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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1918.
tafel älteren Schriften entlehnt. Wie aus ihrem obigen Abdruck ersichtlich, ist
sie — wie übrigens auch die später zu erwähnende Regiomontans — auf ganze
Minuten abgerundet und dürfte in dieser Form und mit gleichem Wert der Schiefe
schon den jüngeren der arabischen Astronomen angehören: Jedenfalls findet sie
sich bereits bei: dem im 13. Jahrhundert in Montpellier lehrenden Robert Angles
(Robertus Anglicus, wohl auch Joannes de Monte pessulano genannt), mit dessen
Schrift „Tractätus quadrantis‘“ uns Paul Tannery*) in einer äußerst sorgfältigen
Studie bekannt machte. Leider druckt Tannery weder die Deklinationstafel noch
die 4 Tabulae solis mit ab, aber er analysiert sie. Die erstere führt bei Angles den
Titel: „Tabula, declinationis Solis que est distancia ejus ab equinoctiali secundum
Albategni. Wie bereits Tannery ausführt (a. a. O0. $. 30), ist 23° 33’ tatsächlich
um 2’ geringer als nach authentischen Dokumenten Albategnius (Al-Batanı) die
Schiefe angenommen hat, und nähert sich dem Werte Thebits (Thabit ben Kora),
nämlich 23° 33” 30’. Es ist denkbar, daß Angl&s sich einem von seinen Vorgängern
angenommenen mittleren Wert anschloß; er entspricht der Schiefe der Ekliptik
zum Beginn des ‘12. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist, daß Zacuto diesen Wert
auch noch am Ende des 15. Jahrhunderts beibehält. Bertlold Cohn (a. a. O.
S. 108) hält es für ausgeschlossen, daß Zacuto keine Kenntnis von der säkularen
Abnahme der‘ Schiefe gehabt habe. Wenn wir aber die gleiche Deklinationstafel
mit der Schiefe von 23° 33’ auch noch von den Nautikern im ersten Drittel des
16. Jahrhunderts beibehalten sehen ($ 24) — erst Nunes geht 1537 zu 23° 30‘ über —,
so darf man daraus wohl schließen, daß man in ihrem Kreise auf die Differenz
einiger Minuten noch keinen großen Wert legte.
E. Gelcich kannte 1892 nur drei Deklinationstafeln aus dem 15. Jahrhundert,
die der Alfonsinischen Tafeln, Regiomontans und des Astronomen
Novara. Auch diese Angaben bedürfen der Ergänzung und Berichtigung.
Nebenbei sei bemerkt, daß keineswegs alle Astronomen jenes Zeitalters, die eine
Neubestimmung für die Schiefe der Ekliptik versuchten, auch neue Deklinationstafeln
berechnet haben. Eine solche findet sich übrigens nicht in den lateinischen
Ausgaben der Alfonsinischen Tafeln, sondern nur im Text der spanischen
Originalausgabe der Libros del Saber de astronomia del Rey D. Alfonso X. de Castilia,
welche die Akademie zu Madrid durch Rico y Sinobas 1866 in fünf großen Foliobänden
herausgab. Von mehrfacher Seite, wie von Geleich (1892) und später
von A. Wegener, ist der Nachweis geführt worden, daß die von Rico im Anhang
des IV. Bandes veröffentlichten Tafeln nicht die originalen Alfonsinischen sein
können, da sie. zum Text, den man für den originalen hält, nicht passen (A. Wegener).
Es muß aber bemerkt werden, daß die Deklinationstafel, welche die Werte bis auf
Sekunden mitteilt und von der Schiefe von
. 23° 32’ 30”
ausgeht, nicht zu den beanstandeten Tafeln im Anhang gehört, sondern inmitten
des Textes (Band IV, 5. 6) steht.
Regiomontan hat sich mehrfach über neue Bestimmungen der Schiefe
ausgesprochen. * Er erzählt in dem Briefwechsel mit Joh. Bianchini, den v. Murr
veröffentlichte®), daß er sich (1463) an die „übliche“ Maximalgröße der Deklination
gehalten habe, die auf Thebit zurückzuführen sei. Anfang 1464 schreibt Regiomontan.
daß er selbst mit seinem Lehrer Peuerbach für die Schiefe den Wert
23° 28°
gefunden habe. Dann fährt er fort: „M. Paulum florentinum — damit ist der
Kosmograph .Paolo Toscanelli gemeint — et D. Baptista de Albertis sepe audivi
dicentes se diligenter observasse et non reperisse majorem
23 gr. minutis 30
que res etiam tabulas nostras videlicet tabulam declinationis et ceteras que super
eam fundantur innovare persuadet‘“. Damit ist jedenfalls der Ursprung für die An-3)
Le traite& du quadrant de Maitre Robert Angles (Montpellier XIIIe sitcle). Texte latin et
ancienne traduction grecque, publie&s par M. Paul Tannery. Tire des notices et extraits des manuserits
de Ja biblioth&que nationale etc, Tome XXXV, 2e partie. Paris 1897,
35) Memorabilia biblioth. publ. Norimbery., 1786; I, 8. 146