Wagner, H.: Die Entwicklung der wissenschaftlichen Nautik usw. 161
bestimmten Zyklus der Jahre 1473 bis 1476. Das war insofern etwas irreführend,
als dabei die Korrektionsrechnung zur Auffindung der Sonnenlänge eines Jahres
nach 1476 — und die Zeiten der Junta dos mathematicos fallen doch tatsächlich
in eine spätere Periode — gar nicht berührt ward. Mit anderen Worten: die Tabula
equationtis solis, die die erforderliche Korrektion vermitteln soll und den Almanach
erst zu einem wirklich „perpetuum‘“, wenigstens für eine größere Reihe von Jahren,
stempelt, ist von ihm nicht beachtet. Darin liegt aber, um noch einmal auf die Frage
der Einführung der Ephemeriden Regiomontans nach Portugal durch Behaim
zurückzukommen, eine Verkennung der Vorteile, . die. diese den dortigen Astro-
nomen. oder ‚Piloten im Gegensatz .zu .Zacutos Tafeln bieten konnten, denn aus
ihnen ‚konnte‘ man ohne. Zuhilfenahme einer Korrektionsberechnung :die Sonnen-
länge bereits für jeden Tag der einzelnen Kalenderjahre 1475 bis 1506 entnehmen.
Zacuto.setzte nun .die Benutzung seiner kleinen (oben S. 116 abgedruckten)
Tabula: equationis solis von nur 34 Werten in dem. Canon secundus de vero Loco solis
habendo: deutlich auseinander. | In dieser wird, wie schon: hervorgehoben ist, eine
jährliche‘ Präzession von 26,5”. angenommen, doch erscheint sie dort nur im vier-
jährigen Betrag von
1’ 46’.
Dabei interessiert uns das von ihm gewählte Beispiel an dieser Stelle insofern, als sich an ihm
nicht nur die Verschiedenheit der beiden Leiria-Ausgaben (1496) des Almanach perpetuum, sondern,
was uns, wie oben schon hervorgehoben, wichtiger erscheint, auch die Bekanntschaft Zacutos oder viel-
leicht nur seines Übersetzers Josepe Vicinho mit den Ephemeriden des Regiomontan unmittelbar be-
weisen läßt. Dieses Beispiel (Faksimile Ausg. p. 5), das auch Bensaude (L’astronomie nautique :p. 118)
reproduziert, will zeigen, wie man mittels der Tabula equationis solis die Sonnenlänge für den 15. März
des Jahres 1495 berechnen könne. Man zieht 1472 von 1495 ab und erhält in der Differenz von 23 Jahren
den fünffachen Zyklus nebst drei Jahren. Also ist die Tabula tertia solis zugrunde zu legen, welche
3° 47’ 35” Arietis als Sonnenlänge für den 15, März angibt. Nach der Tabula equationis solis ist das
Fünffache von .1’ 46” = 8’ 50”. Man sollte also für die .Sonnenlänge am 15. März 1495; HA
39° .47' 35” + 0° 8'. 50” = 3° 56’ 25” } a he Da
erwarten, welches rechnerische Ergebnis in der Tat im Canontext des Augsburger Exemplars des Almanach
und dementsprechend in der Faksimile-Ausgabe (München 1915 p. 5) und ebenso am Schluß des sextum
problema der Ausgabe, Venetiis 1502, richtig steht. Aber in der in der Bibliotheque de Ste. Genevieve/
aufbewahrten Kopie der Leiria-Ausgabe von 1496 steht deutlich: . ;
39° 47’ 35” + 0° 8' 50” = 3° 52. ; . .
Dies aber ist die Sonnenlänge, welche die Ephemeriden des Regiomontan für den
15. März 1495 angeben. Sie kann also nur aus diesem Werk entnommen sein, während bei einem
Neudruck der Canones (auch Leiria 1496) das Ungereimte dieser Einstellung erkannt und das Ergebnis
mit 3° 56’ 25” richtig gestellt ward.
18.‘ Die Präzessionskonstante Zacutos und Regiomontans. Verweilen wir noch
bei dem ungewöhnlich kleinen Wert der Präzessionskonstante, welche bei Zacuto
in dem vierjährigen Betrag‘ .
# 3} 46”
in die Erscheinung tritt. Indem Zacuto in seinen Tabulae equationis solis das Vielg
fache der Zahl 1‘ 46’ für 34 vierjährige Jahreszyklen gibt und den Gesamtbetra-
für 136 Jahre auf 1° abrundet, legt er, wie schon oben (S. 116). dargelegt ist, als
jährliche Präzession den Wert von 0 Py
; Ä 26,5”
zugrunde, ‘ ) . We . |
Es kann keine Frage sein, daß dieser Wert auf die Alfonsinischen Tafeln
bzw. deren Quellen zurückgeht. Allerdings muß man ihn dort erst aus der eigentüm:
lichen. Ausdrucksweise des Sexagesimalsystems tür die Zeiteinteilung des. Tages
herausschälen. In den lateinischen Ausgaben der Alfonsinischen Tafeln ist.er in
der. Tabula motus medii Augium et Stellarum fixarum angeführt und beträgt für
einen Tag. © ‚ #
4x 20" ‘417° 17% 12% . ;
wo 4" den Sechzigsteln der Bogensekunde und jede folgende Ziffer den Sechzigsteln
höherer Ordnung entsprechen??). SE
9) Vel. hierüber auch Delambre, Hist. de l’astronomie au moyen äge. Paris 1819, 4°, p.250.