(14 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März/April 1918.
saudes: „Un auteur anglais, M. Ravenstein, publia en 1899 la premiere de ses
deux 6tudes sur Behaim 04 il soumit les diff&rentes questions soulevees par les 6erits
precedents & une critique severe““ (L’astronomie nautique p. 14), sind irreführend.
Der biedere deutsche Kartograph Ernst Ravenstein, ein geborener Frankfurter,
hat, obwohl seit 1852 in England lebend, als eines der regsten Mitglieder des deutschen
Athenaeums zu London wie der dortigen deutschen Gemeinde überhaupt, niemals
sein Deutschtum verleugnet, wenn auch die Mehrzahl seiner in England gedruckten
und veröffentlichten Schriften naturgemäß in englischer Sprache verfaßt ist. Als
Schüler von Heinrich Berghaus kam er gleichzeitig mit August Petermann
früh nach London, fand dort einen ausgedehnten Wirkungskreis und hat sich im
Kreise der R. Geographical Society eine sehr geachtete Stellung erworben. Genug,
nach den unqualifizierbaren Angriffen, welche man 1915 im Schoße dieser Gesellschaft
und im engen Anschluß an die Bensaudesche Schrift gegen die deutsche
Wissenschaft erhoben hat!5), wird der Hinweis auf die deutsche Nationalität Ravensteins
an dieser Stelle nicht überflüssig sein.
Die Hauptfrage, um die es sich hier handelt, konnte- nun doch nicht in so
kurzen Sätzen erledigt werden, wie sie ihr Ravenstein im Rahmen seiner Behaimbiographie
widmete. Die Sache erweckte bereits beim Erscheinen der letzteren
mein Interesse und führte mich zu eingehenden Studien über das Verhältnis des
Almanach perpetuum des Zacuto zu den Tafelwerken Regiomontans. Doch
war ich damals an ihrem Abschluß durch andere Arbeiten verhindert. Wenngleich
nun manche der von mir gefundenen Ergebnisse durch die Schriften Bensaudes
überholt sind und zur Zeit,das Interesse sich mehr dem „Regimento do estrolabio““
als jenem Verhältnis zugewendet haben wird, so glaube ich doch zur Klärung des
letzteren die wichtigsten Abschnitte aus meinen Untersuchungen von 1910 hier
einflechten zu sollen. Denn zwischen den extremen Anschauungen Geleichs,
der in der Einführung der Regiomontanischen Ephemeriden in Portugal geradezu
die „Lösung der Behaimfrage‘‘ erblickte, und denen Bensaudes, der ihrem Bekanntwerden
in Lissabon jegliche Bedeutung für die Fortschritte der nautischen
Astronomie jener Zeit abspricht, scheint mir doch eine mittlere Auffassung ihre
Berechtigung zu behalten.
11. Die älteren Deklinationstafeln der Sonne und deren Schlüssel. Vorteile
der Ephemeriden Regiomontans. Darüber kann ein Zweifel nicht bestehen, welche
Art von Tafeln die Seeleute jener Zeit mit ihren primitiven Kenntnissen der Astronomie
und einfachen Beobachtungsinstrumenten brauchten, um an beliebigen Tagen
auf See oder — was sie meist noch vorzogen — dort, wo sie bei ihren Küstenfahrten
Jandeten, eine Breitenbestimmung aus der Mittagshöhe der Sonne zu machen.
Es handelte sich um Tafeln der Deklination der Sonne für jeden Tag (Mittag)
des Jahres, wie sie heute auch zahlreiche Kalender enthalten.
Solche aber existierten im Beginn des Zeitalters der Entdeckungen
noch nicht und sind auch weder von Regiomontan, noch dem sogleich
näher zu besprechenden Zacuto berechnet. Was uns an Deklinationstafeln
aus der Zeit der Araber und der ihrer jüdischen Übertrager in die hebräische oder
lateinische Sprache, aus den Alfonsinischen oder den Tafelwerken Regiomontans
und Zacutos erhalten ist, gibt ausschließlich die jeweilige Deklination der Sonne
für ihren Stand in den einzelnen 30 Graden der 12 Zeichen des Tierkreises an. Diese
kleinen Tabulae declinationis solis unterscheiden sich mit ihren 90 Einzelwerten
in ihrer äußeren Form also kaum von der bekannten Tafel im Almagest des Ptolemaeus,
nur daß dieser statt der dreimal 30 Grade der Sonnenbahnquartale als
Argument die 90 Grade der auf- und absteigenden Äste der Ekliptik verwendete.
In Zacutos Almanach perpetuum hat sie die folgende Form19):
5) Siehe The Geographical Journal, Vol. XLVI, 1915 p. 187.
68) Faksimile-Ausgabe des Werkes S. 41.