174 Annalen der‘ Hydrographie und. Maritimen’ Meteorologie, Mai/Juni 1918.
A. Die Ergebnisse der zweiten französischen Südpolarexpedition 1908/10‘).
ji. Die Ausrüstung. Die Expedition war durch den Fürsten von Monako
mit ozeanographischen Instrumenten ausgerüstet, und J. Rouch, der die Arbeiten
ausgeführt und die Ergebnisse veröffentlicht hat, hatte vor der Reise Gelegenheit;
sich an Bord der „Princesse Alice‘‘ mit den ozeanographischen Instrumenten ein-
zuarbeiten. Im ersten Kapitel der Veröffentlichung berichtet der Verf. über die
instrumentelle Ausrüstung und seine Erfahrungen. Für die Lotungen war das Schiff
mit einer großen Lucas-Lotmaschine ausgerüstet, die für Lotungen in großen Tiefen
mit Stahldraht von 0.9 mm Durchmesser gebraucht werden sollte. Für Lotungen
in geringeren Tiefen sollte auf derselben Maschine eine Drahtlitze von 2.3 mm Durch-
messer. verwandt. werden, um gleichzeitig mehrere Instrumente mit in die Tiefe
zu.geben. Es stellte sich aber heraus, daß der Motor zu schwach war, um die Draht-
litze mit Instrumenten zu heben, auch war es schwierig, die Grundberührung des
Lotes bei Gebrauch der Drahtlitze festzustellen, so daß nur mit dem Lotdraht
gearbeitet werden konnte. Der Motor ist später unbrauchbar geworden und durch
eine kleine Dampfmaschine ersetzt worden, die aber auch nur gerade den Lotdraht
mit der Lotröhre aus größeren Tiefen aufholen konnte. Um Wasserproben aus ver-
schiedenen Tiefen zu schöpfen, wurde eine Trommel an Bord konstruiert, die mit
L000 m Drahtlitze belegt wurde und mit der Hand bedient werden mußte. Man
ersieht hieraus, daß die Ausführung der ozeanographischen Arbeiten. zweifellos
infolge der Maschinen-Anlage mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Gerade die
Maschinen-Anlage muß für Polarexpeditionen sehr sorgfältig durchdacht und mög-
lichst vorher erprobt werden; jede mit motorischer Kraft bewegte Maschine für
ozeanographische Arbeiten sollte so eingerichtet sein, daß sie erstens auch mit der
Hand bedient und zweitens beliebig versetzt werden kann, weil sich dies in vielen
Fällen als notwendig erweist. Es sei erwähnt, daß bei der Deutschen Antarktischen
Expedition die große Lucas-Lotmaschine nach dem Festkommen des Schiffes im
Eis zunächst an den Ruderbrunnen versetzt wurde, später, als auch hier-das Loten
nicht mehr möglich war, wurde die Maschine jedesmal zu den Lotungen auf das
Eis gebracht, wo in etwa 100 m Entfernung vom Schiff ein Eisloch für die ozeano-
graphischen Arbeiten offengehalten wurde. Auf dem Expeditionsschiff „Pourquoi-
Pas?“ stand die Lotmaschine zuerst ganz hinten, später, als die Dampf-
maschine angesetzt werden mußte, an Backbord; der erstere Platz wurde für gün-
stiger gehalten. Für Lotungen im Boot und auf dem Eise bediente man sich einer
kleinen Lucas-Lotmaschine. Zur Entnahme von Wasserproben wurde der Wasser-
schöpfer von Richard, als Thermometer Instrumente von Chabaud und Richter
and als Lot das Leger- und Buchanan-Lot gebraucht.
2, Die Lotungen, Im ganzen wurden 70 Lotungen ausgeführt, von denen
jedoch nur 13 mehr als 1000 m Tiefe überschreiten. Hierzu kommt noch eine Anzahl
von Küstenlotungen in den verschiedenen Buchten, die nur auf Spezialkarten ver-
öffentlicht sind. Die Küstenlotungen ergaben, daß die meisten Buchten sehr tief
sind und einen fjordähnlichen Charakter haben. In der Admiralitäts-Bucht von
König Georg-Insel wurden über 500 m Tiefe, in Port Forster (Deception-Insel)
175 m, in der de Gerlache-Straße 710 m, im Kanal Lemaire 340 m ohne Grund
und in der Matha-Bai 560 m gelotet. Auf dem Schelf (plateau continental) von
Graham-Land und Alexander I.-Land waren die geloteten Tiefen sehr wechselnd.
Zuweilen wurden dicht unter Land kesselartige Einsenkungen gefunden, wie z. B.
860 m Tiefe südöstlich von Jenny-Insel in 67° 50’ 8.Br. und 68° 08’ W-Lg., während
weiter nach See zu bedeutend geringere Tiefen angetroffen wurden. Die Tiefen
auf dem Schelf sind durchschnittlich ziemlich groß, wie allgemein im südpolaren
Gebiet festgestellt worden ist; die Breitenausdehnung des Schelfs erreicht in ein-
zelnen Fällen 100km. Die Lotungen im Bransfield-Sund ergaben 1440 m, 1400m und
1320 m Tiefe und bestätigen die Lotungen der schwedischen Expedition von
1450 m, 1510 m und 1187 m im gleichen Gebiet.
1) Deuxieme
Charcot. Sciences
FEnseigene de vaisseau.
Expedition Antaretique Francaise (1908/10), commandee par le Dr. Jean
Physiques; documents seientifiques. Oc&anographie physique par J. Rouch,
Paris 1913