Ann. d. Hydr. usw., XXXXVI. Jahrg. (1918), Heft I.
Nordamerika, Nordeuropa und der Golfstrom in der elfjährigen Klima-
periode.
Von Prof, Dr. Ludwig Mecking in Kiel.
(Hierzu Tafel 1.)
I. Problem, Material und Methode. -
In den letzten Jahrzehnten sind klimaperiodische Untersuchungen stark
hervorgetreten, und mit der Zeit werden sie dank der Verlängerung der Beobachtungs-
reihen vermutlich noch immer größere: Ausdehnung und Bedeutung gewinnen.
Zwei Perioden. sind es namentlich, die bisher zu Ansehen gelangt sind, die elfjährige
and die fünfunddreißigj]ährige. ;
Die bedeutendsten Untersuchungen über die erstere liegen bereits mehr als
ein Menschenalter zurück. Sie sind von W. Köppen!‘); F. G. Hahn?) und H. Fritz‘)
in den siebziger Jahren geliefert worden, in jener kurzen Zeit, von der Hahn schreiben
konnte: „Fast jeder Jahrgang einer‘ astronomischen, meteorologischen oder geo-
graphischen Zeitschrift enthält gegenwäıtig eine oder mehrere sich auf das Problem
beziehende Arbeiten.‘ Danach ist erst vor wenigen Jahren ein Versuch von ähnlichem
Umfang und Wert wie jene drei vorgelegt worden, und zwar für die Temperatur
in dem Zeitraum 1870—1910 von J. Mielke*), der sich in der Behandlung der
Beobachtungen und ihrer Gruppierung nach Erdräumen am engsten an die für die
ganze Frage grundlegende Arbeit Köppens anschließt und zu im wesentlichen
gleichen Ergebnissen gelangt. Damit ist die elfjährige Periode für sämtliche Klima-
zonen jedenfalls über allen Zweifel ihrer Existenz, den die vielfältigen Widersprüche
der für einzelne Gebiete der Erde festgestellten Erscheinungen schließlich. immer
noch aufkommen lassen konnten, hinausgehoben. Doch wäre damit allein mehr das
astronomische und meteorclogische als das geographische Interesse befriedigt;
dieses hebt erst bei der regionalen Differenzierung der Erscheinungen, hei der
Erkenntnis und Klärung dieser Differenzierung recht an.
Der Umstand, daß die elfjährigen Klimaschwankungen in den Sonnenflecken
ihre kosmische Ursache haben, könnte zwar den Gedanken nahe legen, daß die Wir-
kungen sich ziemlich einheitlich und gleichartig auf der ganzen Erde oder zu mindest
innerhalb ganzer Erdzonen äußern sollten. Doch verträgt sich durchaus mit der
kosmischen Einheit der Ursache ‚die tellurische Verschiedenheit der Wirkung.
W. Herschel®) hat schon hervorgehoben, daß die Wirkung nicht notwendig auf
der ganzen Erde gleich sein müsse, Köppen und Mielke analysieren die Erscheinungen
bereits nach geschlossenen Klimagebieten, um diese dann nach Zonen zusammen-
zufassen und die zonale Verschiedenheit der Wirkung zahlenmäßig klarzustellen.
Man wird indes über die zonalen hinaus noch ähnliche gesetzmäßig regionale Unter-
schiede in der Fleckenwirkung zu erwarten haben, wie sie sich auch in den Wärme-
verhältnissen der Erdoberfläche überhaupt, infolge der Verteilung von Wasser und
Land sowie der Strömungen. u. dergl., zeigen, vor allem also ein gegensätzliches
Verhalten von einander ostwestlich gegenüberliegenden Gestadeländern
höherer Breiten. Das ist der eine Gesichtspunkt, unter dem sich die folgende
Untersuchung bewegt.
1) Über mehrjährige Perioden der ‚Witterung, insbesondere über die elfjährige Periode der
Temperatur, Zeitschr, d, österr, Ges. f. Met., VIII, 1873.
E X Über die Beziehungen der Sonnenfleckenperiode zu meteorologischen Erscheinungen, Diss,,
eipzig 1877.
3) Die Beziehungen der Sonnenflecken zu den magnetischen und meteorologischen Erscheinungen
der Erde, Haarlem 1578, .
*) Die Temperaturschwankungen 1870—1910 in ihrem Verhältnis zu der clfjährigen Sonnen-
fleckenperiode, Diss., Halle 1914: auch Archiv der Seewarte, 1913. — Dazu eine Ergänzung von
W. Köppen;, Lufttemperaturen, Sonnenflccke und Vulkanausbrüche, M. Z. 1914, 305—328,
5) Philos. Transact, 1801, S. 311,
Ann. d. Hydr, usw. 1915, Heft I.