100 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1918.
Wichtigkeit. Seine Darstellung bietet eine Unmenge großer Schwierigkeiten, die aber in diesem Falle
alle überwunden wurden, so daß der Schüler aus der Abhandlung ein recht klares Bild vom Wesen
der Gezeiten und ihrer Berechnung erhält. Die für den Seemann wichtigsten Rechnungen sind durch
zahlreiche Beispiele gut klargelegt.
Der IX. Teil »Nautische Vermessungen« ist eine der seltenen Arbeiten, denen der Schul-
mann wie der Praktiker mit gleicher Begeisterung zustimmen kann, Kein Wort zu viel, keines zu
wenig, alles darauf berechnet, dem Auskunft Suchenden die klarste Anweisung zu erteilen. Der erste
Abschnitt gibt einen allgemeinen Überblick über das ganze Vermessungsverfahren, die Hilfsmittel
und das Personal. Im zweiten Abschnitt ist das erdichtete Beispiel einer Vermessung nach genauem
Verfahren, nur mit den Mitteln eines Auslandskreuzers, durchgeführt. Im dritten Abschnitt schließt
sich eine Vermessung nach roherem Verfahren an und den Schluß bildet im vierten Abschnitt eine
Vermessung in Fahrt. In der Az. Rechnung, Seite 722, ist ein Versehen unterlaufen,
Alles in allem ist dieses Lehrbuch der Kaiserlichen Marine ein vorzügliches Werk, aus dem
jeder Nautiker viel lernen kann und das wohl geeignet ist, gründliches nautisches Wissen zu über-
mitteln. Die Ausstattung des Buches mit Figuren und Tafeln ist ausgezeichnet; Druck und Papier
sind sehr gut. Bei einer Neubearbeitung ist darnach zu streben. daß die Bearbeiter mehr Einigkeit
zeigen in bezug auf die Einteilung ihres Stoffes in Abschnitte, Kapitel und Ziffern, Beim genauen
Studium der einzelnen Kapitel vermag man sich zuweilen nicht des Eindruckes zu erwehren, als ob
noch im letzten Augenblick, vielleicht wegen Platzmangels, Kürzungen und Streichungen vorgenommen
wurden. Bei weiterem Anwachsen des Stoffes wäre allerdings eine Zweiteilung des Buches unver-
meijdlich. Joseph Krauß, Lübeck.
Meteorologie für Flieger. Von Dr. Eugen Alt, Konservator der Kgl. Baye-
rischen Meteorologischen Zentralstation. VIII u. 116 5. Mit 13 Abbildungen
im Text, 1 Karte in Steindruck, 2 Abbildungen und 9 Wolkenbildern (Tafel I
bis XI) auf Kunstdruckpapier. Berlin 1917. Verlag von R. Eisenschmidt.
Preis / 3,00.
Der Verfasser rechtfertigt die Veröffentlichung des Lehrstoffes, den er als Fachlehrer für
Meteorologie an den bayerischen Fliegerschulen vorträgt, als Beitrag zu einer Methodik des meteoro-
logischen Unterrichts für die militärischen ®pezialzwecke, da eine solche in vollständigem Ausbau und
allseitiger Anerkennung heute noch nicht existiert.
In glücklicher Abwägung von Theorie und Praxis ist der Stoff durchweg neu und selbständig
geformt und sowohl in der Anlage des Ganzen wie bei der Durchführung im einzelnen konsequent
vom Standpunkt des Fliegers aus dargestellt, dem das Luftmeer zunächst nichts anderes ist als eben
das Mittel, das ihm sein Flugzeug trägt. Kennzeichnend für diesen (jeist des Buches ist der Aus-
vangspunkt der Behandlung, der zugleich als roter Faden das (janze durchzieht, um den der gesamte
Stoff gruppiert wird: der Begriff des Luftwiderstandes und seine formelmäßige Erfassung, Nachdem
in einem kurzen Kapitel die Theorie des Drachenfluges und der Einfluß der übrigen Größen des
Widerstandsgesetzes: L==2k-.y.v?.F.sin« behandelt sind, wird die Bedeutung des Luftgewichts y
untersucht, seine Abhängigkeit von Druck, Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt festgestellt und damit
die »Notwendigkeit, die physikalischen Eigenschaften der Luft und deren periodische und unperiodische
Veränderungen sowie örtliche Verteilung kennen zu lernen«, Zugleich gibt das in großen Zügen die
durch eine einfache ‚fortlaufende Numerierung leider nicht genügend hervortretende (Gliederung des
Inhalts.
Im einzelnen behandeln Nr. 1 bis 3 einleitend elementare Fragen aus der Mechanik des
Fliegens, und zwar unter Voranstellung eines Abschnittes über »Zusammengesetzte Bewegungen«,
deren fundamentale Bedeutung durch die vielen Anwendungen in allen Teilen des Buches auch wirk-
lich in steter Erinnerung gehalten wird. Die Luftwiderstandsformel leitet dann über zu dem Haupt-
inhalt des Buches und führt durch ihre Abhängigkeit vom Luftgewicht 7 zur Besprechung der inneren
physikalischen Zustände des Flugmediums, des Luftdrucks (Nr. 4 bis 8), der Temperatur (Nr, 9 bis 12,
der Feuchtigkeit, Niederschläge und Wolken (Nr. 13 bis 19), sodann durch die Abhängigkeit von der
(Geschwindigkeit v zur Erörterung der äußeren Mechanik, der Strömungen (Nr. 20 bis 29) und der
allgemeinen Zirkulation (Nr. 30 bis 37).
Beim Luftdruck liegt — immer entsprechend dem methodischen Grundgedanken — das
Hauptgewicht auf seiner vertikalen Verteilung (barometrische Höhenformel), und das Barometer kommt
ausschließlich als Höhenmesser, dafür aber in aller Ausführlichkeit zur Behandlung (instrumentelle
and methodische Fehler, Prüfung, verschiedene Typen, Anleitung für die Behandlung). Auch hin-
sichtlich der Temperatur der Luft interessiert sich der Flieger in erster Reihe für die vertikale Ver-
teilung; daher steht nach der Besprechung der Instrumente (Assmannsches Aspirations-Thermometer,
Thermograpb) die Erwärmung der Luft vom Erdboden aus im Mittelpunkt der Erörterung. Muster-
zültig und für die Art des Buches wiederum bezeichnend ist hier die moderne energetische Auffassung.
Aus den Kapiteln über Luttfeuchtigkeit und deren Messung, über Wolken und Nieder-
schläge verdient der durch entsprechende Tabellen unterstützte Hinweis, daß man durch Wolken-
beobachtung mancherlei Aufschlüsse über die Vorgänge in den höheren Schichten erhalten kann, ent-
schieden noch weit größere Beachtung seitens der praktischen Flieger.
Die Besprechung der Strömungsverhältnisse der Luft wird durch einfache Versuche
begonnen und daran anknüpfend wohl im Interesse der einheitlichen Methodik prinzipiell jeder
Strömungsvorgang als Zirkulationssystem oder als Teil eines solchen aufgefaßt. Im theoretischen Teil
kommen Luftdruck, Gradient, Wind (Windmeßmethoden) und dessen Anderung in der Vertikalen zur
Darstellung, dann besonders ausführlich der praktische Einfluß, den die normalen Luftströmungen
(Abtrift) und ihre Störungen (Turbulenz, Sonnen-. Geländeböen, Einfluß von Gebirgen und Tälern)
auf das Flugzeug ausüben,