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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

112 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März/April 1918.
Erdkugel in einem beliebigen Parallelkreis senkrecht, d. h, parallel zur Erdachse
durchschneidenden Zylinders ist.
Daß die Einführung der graduierten, d. h. zunächst nur mit einer Breitenskala
 versehenen Plattkarte allein den Portugiesen zu verdanken sei, läßt sich
übrigens auch kaum aufrecht erhalten. Wie ich schon 1894 aussprach, so ist mir
bis heute überhaupt keine solche graduierte Karte aus der Zeit vor 1500 bekannt
geworden. Und das ist begreiflich, da es solche kaum gegeben haben dürfte. In
keinem Falle haben wir uns den Vorgang bei ihrem Entwurf so zu denken, wie ihn
Breusing (a. a. O0. S. 184) annahm, daß man sie nämlich zuerst nach theoretischen
Prinzipien entworfen habe, um dann die neu gefundenen Breitenlagen darin einzutragen.
 Vielmehr entstand das Bedürfnis nach solchen Karten erst, nachdem
die praktischen Nautiker die Notwendigkeit von Polhöhen- oder Breitenbestimmungen
aus Sonnenhöhen erkannt hatten, was im wesentlichen mit Überschreitung des
Äquators längs der Westküste Afrikas zusammenfiel. Auch mußte sich die Sache
erst einbürgern. Als dies zu Ende des 15. Jahrhunderts geschehen, waren neben
Portugiesen auch die Spanier schon auf dem Plan.

II. Beginn der Breitenbestimmungen zur See zu Johann II. Zeiten.
8. Polhöhebestimmungen. Die ältere Form der Bestimmung der geographischen
 Breite unter den südländischen Nautikern geht jedenfalls von der
Beobachtung des Polarsterns aus. Diese Methode scheint um ein bis zwei Jahrzehnte
 früher als diejenige aus Sonnenhöhen geübt worden zu sein. „Als älteste Notiz,
wo die Polhöhe bewußtvoll in Betracht gezogen ward, galt, so viel uns bekannt,
bis jetzt — auch Bensaude kann keine ältere nachweisen — die Erzählung des
Diogo Gomez de Cintra gelegentlich seiner Reise an der Küste von Guinea im
Jahre 1462. Sie hat bisher meist nur wegen Erwähnung des Quadranten die Aufmerksamkeit
 der Geschichtschreiber der Nautik erregt. Aber sie spricht deutlich
von der Beobachtung der Höhe des Pols??).
. „Et ego habebam quadrantem, quando ivi ad partes istas; et seripsi in tabula
quadrantis. altitudinem poli arctici (sic), et ipsum meliorem inveni quam
cartam. Certum est, quod in carta videtur via marinandi, sed semel errata nunquam
redeunt ad primum propositum.““
_ Zwar wird uns von Diogo Gomes an dieser Stelle noch kein Beobachtungsergebnis
 mitgeteilt, aus dem wir den Grad der Genauigkeit oder auch die Art der
Berechnung der Polhöhe aus der Beobachtung entnehmen könnten. Aber die Erkenntnis
 des Wertes einer solchen astronomischen Orts- bzw. Breitenbestimmung,
gegenüber der einfachen Fahrt nach Kurs und Distanz, geht klar aus seinen Worten
hervor: „Wenn sich‘‘, sagt er, „in die Karte einmal ein Fehler (sc. auf Grund bloßer
Kurs- und Distanzmessungen) eingeschlichen hat, so kommt man nicht an das Ziel,
das man sich gesteckt hat‘ 23),
Ob nun bereits 1462 den’ portugiesischen Seefahrern so klare Anweisungen
zur Verfügung standen, wie sie das Regimento do estrolabio aus den Anfang des
16. Jahrhunderts bietet, ist eine noch unentschiedene, jedenfalls auch von den neuern
portugiesischen Forschern nicht geklärte Frage. Sie dürfte zu verneinen sein. Daß
der Polarstern je nach seiner Stellung im Drehkreis von 24 Stunden, also je nach
seinem Stundenwinkel, bald unter bald über dem Pol stehe, wußte man, wie bei
Erwähnung der katalanischen Karte von 1375 (s. S. 110) angedeutet ist. Wollte
man aber aus den Beobachtungen die Polhöhe des Beobachtungsortes ableiten,
so bedurfte man des numerischen Wertes einer vom Stundenwinkel des Polarsterns
abhängigen, also theoretisch zu berechnenden Korreksion. Diese wird uns in 8 25

1% Schmeller, „Über Val. Fernandez Alemä und seine Sammlung von Nachrichten über die
Entdeckung der Portugiesen bis zum Jahre 1508“. (Abhandl. d. I, Cl. d. k. Akademie d. Wiss, zu
München, IV. Bd., III. Abth. 1845, Nr. II, S. 33.) -
13) Dieser Zusatz spricht, nebenbei bemerkt, unbedingt dafür, daß man in der Handschrift, wie
Schmeller bereits getan, cartam und nicht etwa costam, wie Gabriel Pereira 1598 setzen zu
müssen glaubte (Boll. Soc. Geogr. de Lisboa 1898—1899, p. 286), zu lesen hat, Das letztere hätte
gar keinen Sinn.
            
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