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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

110 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März/April 1918. 
spricht sich Pedro Nunes’”), zwar kein Zeitgenosse der älteren Periode, aber doch 
ein feiner Kenner der portugiesischen Nautik und ihrer Geschichte, auf das 
unzweideutigste dahin aus: „Propter angustiam maris mediterranei et quia frequen- 
tes in eo fiunt navigationes, locorum invicem positiones et intercapedines exactae sunt 
exploratae atque compertae adeo ut navigantibus non sit opus Astrolabiis, 
aut latitudinis cognitione. Quoniam enim omni die vel aliquam insulam, vel 
continentes oculis cernunt navigantes, quo in loco sint facile possunt agnoscere“‘. Das- 
selbe wird von späteren Kennern immer wiederholt, worauf schon Breusing mit 
manchen Belegen hindeutete (a. a. 0. S. 188). Aber Nunes fährt an der gleichen Stelle, 
was für uns besonders wichtig ist, fort: „Superioribus etiam saeculis Hispanicum 
mare, Gallieum et Germanicum ideirco sine instrumentis Astronomicis 
navigabatur, quia oras tantum lustrabant‘“ (also weil sie nur den Küsten entlang 
fuhren). ‚„Deinde vero quoniam recentioribus Lusitanorum navigationibus maximae 
orbis partes sunt peragratae, quod quidem sine auxilio Mathematicarum artium 
effici non potuit, coeperunt itaque nautae locorum latitudines observare 
et in chartis annotare“. 
So kommt für unsere Frage alles darauf an, festzustellen, wann zuerst 
„Lusitani latitudines observare coeperunt‘. Und in diesem Punkte ist festzustellen, 
daß die Portugiesen diese Kunst nicht von Jacome lernen konnten, weil er in der- 
selben nicht bewandert war. Zwar ist es nicht unwahrscheinlich, daß bereits zu seiner 
Zeit die Stellung des Polarsternes in seinem 24stündigen Drehkreis um den Pol 
zur Zeitbestimmung während der Nacht benutzt ward oder sein kann, denn 
auf der Nebentafel der katalanischen Karte von 1375 findet sich eine Anweisung 
zu solcher Beobachtung mittels der beiden Wächter (ß und y Ursae minoris). Aber 
eines besonderen Instrumentes bedurfte es dazu wohl noch nicht, und es wird auch 
ein solches, das diesem Zwecke diente, nicht genannt. Von Höhenmessungen 
des Pols mittels des Polarsterns ist erst die Rede, als man in niederen Breiten 
den letzteren mehr und mehr nach dem Horizont sich senken sah. Selbst 
aus der Erzählung Cadamostos, der sich, wie man bis jetzt noch annimmt®), 
zuerst mit dem Aufsuchen eines etwaigen Südpolarsterns beschäftigt hat, geht 
deutlich hervor, daß er diesen wie den arktischen Polarstern nur als Richtungs- 
weiser, noch nicht zu Polhöhebestimmungen benutzt hat. (Näheres in $ 26.) Nach 
unserer jetzigen Kenntnis war es erst der Portugiese Diego Gomez, der im 
Jahre 1462, also nach dem Tode Heinrichs, von einer Höhenmessung spricht, auf 
die wir zurückkommen. 
7. Das 15. Jahrhundert kennt graduierte Plattkarten noch nicht. R. Guima- 
räes. Ist es unter diesen Umständen denkbar, daß das Bedürfnis nach graduierten, 
d. h. mit einer Breitenskala versehenen „Plattkarten‘‘ schon im Zeitalter Heinrichs 
des Seefahrers bei den Portugiesen hervorgetreten sein sollte, wie Breusing (1881) 
annahm? Mit nichten. Oder daß er und seine Schule in Sagres eine ganz neue 
Gattung von Seekarten, eben die walzenförmige Plattkarte, im Gegensatz zu den 
bisherigen nautischen Karten der Italiener eingeführt habe? Auch da heißt es: 
mit nichten. Dieser Irrtum des sonst so scharfsınnig kombinierenden Breusing 
beruht bekanntlich darauf, daß er die mittelalterlichen Seekarten der Italiener, 
von Peschel Kompaßkarten genannt, als sogenannte mißweisende loxodromische 
Karten deutete®), denen eine konische Projektion mit polwärts konvergierenden 
Meridianen unterzulegen sei, Ich glaube, daß inzwischen meine und meiner Schüler 
eingehende Untersuchungen!) aus den Jahren 1894—97, .die zu wesentlich anderen 
Ergebnissen führten, so mannigfache Zustimmung — jedenfalls noch keine Wider- 
legung -— gefunden haben, daß ich mich kurz fassen kann. Sie gipfeln, um hier 
den Punkt voranzustellen, der uns im Augenblick allein interessiert, darin, daß 
sich die älteren italienischen Seekarten‘ des 13. bis 15. Jahrhunderts 
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10 ) 
Seekarten, 
De regulis et instrumentis, cap. I. (Opera P. Nonii Salaciensis, Basileae 1566, p. 19, unten.) 
Humboldts Kosmos, Orig. Ausgabe, Stuttg. 1850, III, 360, ; i 
Zeitschr. £. wiss. Geogr. IL, 1881, S. 187, 192. 
Vgl. H. Wagner, Das Rätsel der Kompaßkarten im Lichte der Gesamtentwicklung der 
Verhandl. d. IX. Deutschen Geographentages zu Bremen .1895, S. 64—87,
	        
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