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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

Wagner, H.: Die Entwicklung der wissenschaftlichen Nautik usw.

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V.. Das Regimento do estrolabio.

19. Die historische. Bedeutung des Regimento .do estrolabio. | Obwohl der
Almanach. perpetuum des Zacuto ebenso wie die Ephemeriden des Regiomontan
den Portugiesen am Ende. des 15. Jahrhunderts unzweifelhaft bekannt waren, so
konnten: sie ihnen doch in der. Hauptsache bei nautischen Aufgaben nur von
theoretischem Wert,sein. Es bedurfte, um ‚vor allem die Breitenbestimmungen
kräftig in die Seemannskunst einzuführen, einer leicht faßlichen Anleitung, kurz
eines nautischen Leitfadens für die Hand des praktischen Seemannes,
Als die älteste derartige Anweisung im. Bereich der südeuropäischen Literatur
— von den wenigen Andeutungen in Raymondo de Lollio, Arte de navegar (1295)
abgesehen — galt bislang ziemlich allgemein die 1519 in Sevilla‘ gedruckte, im
Jahre 1530 .wiederum herausgegebene Schrift Suma de geographia des Spaniers
Martin Fernandez Eneciso. In dieser spielt zwar die Landesbeschreibung die
Hauptrolle, wie es schon der Titel ausdrückt: „Suma de geographia G trata de todas
las partidas y provincias del mundo: en especial de las indias.‘‘ Aber auch die „arte
del marear‘‘ kommt zu ihrem Recht, indem. zur Einführung ‚la espera en romance‘‘,
d. h, die Hauptlehren über. die Erdkugel, ihre Zonen usw. nach dem Tractatus de
sphaera des Sacrobosco. in spanischer Sprache mitgeteilt werden. Dann aber
folgt „el regimiento del sol.y del norte‘, d. h. das Verfahren der Breitenbestimmung
nach Sonnenhöhen und Höhe des Polarsterns. WVermißt man in dieser Schrift
besonders hinsichtlich der letztgenannten Kapitel noch eine klare und präzise Form,
so begegnet man in ihr, wie gesagt, nach bisherigen Anschauungen doch zuerst
einer Beschreibung der. für die nautische Astronomie so wichtigen Maßnahmen.
In dieser Frage haben nun’ die verdienstvollen Untersuchungen Joaquim
Bensaudes gründlich Wandel geschaffen, indem er die Existenz eines nautischen
Leitfadens von unzweifelhaft älterem Ursprung nachweist. Es ist dies. die in portugiesischer
 Sprache verfaßte Schrift: ‚,Regimento do estrolabio e do quadrante‘“, die
freilich den Namen eines Verfassers nicht trägt. Wir kennen dies überaus selten
gewordene Werk heute bereits mit Sicherheit in zwei Ausgaben, Die. jüngere ist
schon 1883 von L. Cordeiro in der Bibliothek des Städtchens Evora- entdeckt,
aber damals in ihrer Bedeutung für die Geschichte. der Nautik noch nicht richtig
erkannt worden. Letzteres war ebenso wenig der Fall, als ein in der Münchener
Königl. Hof- und Staatsbibliothek aufbewahrtes Exemplar der im Titel gleichlautenden
 Schrift den bekannten Forschern auf gleichem Gebiet Siegmund
Günther (1890) und Eugen Gelcich (1892) zu Gesicht gekommen war. Erst
durch J. Bensaude ist ihr Wert richtig erkannt, ja man möchte sagen, er hat das
Regimento do estrolabio recht eigentlich in den Mittelpunkt seiner Darlegungen
über die Entwicklung der portugiesischen Nautik gestellt und dies mit einem gewissen
Recht. . Wir müssen daher bei der Analyse dieser Schrift länger verweilen.
Da auch das Münchener Exemplar keinen Verfasser nennt und leider der
Titel dort, wo sicher einst der Druckort angeführt war, schadhaft ist, so daß man
ihn nicht mehr feststellen kann, so bleibt nichts anderes übrig, als fortan. von der
Münchener- und der Evora-Ausgabe des Regimento zu sprechen. Bensaude
gibt von beiden Ausgaben in seiner Schrift „L’Astronomie nautique au Portugal,
1912“; eine ziemlich genaue Analyse; das Münchener Exemplar ist von ihm zugleich
dem Faksimiledruck zugrunde gelegt; welchen er als Vol. 1 der Collection de documents,
 publies 'par ordre.du'ministere de l’instruction publique de la Republique
portugaise, 1914 (München, Carl Kuhn) herausgegeben und mit einer wertvollen
Einleitung versehen hat. Das Werk ist auch gleichzeitig mit einer deutschen Übersetzung
 dieser Einleitung erschienen *). , .
_ Diese Einleitung beschäftigt sich allerdings, abgesehen von den Wiederholungen
über den Beginn der wissenschaftlichen Nautik bei den Portugiesen.aus dem. Bensaudeschen
 Hauptwerk, im wesentlichen nur mit der Aufdeckung des Weges; auf
welchem ‚das seltene Werk in die Münchener. Bibliothek. gelangt sein. könne, Es
ergibt. sich, daß der bekannte Humanist Conrad Peutinger in Augsburg durch

„41) Seltenheiten aus süddeutschen. Bibliotheken, herausgegeben: v: 2. Freys. O0. Glauning wu.
E. Petzet.: Nr. 5 (München, 1914, ©. Kuhn),
            
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