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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1918,

Die Kriegsmarine ist insofern glücklicher daran als die Handelsmarine,
als auf ihren Schiffen stets so viele Chronometer mitgeführt werden, daß die
Gefahr unzuverlässiger Angabe der Einheitszeit kaum auftreten kann, als sie
ferner von ihren Schiffen kaum jemals so lange Reisen ohne Landberührung
verlangt, wie die Handelsmarine von ihren Segelschiffen, und als sie schließlich
schon bei Beginn der Einführung der Funkentelegraphie an Bord in der Lage
war, alle Schiffe mit drahtloser Telegraphie auszurüsten und mit funkentelegraphisch
 hinreichend vorgebildeten Mannschaften zu besetzen. Dagegen
mußte noch bis vor wenigen Jahren die Frage, ob Monddistanzen auch noch für
Handelsschiffe Bedeutung hätten, mit Rücksicht auf die Segelschiffe und einige
in längeren Fahrten beschäftigten Trampdampfer bejaht werden. Wenn auch
damals schon in den Kreisen der Handelsschiffsoffiziere der Wunsch rege wurde,
Monddistanzen und Beobachtungen über dem künstlichen Horizont in den Prüfungen
 fallen zu lassen, da sie ja nur so außerordentlich selten benutzt wurden,
so standen diesem Wunsche doch die Bedenken entgegen, daß die Monddistanzen
das einzige Mittel bildeten, auf See den Stand stehengebliebener oder in ihrem
Gang gestörter Chronometer, von denen viele Schiffe nur ein Exemplar an Bord
haben, zu bestimmen und daß Zeitbestimmungen über dem künstlichen Horizont
— abgesehen von ihrem großen didaktischen Wert — an Orten, die eines überall
 sichtbaren Zeitsignals entbehren, erwünscht sein konnten. Nach Einführung
der Funkentelegraphie an Bord der meisten Fahrzeuge sind diese Gründe aber
hinfällig geworden. Wenn auch noch nicht alle Hochseeschiffe damit versehen
sind, so dürfte es doch einfacher sein, Vorschriften für die allgemeine Einführung
 wenigstens von funkentelegraphischen Empfangsapparaten zu erlassen, als
für die ganz seltenen Fälle, in denen ein nicht mit funkentelegraphischen Instrumenten
 versehenes Schiff einmal in die Notwendigkeit versetzt werden könnte,
zur Bestimmung des Chronometerstandes seine Zuflucht zu Monddistanzmessungen
zu nehmen und die Kunst, Monddistanzen zu messen und zu verwerten, noch
weiterhin auf den Seefahrtschulen erlernen zu lassen. Die heutigen Empfangsstationen
 für funkentelegraphische Signale (wenn man also von Sendeapparaten
ganz absieht) sind von so einfacher Konstruktion und so wohlfeil, daß ihre Einführung
 an Bord aller Hochseeschiffe wohl verlangt werden kann, und die
Reserveteile bei Beschädigungen so leicht auszuwechseln, daß besondere Funkentelegraphisten
 hierfür nicht angestellt zu werden brauchen. Ist aber jedes Schiff
erst mit Empfangsapparaten für funkentelegzraphische Wellen ausgerüstet, so
wird es voraussichtlich bald nach Friedensschluß an jedem Orte der Erde täglich
 ein Zeitsignal oder mehrere aufnehmen können. Monddistanzen und Zeitbestimmungen
 über dem künstlichen Horizont können dann aus dem Lehrplan
der Seefahrtschulen verschwinden und anderen wichtigeren Unterrichtsfächern
Platz machen. Damit entfällt aber auch der letzte Grund für die Beibehaltung
von Sextanten mit Ablesungen auf 10”, und die Handelsmarine kann auch ihrerseits
 zu den bequemer zu handhabenden Instrumenten mit Minuten- oder Halbminutenablesung
 übergehen,
Ein solcher Übergang schneidet tiefer ein, als es auf den ersten Blick
scheinen könnte. Voraussetzung für ihn ist, daß die Monddistanzen aus den
Prüfungsvorschriften verschwinden. Diese werden dann auch im Nautischen
Jahrbuch überflüssig, und ihr Verschwinden schafft hier Raum für andere Tafeln,
die von verschiedenen Seiten gewünscht werden. Derselbe Grund, der die Monddistanzen
 als nicht mehr nötig beseitigt, entzieht auch den doppelten Gestirnshöhen
 über dem künstlichen Horizont jede Berechtigung in den Vorschriften für
die nautischen Prüfungen. Denn deren Bedeutung als eines Mittels zur Zeitbestimmung
 fällt in demselben Augenblick fort, in dem die Monddistanzen für
überflüssig erklärt werden, wenn auch ihr hoher didaktischer Wert nicht verkannt
 werden soll, und aus dem gleichen Grunde verliert das astronomische
Fernrohr für den Nautiker seine Daseinsberechtigung als notwendige Voraussetzung
 für die Erreichung der größten mit einem Sextanten überhaupt zu erlangenden
 Beobachtungsschärfe,
Auch für die Technik, die jährlich eine sehr beträchtliche Zahl von
Sextanten mit Ablesegenauigkeiten von 10” für den Schiffsbedarf lieferte, ist
            
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