Mecking, L.: Nordamerika, Nordeinropa und der Golfstrom in der elfjährigen Klimaperiode. 5
zum Vorschein, und die Zwischenjahreszeiten, wenigstens April— Juni, halten un-
gefähr das gleiche Schwankungsmaß wie das Jahresmittel inne. Das Gesetz erhält
noch etwas schärfere Prägung, wenn man von den jedesmal drei Jahre umfassenden
Epochen das erste Jahr wegläßt, also die Mittelwerte nur für 1878—"79, 1883-—84 usw.
bildet, wie es in den gestrichelten. Kurven 1—5 (Taf. 1) geschehen ist. Dann
fällt z.B. im Jahresmittel (Kurve 1) auch jene einzige Ausnahme noch weg.
Tabelle IL gibt den Mittelwert der Temperatur in den Maximal- und in den
Minimalepochen sowie die Differenz zwischen beiden, die im folgenden kurz Perioden-
effekt!) genannt und positiv gesetzt sei, wenn die Temperatur im Sonnenflecken-
minimum höher ist als im -maximum. Der Periodeneffekt ist also im Frühwinter
(Okt.— Dez.) mit 2.6 genau doppelt so groß wie im Jahresmittel (1.3) und
dreizehnmal so groß wie im Spätsommer (0,2).
Tabelle II, Lufttemperatur von Winniper (49° 53’ N, 97° 7' W).
Jahr |Jan ‚—März| Juli—Sept.| April— Juni | Okt.—Dez.| Dez.—Jan.| Dez.
Mittel der Max.-Epochen . 9.8°
- « Min- « ‚1'219
Periodeneffekt. ). ‚| 1.39
— 16.19 | 15,89 98° | —64° | —19.3° |— 19,90
14.8° | 16.0°° | 110° —_ 3,80 —_ 1620 |_ 95
130 | 020 | 12 2.60 8310 | 10.40
Es wurde außerdem die Kombination Dezember— Januar (und zwar nicht
aus dem gleichen Jahr,. sondern jeder Dezember verbunden mit dem Januar des
folgenden Jahres) für alle Epochen hergestellt und in Kurve 6. (Taf. 1) niedergelegt.
Sie bedeutet noch eine Verbesserung des Parallelismus zur Fleckenkurve, indem sie
gar keine Ausnahmestelle mehr aufweist. Zugleich. stellt sich nach Ausweis der
Tabelle IL ein noch höherer Periodeneffekt heraus: 3.1°. Ein solcher Betrag ist auch
im Vergleich zu anderen Erdstellen überaus hoch zu nennen; handelt es sich doch
meist bei den Temperaturschwankungen der Fleckenperiode nur um Zehntelgrade!
Schließlich ist der Monat Dezember allein herausgegriffen und für ihn ‘die
Temperatur der einzelnen Fleckenmaximaljahre sowie der einzelnen den‘ Flecken-
minima voraufgehenden ‚Jahre gebildet. Daraus entsteht die folgende Reihe. Deren
Jahr?) 1871 1877 1883 1888 1893 1900 1906 1912
Fleckenstand * + bt + — + —_ + 5
Dex.-Temp. —21.69° . —42° —19.2° —106° —22,2° —12,69° —167° — 10.8°
A a——— N A Na A BE LE NE Neben rt m a)
Differenz ‘+ 174 —150 * 4-86 — 131.6 +9.6 — 4.1 +59 -
Sprünge von. — 21.6 auf — 4.2 und wieder auf — 19.2° u. s. f. sind einfach phänomenal,
und auch der Periodeneffekt, den Tabelle IT zu 10.4° angibt, ist noch außerordentlich
und mag seinesgleichen auf der Erde suchen. ; .
So ergibt sich als erster Satz: die Temperatur im nordamerikanischen
Festland unterliegt dem Einfluß der Sonnenflecken besonders stark
und zwar am meisten im Winter; fleckenreiche Jahre.sind kalt, flecken-
arme warm. Der Sinn des Einflusses ist also der gleiche, wie er einheitlich für die
Tropenzone, neuerdings auch für die Erde im ganzen nachgewiesen ist und unter
der Bezeichnung „Köppensches Gesetz‘ verstanden wird; er entspricht nach unserer
Nomenklatur einem positiven Periodeneffekt.
1) Der nahe liegende Ausdruck Amplitude soll vermieden werden, um diesen schon fest ein-
geführten Begriff, .der seiner sonstigen Verwendung nach eher auf die extremen Einzeljahre bezogen
werden müßte, während unsere Differenz zwischen den Mitteln je dreier Jahre gebildet ist, nicht zu
verwirren.
. ®*) Die Jahre 1905 und 1907 haben ziemlich gleich hohe Fleckenrelativzahlen, 1906 bringt da-
zwischen eine Einsenkung; aber wegen dieser Mittellage zwischen zwei gleichwertigen kann es hier
als das Maximaljahr gelten. — 1871 mußte statt des eigentlichen Maximaliahres 1870 genommen
werden, weil vom letzteren noch keine Dezembertemperatur vorliegt.