172 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1918.
1494 in Venedig. Über Granolachs Lebenszeit habe ich keine Daten gefunden.
Er stammte aus Barcelona und seine Ephemeriden erschienen wohl zuerst 1485
unter dem Titel: „Granollachi Bernardi Barcionensis conjuncliones et oppositiones
tune ab anno 1485 ad annum 1500 ohne Jahr und Druckort. Eine zweite Ausgabe
Roma (Plannck) 1488 (für die Jahre 1488 bis 1550) ist verbürgt, andere werden
für 1491 und 1493 genannt%). Gelcich hat übersehen, daß diese Tafeln Engels
und Granolachs, ebenso wie diejenigen Stöfflers, wesentlich nur der Astrologie
dienten. Es heißt im Titel des Granolachschen Werkes ausdrücklich: „tractatus ...
ex nobilissima arte astrologiae extractus‘. Danach ist in diesen Tafeln das Fehlen
einer Deklinationstafel der Sonne nicht weiter verwunderlich. Übrigens blieb
Gelecich den Beweis dafür schuldig, daß die Benutzung dieser einseitig die Konjunktionen
und Oppositionen des Mondes für eine Reihe von Jahren enthaltenden
Tafelwerke von seiten der zeitgenössischen Seeleute literarisch verbürgt wäre.
Viel auffallender ist. dagegen, daß Lucilius Santritter in seiner Ausgabe
des Almanach perpetuum Abraham Zacuti (Venetis 1502), wie oben (S. 157) dargelegt
ward, die Deklinationstafel des Originalwerkes nicht mit aufgenommen hat.
Der Grund, daß auch in den übrigen italienischen und süddeutschen Ephemeriden
jenes Zeitalters die gleichen Tafeln fehlen, scheint uns vielmehr darin zu liegen,
daß im Binnenlande das Bedürfnis nach neuen Ortsbestimmungen auf Grund von
Sonnenhöhen sich noch zu wenig regte, wohl hauptsächlich infolge der Herrschaft
des wiedererwachten Ptolemäus. Dadurch erklärt es sich m. E. auch, daß sich in
den Tabulae civitatum Breitenangaben von bekannten Orten lange erhielten, die
um halbe, ja ganze Grade falsch sind. Es ist im Gegensatz zu dieser Erfahrung
besonders bemerkenswert, daß in den frühen nautischen Leitfäden, als deren ältesten
Entwurf wir zur Zeit das Regimento do estrolabio betrachten, die Deklinationstafel
nicht nur nicht fehlt, sondern meist einen breiten Raum einnimmt.
Als nächstes in Frage kommendes Werk wird die Suma de geographia des
Spaniers Martin Fernandez Enciso gelten müssen. Es erschien zuerst 1519
und später nochmals 15305). Ein Vergleich seiner Deklinationstafel, die gleichfalls
die tägliche Abweichung der Sonne vom Äquator für den vierjährigen Zyklus
gibt, mit der oben besprochenen in der Evora-Ausgabe des Regimento zeigt, daß
bei Enciso eine Neuberechnung vorliegt, welche die zahlreichen kleinen Fehler und
Unstetigkeiten der letzteren vermeidet. Sie ist entschieden korrekter und weicht
im allgemeinen um -+ 1’ von den Evorawerten ab. Wo die Unterschiede sich auf
3’ bis 4’ erheben, 1äßt sich die Ursache fast durchweg auf Fehler der älteren (Evora-)
Tabelle zurückführen. Es verlohnt sich kaum, für diese Behauptung, die sich anf
eine sorgfältige Prüfung stützt, hier noch einen ziffernmäßigen Beweis beizubringen.
Die Tafel für das „A%o primero despues del bisiesto‘ (d. h. nach dem Schaltjahr)
wird zugleich mit dem Namen der Tage auf 12 Seiten zum Abdruck gebracht, jede
für die drei übrigen Jahre nimmt nur vier Druckseiten ein. Alle Angaben sind anf
Minuten abgerundet.
Mit dieser Tafel, wie sie zuerst bei Enciso erscheint, ist nun für die damalige
Nautik ein gewisser Kanon erreicht. Denn wir finden sie völlig identisch wiedergegeben
in Francisco Faleiro’s Arte del marear (1535)%), sowie in Pedro de
Medina’s Arte de nauegar (1545, Fol. LIII bis LX), nebst deren italienischer
Übersetzung (Vinetia 1554, Fol. LXXVII bis LXXXIV). Es ist schon hervorgehoben,
daß alle drei Autoren noch an dem älteren Maximalwert der Deklination
oder einer Ekliptikschiefe von 23° 33’ wie Zacuto festhielten. Charakteristischerweise
fehlt es aber bei ihnen gänzlich an einer Tafel der Sonnenlängen. Sie hatte
bei Kenntnis der Deklination für jeden Tag des Jahres innerhalb des vierjährigen
49) Vgl. Hain II, 1861—1867 u. Pellechet, III. 1909, 5297—5299. In Poggendorfis biogr.-Ht.
Handwörterbuch z. Gesch. d. exakt. Wiss, fehlt Granolachs Name ebenso wie in Houzeaus Vade-Me
Fe Vastron. Bruxelles 1882. Die Münchener Hof- u. Staatsbibl. besitzt d. Werk (Inecun.
s. a. 919).
50) Ich vermochte nur die Ausgabe von 1530 zu benutzen (Münchener Hof- u. Staatsbibliothek).
Sie scheint einige Abweichungen gegen die Originalauflage von 1519 zu enthalten. Letztere ist außerordentlich
selten. Ein jüngst von Jos, Baer in Frankfurt verkauftes Exemplar ist in den Besitz der
holländischen Sammlers, Herrn W. A. Engelbrecht in Rotterdam, übergegangen.
51) Faksimile-Ausgabe 1913: 91—102. ‚Jede Seite enthält vier Monate.