Wagner, H.: Die Entwicklung der wissenschaftlichen‘ Nautik usw. 113
beschäftigen. Auch daraus, daß Diogo d’Azambuja 1481 das. Astrolabium angewandt
haben sollte, erhalten wir keinen Aufschluß. (Näheres in $ 26.) ;
Mittlerweile hatte man an der Westküste Afrikas den Aquator überschritten.
Es geschah dies im Jahre 1471 durch die Fahrt Sequeiras, der bis zum Kap
St. Catharina (1° 51‘ S-Br.) gelangte. Wenngleich. nun Cadamosto schon 1455
sich am südlichen Himmel nach Sternen umsah, welche der Orientierung für die
Schiffahrt zum Ersatz des arktischen Polarsterns hätten dienen können, so. wird
doch der Beobachtung des Südpols mittels des südlichen Kreuzes kaum vor der
Wende des 15. Jahrhunderts gedacht. Sie gehört also bereits der gereifteren Beobachtungskunst
dieser letzten Zeit an. .
9. Breitenbestimmung aus Sonnenhöhen. Dagegen spielt mit dem allmählichen
Versagen der Orientierung nach dem arktischen Pol die Ableitung der Breite aus der
Beobachtung der Mittagshöhe der Sonne, also des Komplements der Polhöhe, eine
immer größere Rolle. Es scheint, daß sich das erste Stadium der Entwicklung
indirekt unter dem Einfluß von Johann II. vollzog. Dieser, schon 1474 mit der
Verwaltung der Kolonien betraut, geht mit ‘seiner Thronbesteigung im Jahre 1481
noch planmäßiger vor.. Die Bildung der Junta dos mathematicos ist das äußere
Zeichen. Man pflegt ihre Begründung in das Jahr 1484 zu verlegen und als Mitglieder
werden von de Barros genannt: Mestre Rodrigo, Mestre Josepe Judeo,
beides Johanns Ärzte, und Martin de Bohemia, „der sich rühmte, ein. Schüler
Monteregios, des berühmten. Astronomen unter den Bekennern dieser Wissenschaft
zu sein‘. Das ist die vielgenannte Stelle, welche besonders” seit Humboldts Zeiten
zum Ausgangspunkt für die Vermutungen diente, nach der die Vermittlung Martin.
Behaims eine sehr wesentliche Rolle in der Entwicklung der portugiesischen Nautik
gespielt haben sollte. Die unzweifelhafte Bedeutung, die Behaim Jahre hindurch
in den mit. den Entdeckungsplänen beschäftigten Kreisen Portugals gehabt hat,
berühren wir hier, um nicht abzuschweifen, nicht. Sie ist auch nicht durch seinen
neuesten Biographen, Ernst Ravenstein, aus der Welt geschafft und ebensowenig
durch die neuesten Zweifler, einen J. Bensaude, Sir Markham u. A: Aber
in der Abweisung der Form, in welcher Behaim nach der langjährigen deutschen
Tradition einen maßgebenden Einfluß auf die wissenschaftliche Nautik jener Tage,
insbesondere die nautische ‚Astronomie, geübt haben sollte, dürften die Genannten
das Richtige getroffen haben. In diesem Punkt waren. bereits die Darlegungen
Ernst Ravensteins vom Jahre 1908, denen seine Nachfolger allerdings noch
manches neue Beweismaterial hinzuzufügen vermochten, für mich überzeugend.
Kurz gesagt, läßt sich bei näherer Prüfung weder die. Einführung eines‘ neuen Beobachtungsinstrumentes,
des Jakobstabes, in die portugiesische Marine durch
Behaim aufrechterhalten — das ist längst von deutscher Seite anerkannt —, noch
konnten die Ephemeriden. des Regiomontan von so grundlegender Bedeutung
für die Nautik der Portugiesen sein, wie es namentlich. Eugen Gelcich 1892 hingestellt
hatte. Denn jene besaßen bereits heimische Werke, aus denen sie in zweckentsprechender
Weise die tägliche Sonnendeklination-— diesen Kernpunkt der Fortschritte
der Nautik für die damalige Zeit — berechnen konnten, Werke, die allerdings
bis in die neueste Zeit deutschen wie anderweitigen Forschern völlig unbekannt
geblieben waren.
| 10. Erster Hinweis auf Zaeutos Almanach perpetuum durch X. Ravenstein
(1908), . Wie oben schon angedeutet, hat Ernst. Ravenstein, dem zwar das Regimento
do estrolabio noch nicht bekannt war — denn auch der Hinweis Luciano
Cordeiros vom Jahre 1883. auf das von ihm in Evora aufgefundene Exemplar
des Regimento war ihm entgangen —, uns zuerst (1908) auf die Bedeutung der Tafeln
Abraham Zacutos für die im Mittelpunkt des Interesses stehenden. Breitenbestimmungen
aufmerksam gemacht; er hatte sich damit in starken‘ Gegensatz zu der
bisherigen Auffassung, insbesondere zu Gelcich, gestellt!*). Es muß dabei ausdrücklich
betont werden, daß der Umsechwung der Ansichten, auf den die Portugiesen
so großen Wert legen, von deutscher Seite ausgegangen ist. Denn die Worte J. Ben-4)
Martin Behaim, his life and his globe by. E. G. Ravenstein, London 1908, in. 4°, p. 19.