häufiger während der Fahrt gemacht worden.‘ Eine
Ausnahme hiervon bietet das Vordringen bis 70° 22’ S-Br. in etwa 118° W-Leg.,
wo die Temperatur stetig unter — 1° lag und erst in 66!/,° S-Br. 0° überschritt.
Bei nördlichem Kurs wurden in 64?/,° S-Br. + 1°, in 59° S-Br. + 4.7° beobachtet.
Während der Überwinterung auf Petermann-Insel in 65° 10’ S-Br., 64° 11’
W-Lg. wurde regelmäßig die Oberflächentemperatur des Meeres hestimmt, die
Beobachtungen ergaben folgende Mittelwerte für 1909:
I II IN IV V vI vr VI IX X XI
—0.3° —0.09° —0.23° —1,56° -—1,75° —1,81° —1,83° —1,84° —1,76° —1,22° —0.99°
Das Januarmittel beruht auf nur 7tägigen Beobachtungen, im Winter ist
das Meer immer im Begriff zu gefrieren. .
Die Tiefentemperaturen wurden mittels Richter- oder Chabaud-Thermo-
meter gewonnen, die an dem Wasserschöpfer von Richard befestigt waren, dessen
'\ Veröff: d, Inst, f, Meereskunde, Berlin. N. Folge A. Heft 2, Juli 1912.