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vor oder nach ist. Auf Kapitel 4 folgte besser gleich Kapitel 6 und dann erst 5. Die Bemerkung
3. 290 »Aus dem Beispiel... .« ist wohl nur versehentlich stehen geblieben. Der Anweisung über
ılas Beobachten des Zeitsignals vermag ich mich nicht anzuschließen, Nach meinen Erfahrungen ist
es besser, den im Sekundenzählen geübten. Beobachter die Sekunden, mit der Uhr in der Hand, laut
zählen und dabei scharf auf den Zeitball passen. zu lassen, . Bei der Standbestimmung durch Ver-
gleiche mit einer Pendeluhr hätte erwähnt werden können, daß, wenn durch irgendwelche Um-
stände der Uhrvergleich an Land zeitlich dem einen Uhrvergleich an Bord viel näher liegt als dem
anderen, eine Beschickung auf die Zeit des Vergleichs an Land notwendig ist. S. 294 letzter Abschnitt
wird gesagt, daß die Beobachtung über dem künstlichen Horizont zuverlässiger ist, 1. weil der doppelte
Winkel gemessen wird, 2, weil die Bewegung der Bilder schneller stattfindet. Das ist doch dasselbe,
und’ es muß heißen: weil der gemessene Winkel der Doppelwinkel ist, so würde ein etwaiger Fehler
in der Höhenmessung durch 2 geteilt werden usw. Es wäre ganz gut gewesen, in dem Beispiel einen
©Y zu geben, da sich im ganzen Werk nirgends ein Beispiel der Verwertung von X:Y Findet.
Auch ein Beispiel der Gang- und Standbestimmung für drei Chronometer wäre angebracht. Dagegen
könnte man in der Kaiserlichen Marine einmal ernstlich die Frage beraten, ob heute in der Zeit des
Funkentelegraphenverkehrs die Beibehaltung der Standbestimmung durch Beobachtung gleicher Sonnen-
höhen wirklich noch notwendig ist. Der historische Exkurs ist auch in didaktischer Hinsicht recht
wertvoll, da er zur Belebung des Unterrichts gut verwandt werden kann und die Schüler -solch ge-
schichtlichen Bemerkungen immer viel Interesse entgegenbringen.
Beim IV. Teil »Winkelmeßzeuge« fällt zunächst die mit Geschick durchgeführte Ver-
deutschung fremdsprachlicher Fachausdrücke auf. Es wird hier gesprochen vom: Meßzeugkörper,
Zeigerspiegel, Zeigerarm, Zielerpaar, Lochzieler, Fadenzieler usw, Die meisten dieser Verdeutschungen
sind mit Glück gewählt. ‚Ihre allgemeine Annahme sei empfohlen. Die Beschreibung der Instrumente
und ihrer Untersuchung ist gut. Es ist dabei die Bauart der in der Kaiserlichen Marine haupt-
sächlich verwendeten Instrumente besonders berücksichtigt. Man findet hier auch gute Abbildungen
der Trommel- und der ganz neuen Zeigermeßzeuge, ©
Die Bearbeitung des V, Teiles »Kompaßwesen« Jehnt sich stark an die Darstellung im alten
Lehrbuch an. Neu sind die einleitenden Ausführungen und ‘die Beschreibung der Kompasse der
Kaiserlichen Marine. Unterstützt durch viele wertvolle Zeichnungen und Abbildungen, erhält man
dadurch ein ganz außerordentliches anschauliches Bild dieser Instrumente. Auch in den Abschnitten, die von
der Kompensation der Kompasse, den magnetischen Eigenschaften verschiedener Eisensorten usw. handeln,
findet sich viel Neues und Beachtenswertes. ‘ Die Kapitel, bei denen es mehr auf Didaktisches an-
kommt, gefallen mir dagegen nicht besonders, Meines Erachtens ließen sich z. B. die Ziffern 6, 8
und 9 viel klarer disponieren, Die Behauptung auf Seite 350, daß die Ruhe des Kompasses beim
Rosenbau durch großes magnetisches Moment der Magnete erzielt wird, kann ohne weiteres doch nicht
stimmen. W. Thomson, hat meines Wissens das Gegenteil gezeigt. Bei Besprechung der Ruhe und
der Empfindlichkeit des Kompasses ist eben nicht genügend unterschieden zwischen Trocken- und
Schwimmrose, für die doch die Anforderungen und Bedingungen ganz verschieden sind. In Ziffer 13
sind die verschiedenen Kompaßarten aber recht gut gegeneinander abgewogen. Die Darstellungen der
Ziffer 23 und 24 sind nicht frei von Schwerfälligkeiten. 25 und 26 enthalten viel Bemerkenswertes
über Deviationsbestimmung,, auch tragen die vielen Beispiele wesentlich zum guten Verständnis der
Darstellung bei. Das schiefwinklige Napiersche Deviationsdiagramm könnte vielleicht ohne Schaden
ganz fallen gelassen werden. Bezüglich Ziffer 29 »Rechtweisende Navigation nach dem Magnetkom-
paß« ist nur zu wünschen, daß Methode IL auch in der Kaiserlichen Marine recht bald ausstirbt
‘siehe auch Meldau, Ann. d. Hydr. usw. 1917 S. 237). Für die.im 6. und 7. Abschnitt gegebene
Ableitung der Deviationsgleichung kann ich mich nicht besonders erwärmen. Überhaupt scheint mir
die Darstellung hier nicht konzentriert genug. Im 8. Abschnitt ist der Einfluß der Schiffsrichtung,
der in der praktischen Navigation von allergrößter Bedeutung ist, in Ziffer 53 etwas zu kurz behandelt,
während andere Ziffern ruhig Abstriche vertragen. könnten. Die Abschnitte 14 bis 18 behandeln
den Kreiselkompaß. Sie geben eine recht gute Darstellung dieses interessanten Instrumentes, Zum
vollen Verstehen des Gesagten gehört freilich eine gewisse Vertrautheit mit den Begriffen und Methoden
der analytischen Mechanik, Ich bezweifle, daß man dieses Verständnis bei dem in Frage kommenden
Schülermaterial ohne weiteres voraussetzen darf; durch‘ das Studium der Ziffern 83 und: 84 wird
daran auch nicht viel gebessert,
Der VL. Teil »Wetterkunde« bringt in klarer Sprache die für den Seemann wichtigsten
Kapitel dieser Wissenschaft. Im ersten Abschnitt werden Wärme, Druck und Feuchtigkeit der Luft,
im zweiten Niederschläge, Nebel und Wolken behandelt, während der 4, Abschnitt unter dem Titel
»Wind« auf 29 Seiten alles zusammenfaßt, was mit Wind zu tun hat, vom barischen Windgesetz bis
zum Taifun. Diese Disposition scheint mir nicht sehr gelungen. Abschnitt 3 »Opltische Erscheinungen«
{1!/2 Seiten) könnte meines Erachtens ganz fehlen, Zu dem übrigen Inhalt der Wetterkunde steht, er
in gar keiner Beziehung und für den größten Teil der optischen Erscheinungen sind die gegebenen
Erklärungen doch nur Scheinerklärungen, Diese Phänomene lassen sich eben in solcher Kürze gar
nicht befriedigend erklären. Ihr Verständnis setzt auf jeden Fall größere physikalische Kenntnisse
voraus, als man gemeinhin annehmen darf.‘ Seite 577 muß es in Zeile 13 von unten wohl heißen Java
statt Japan,
Der VII Teil behandelt die »Meereskunde«. Nach einer geschichtlichen Einleitung werden
die Instrumente der Meeresforschung, die Meerestiefen, der Meeresboden, das Meerwasser und die
Wellen des Meeres recht eingehend und anschaulich beschrieben. Es ist hier eine riesige Menge von
Forschungsresultaten auf einem denkbar engen Raum verarbeitet und dabei doch immer volle Ver-
ständlichkeit des Vortrages gewahrt. Der 6. Abschnitt schildert in derselben klaren und knappen
SE die Meeresströmiungen und der 7. bringt ein paar kurze Bemerkungen über die Eisverhältnisse
es Meeres.
Teil VIII enthält »die Lehre von den Gezeiten«. Dieses Kapitel der Ozeanographie ist
für die speziellen Aufgaben der Kaiserlichen Marine im Frieden und im Kriege von besonderer