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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Wagner, H.: Die Entwicklung der. wissenschaftlichen Nautik usw. 171 
länge, vom Widderpunkt aus gerechnet, & die Schiefe der Ekliptik, so bestimmt 
sich d, die Deklination, aus dem rechtwinkligen Dreieck der drei Bogenstücke 
sin d = sin li. sin £. 
Die Schiefe der Ekliptik nimmt die Evoraausgabe wie Zacuto noch zu 
23° 33’ 
an. Berechnet man hiernach für die oben in Tabelle I und II im Auszuge mit- 
geteilten Sonnenlängen die Deklination, so ergibt sich allerdings nur selten eine 
genaue Übereinstimmung mit den Werten der Evora-Ausgabe, vielmehr zeigen 
sich fast durchweg Differenzen von mehreren Bogenminuten, und zwar sind diese 
keineswegs konstant, sondern wechseln rasch in der Höhe und im Zeichen, wie aus 
dem Vergleich der Werte für den 10. bis 15. Juli ersehen werden mag: 
10. VII. 11, VIEL. 12, Vi. 13, VII. 14. VII. 15, VIL 
Berechnet 20° 53 20° 42' 20° 30 20° 19’ 20° 6 19° 54' 
Evora-Ausgabe 209° 52’ 20° 45’ 20° 27 20° 15 209 4’ 19° 51’ 
+3 —Y 4 — —_y 
Danach scheint es, daß wir es auch hier mit einer ziemlich nachlässig be- 
rechneten Deklinationstafel zu tun haben. Freilich erreichen die Fehler nirgends 
eine für den praktischen Seemann auch des 2. und 3. Jahrzehnts im 16. Jahrhundert 
in Betracht kommende Höhe. 
24. Die späteren Deklinationstafeln. Eugen Gelcich, dem bei Abfassung 
seiner umfassenden Abhandlung: ‚„„/ primt passi della scienza nautica‘‘, 1892 4%), 
aus der Zeit zwischen dem Erscheinen der Ephemerides des Regiomontan (erster 
Druck 1474) und Enciso’s Suma de geographia, 1519, nicht ein einziges nautisches 
Werk bekannt war, wunderte sich damals%), daß „von den anderen Ephemeriden 
aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, die in den Werken über die Geschichte der 
Geographie genannt werden, als ob sie von Seeleuten gebraucht worden wären, 
keine einzige die Deklination der Sonne angebe‘. Er führt dieses Fehlen in fast 
sämtlichen Auflagen der astronomischen Tafeln auf den Umstand zurück, daß, 
„weil die Seeleute ihre eigenen durch Behaim eingeführten Tafeln — gemeint sind 
die Regiomontanschen — in den nautischen Büchern besessen hätten, die Heraus- 
geber der Ephemeriden einen besonderen Zweck, solche Tabellen in ihre Samm- 
lungen aufzunehmen, nicht mehr eingesehen hätten. Die Verbesserung Behaims 
müsse sich somit unter allen Seenationen raschen Eingang verschafft haben.‘ In 
diesen Worten liegt wieder ein Musterbeispiel für die Trugschlüsse vor, wie sie 
Gelecich so oft aus einer vorgefaßten Meinung heraus ohne Bedenken abgeleitet 
hat. Die Behaimfrage scheiden wir dabei als nunmehr erledigt ganz aus. 
Als die Quellen für seine Behauptung führt er unter den Astronomen; welche 
das Beispiel Regiomontans nicht nachgeahmt hätten, an: Engel, a Vienna 
(ephemeridi per gli anni 1494— 1500), Bernardo de Grenolacks, a Barcelona, 
J. Stöffer (sic), a Vienna (1498), Abraham Zanithi (sic), @ Venezia (1499). 
Die fehlerhafte Wiedergabe dreier Namen unter den vier Genannten gibt wohl den 
besten Beweis, daß Gelcich damals kein einziges der betreffenden Werke in der 
Hand gehabt hat. Unter Abraham Zanithi ist offenbar Abraham Zacuto (Zacutho) 
gemeint. Als Geleich 1892 für die Hamburger Festschrift zur Erinnerung an die 
Entdeckung Amerikas einen Beitrag über „die Instrumente und die wissenschaft- 
lichen Hilfsmittel der Nautik zur Zeit der großen Länderentdeckung‘‘ schrieb, 
hatte er sich inzwischen etwas besser. orientiert, ließ den ‘Abraham Zanithi fallen 
und spricht nur noch von Engel, Granolach und Stöffler*). Es handelt sich 
dabei: einmal um den 1512 verstorbenen Professor der Astronomie in Wien 
Johannes Angelus (aus Aichem in Bayern), dessen Astrolabium planum in Tabulis 
ascendens 1488 in Augsburg erschien ‘%), aber wohl nicht zum erstenmal, da im 
Titel: von „@ novo elaboratum‘‘ gesprochen wird. Eine spätere Auflage erschien 
—— 1 
‘51 Rivista Marittima, luglio—agosto—dicembre, Roma 1892. 
A, a. O. p. 49 des Estratto dalla Rivista Marittima, 
Hamburg. Festschr. 1892, II, Abh., 79. . se 
Vgl. Hain I, 1500—1502, u, Pellechet, Cat, g&n. des incunables de la biblioth. publ, de 
1897, p. 754—759, 
ve} 
France. I.
	        
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