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Annalen’ der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März/April 1918,
und Könnens auf nautischem Gebiete im Entdeckungszeitalter von deutscher Seite
siegreich aus dem Felde geschlagen zu haben, übersicht, wie stark die Entwicklung
von den Leistungen italienischer Lehrmeister und während der Hauptperiode von
der Mitwirkung spanisch-jüdischer Gelehrsamkeit bedingt gewesen ist. Doch gehen
wir nun zur Sache selbst über.
Die vorliegende Studie erstreckt sich, um dies ausdrücklich hervorzuheben,
wesentlich nur auf die erste Hälfte des Zeitalters der Entdeckungen — also be-
sonders das 15. Jahrhundert und die ersten Jahrzehnte des 16. — und sucht
das erste Auftreten der neuen Errungenschaften festzustellen. Mein Bestreben
war zugleich, möglichst auf die Originalquellen zurückzugehen, wobei freilich in
einzelnen Fällen die zeitige Verschließung des Auslandes störend eingriff, Auch
sollten an Stelle einfacher Behauptungen, auf die man sich zum Schaden der
Sache in der Geschichte der Erdkunde und Nautik nur zu oft beschränkt hat,
nach Möglichkeit ausführliche Beweise gegeben werden,
I. Das Zeitalter Heinrich des Seefahrers.
4. Jacome de Malhorca. Das äußere Zeichen kraftvollen Auftretens zur
See im Beginn des Aufblühens des portugiesischen Staates hat die Geschicht-
schreibung schon längst in der Eroberung Ceutas im ‚Jahre 1415 unter König
Johann I. und seinen tapferen. Söhnen D. Duarte, Pedro und Henrique erblickt.
Zielbewußte Sorge für das Seewesen wird schon den Vorgängern Johanns während
des ganzen 14. Jahrhunderts nachgerühmt. Der Eintritt des Genuesen Manuel
Pezagno in den Dienst Königs Diniz (um 1317), die Erblichkeit der Würde eines
Admirals in der Familie Pezagnos, die Vergünstigungen, die man überhaupt den
in Lissabon sich niederlassenden Genuesen gewährte, sprechen für den maßgebenden
Einfluß italienischen Elements.
Für ein Menschenalter wird Don Henrique oder Prinz Heinrich, der See-
fahrer, wie wir ihn zu nennen pflegen, die Seele aller neuen Unternehmungen. Nahe
seinem Sommersitz gründete er 1416 an der äußersten Südwestspitze Portugals
das, was man die Seefahrtsschule von Sagres genannt hat. Über die Wirk-
samkeit dieser Ursprungsstätte nautischer Kenntnisse bei den Portugiesen, wie
man sie gleichfalls bezeichnet hat, schwebt jedoch seit alten Zeiten ein Dunkel; sie
ward daher für die Geschichtschreiber des Zeitalters der Entdeckungen und der
Nautik ein Spielplatz von Vermutungen, Keine hat sich beweisen, wohl aber haben
sich einzelne widerlegen lassen. Auch die beiden Bensaudeschen Schriften geben
uns keinerlei Anhaltspunkte, um den Schleier zu lüften oder eine wichtige Tatsache
ihrer Geschichte einzugliedern, die nicht schon bekannt gewesen wäre*).
Zu letzteren gehört vor allem die Kunde der Berufung des Katalaners
Jacome de Malhorca — Mestre Jacome bei den Portugiesen genannt —
durch Prinz Heinrich. Sein Name kehrt bei den späteren Historikern immer wieder,
aber die kurzen Beiworte, die Duarte Pacheco in seinem Werk „Esmeraldo de
situ orbis‘ (verfaßt etwa 1510) und de Barros in der I. Dekade seines Werkes
„da Asia‘ (zuerst erschienen 1552) an den beiden einzigen Stellen, in denen sie
den Mallorkaner erwähnen, sind bis heute auch die einzigen Quellen über seine Wirk-
samkeit. Nach de Barros war er „mui docto na arte de navegar, que facia cartas
eg instrumentos‘‘; nach Pacheco galt er als mestre de cartas de marear‘*, wobei hinzu-
gesetzt wird „na qual il ha (Malhorca) se feceram as ditas cartas‘‘, Wenngleich nun
Pacheco an derselben Stelle hinzufügte, daß zu seiner Zeit die Seeleute von den
Schülern Jacomes unterwiesen seien, so ist doch immer festzuhalten, daß er (Pacheco)
fast drei Generationen nach Jacomes Auftreten schrieb.
J. Bensaude bemüht sich eifrig, die Zeit des Eintreffens des Mestre Jacome
in Portugal festzustellen. Er hält die Jahre 1410 oder 1412, also noch vor der Er-
oberung von Ceuta und der Begründung der Schule von Sagres, für wahrscheinlich.
%) Sousa Viterbo versuchte schon 1890 nachzuweisen, daß es überhaupt eine nautische Schule
in Sagres niemals gegeben habe. Die wissenschaftlichen Studien seien von der Universität Lissabon
gemacht worden (Trabalhos nauticos dos Portuguezos nos seculos XVI—XVI[. Lisboa 1890—1894),
Das Werk war mir leider jetzt nicht zugänglich, Ich entnehme Obiges dem Referat S, Ruge’s (Geogr.
Jahrb., XX, 1897, 227}.