154 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1918.
deckungen‘“?). Um 1450 in Salamanca geboren, ward Zacuto an der dortigen
Universität Professor der Mathematik. Als die Judenvertreibung in Spanien
begonnen hatte, fand er 1492 in Portugal bei Johann II. Aufnahme; dieser ernannte
ihn sogar zum Hofastronomen. Aber als 1497, wie oben angedeutet, auch in
Portugal unter Johanns Nachfolger die Priesterschaft die Oberhand gewann, flüchtete
Zacuto nach Afrika (Tunis) und soll 1510 in der Türkei gestorben sein?*),
14. Der Almanach perpetuum. Das uns hier zunächst interessierende Haupt-
werk Zacutos, der Almanach perpetuum, ist jedenfalls zum erstenmal in Leiria
in Südportugal 1496 gedruckt worden. Ursprünglich in hebräischer Sprache
geschrieben, ward es, wie das Schlußwort besagt, von seinem Schüler, Josepe
Vieinho, dem Mitglied der Junta dos mathematicos, ins Lateinische übersetzt.
Ob es sich dabei um mehr als die Übersetzung der erläuternden Canones
(20 Druckseiten) und die Köpfe der zahlreichen Tabellen handelt, steht noch nicht
ganz fest. Gegenüber den kurzen Bemerkungen E. Ravensteins (1908) und den
weiter ausgreifenden Bensaudes, besitzen wir aus jüngster Zeit eine ausgezeichnete
Analyse des ganzen Almanachs von fachmännischer Seite in dem Artikel, den der
Astronom Berthold Cohn in der ‚„Vierteljahrschrift der Astronomischen Gesell-
schaft?) veröffentlicht hat. Er überhebt mich des‘ Eingehens auf manche Einzel-
heiten und greift naturgemäß weit über die für uns hier allein in Betracht kommenden
Sonnentafeh hinaus. Wichtig ist der Nachweis Cohns, daß das in hebräischer Sprache
verfaßte Originalwerk Zacutos sich in drei Handschriften erhalten hat.
Sieht man sich in der neueren Literatur um, so findet man Zacuto und seinen
Almanach übrigens mehr erwähnt, als man anfänglich glaubt. Daß sich vom
originalen Druck des Almanach perpetuum (Leiria 1496) überhaupt ein Exemplar
erhalten habe, ward uns wohl zuerst 1883 durch Luciano Clordeiro®%) kund,
welcher es in der Bibliotheca national de Lisboa aufgefunden hatte, ohne indsssen
eine nähere Beschreibung seines Inhalts zu geben. Im Jahre 1888 wies Simon
de la Rosa y Lopez nach, daß ein solches sich auch im Besitz des Kolumbus
befunden habe und noch heute einen Bestandteil der von Fernando Colombo hinter-
lassenen Bibliothek bilde, die in Sevilla aufbewahrt wird?). Von diesem Exemplar
scheint Meyer Kayserling persönlich Einsicht genommen zu haben, ‘da er
es 1894 näher in seiner oben erwähnten Schrift (a. a. O. S. 42) beschreibt.
Diese Kayserlingschen Mitteilungen über Zacuto wurden bereits von A. Schück
(der Jacobstab 1896) verwertet, freilich ohne daß auch er den Almanach zu Gesicht
bekommen hätte.
E. G. Ravenstein stellte dann ein weiteres Exemplar in der Bibliotheque de
Ste. Genevie&ve zu Paris fest und hat eben dies für seine Zwecke benutzt. Kine
Autopsie dieser Ausgabe — von den erstgenannten wußte ich damals noch nichts —
schien mir für meine weiteren Untersuchungen um so unerläßlicher, als ich in der
Venediger Ausgabe des Almanach von 1502, von der sogleich die Rede sein wird,
die von Ravenstein erwähnte Deklinationstafel der Sonne überhaupt nicht zu ent-
decken vermochte. Der Liberalität der Administration der Biblioth&que de
Ste. Genevie&ve verdankte ich dann (1910) die Einsicht in das seltene Werk für
längere Zeit hier in Göttingen, so daß ich mir umfangreichere Auszüge aus
demselben machen konnte. Was also im folgenden mitgeteilt wird, entstammt
nicht zweiten Quellen, sondern dem Originaldruck selbst. Der volle Titel des in
23) Berlin 1894, 41.
24) Nach Gaspar Correa (Lendas da India, Lisboa 1858 Livro 1 Tomo I) wäre diese Flucht
Zacutos erst 1502 erfolgt. Dieser setzt auch sein Todesjahr in 1515, aber wie Sousa Viterbo 1898
nachgewiesen hat, datiert das Dekret König Manuels über die Austreibung der Juden schon vom
5. Dezember 1496 (s. Bensaude, Histoire 71).
5) 51. Jahrg., 2, Heft, Leipzig 1917, 102—123. Einen weiteren Beitrag zur Kenntnis Zacutos
hat B. Cohn in der Schrift „Der Almanach perpetuum des Abrah. Zacuto‘“ gegeben (Schriften d,
Wiss, Ges, in Straßburg. 32. Heft, Straßburg 1918), Dort werden einzelne Abschnitte aus dem um-
fangreichen hebräischen Text mitgeteilt, die jedoch die uns hier interessierenden Fragen kaum be-
rühren. Benutzt wurde das Münchener Exemplar der Handschrift,
2) Boletim da Sociedade de geographia de Lisboa, 4. Ser. No. 1, 1883 p. 172. ®
"71 Bibliotheen Colombina, Catäilogo de sos libros impresos. Tomo I. Serilla 1888, 3.