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Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1918,
Es erhebt sich jedoch hier, analog wie bei der Bearbeitung von Wind-
stärkeschätzungen nach der Beaufortskala, die Frage, ob eine einfache Mittel-
bildung überhaupt zulässig ist. Diese Frage kann durchaus nicht ohne weiteres
bejaht werden, ihre Diskussion ist aber wegen des Mangels an zuverlässigen
Unterlagen sehr schwierig. .Die Beaufortschätzungen werden in der Meteorologie,
soviel ich weiß, überall unbedenklich gemittelt; daß etwa hierbei vorkommende
systematische Fehler — die zufälligen werden bei ausreichendem Material be-
deutungslos — praktisch von nicht zu großer Bedeutung sind, liegt lediglich an
dem glücklichen Umstande, daß erheblich vom Mittel abweichende Werte ziem-
lich selten sind. Man kann aber auch annehmen, daß wenigstens im großen und
ganzen, und bei hinreichender Übung der Beobachter, die Windstärkeschätzungen
den Windgeschwindigkeiten tatsächlich annähernd proportional sind. Aber gerade
hieraus ersieht man, daß man keineswegs bei allen Untersuchungen, wenn man
streng vorgehen will, mit der einfachen Mittelbildung auskommt, z.B. nicht,
wenn es sich um die Energie der Windbewegung handelt, weil hier eine quadra-
tische Funktion vorliegt.
Ähnlich dürfte es bei den Schätzungen des Seegangs sein. Ihre innere
Genauigkeit ist zweifellos recht groß, ihre Homogenität vielleicht sogar noch
größer als bei den Windstärkeschätzungen, da es sich doch um ein noch augen-
fälligeres Phänomen handelt. Aber ‘ob die Schätzungen wirklich eine lineare
Skala bilden, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Mangels geeigneter Unter-
Jagen muß man sie einstweilen bejahen, obwohl gerade bei dem hier vorliegenden
Problem der vermutlichen oder vermeintlichen Einwirkung des Seegangs auf
die mikroseismische Bewegung, wo doch Energieübertragungen im Frage kommen,
bezüglich der Berechtigung der einfachen Mittelbildung berechtigte Zweifel auf-
tauchen dürften.
Die in Tabelle 4 gegebenen Werte sind demnach als einfache Mittelwerte
gebildet. Entwickelt man diese Werte S, ganz entsprechend wie im vorigen
Abschnitt, in eine Cosinusreihe, so ergibt sich:
Sskudenes = 2,88 + 0.88 cos (30 m — 347)° + 0.14 cos (60 m —- 287)°.
Das halbjährliche Glied ist auch hier als bloßes Rechnungsergebnis auf-
zufassen. Ich habe das jährliche Glied auch für die beiden Jahrgänge einzeln
berechnet; es ergibt sich:
Sısız = 2,85 + 0.91 cos (30 m — 337)°,
Sı913 = 2,90 + 0.96 cos (30 m — 358)°. .
Die Amplitude ist also in beiden Jahrgängen fast genau gleich; die Phase,
wie bei einer von meteorologischen Einflüssen abhängigen Größe nicht anders
zu erwarten ist, um etwa 20° verschieden. Jedenfalls ist ersichtlich, dalß bei
Berechnung von noch mehr Jahrgängen die für das Mittel der beiden Jahre
1912 und 1913 sich ergebenden Zahlenwerte von Amplitude und Phase keine
nennenswerte Änderung mehr erfahren dürften,
4. Vergleichung von Seegang und mikroseismischer Bewegung.
Vergleichen wir nun den jährlichen Gang des Seegangs mit dem im
vorigen Abschnitt erörterten der mikroseismischen Bewegung, so können wir
bezüglich der Phase des jährlichen Gliedes, in Anbetracht der großen Empfind-
lichkeit der Phase gegen selbst nur kleine Änderungen der zugrunde gelegten
Zahlenwerte, nicht umhin, eine ungefähre Übereinstimmung zu bemerken. Dieser
Parallelismus zeigt sich insbesondere naturgemäß bei Zugrundelegung gleicher
Zeiträume für beide Erscheinungen. So ist z. B. für das Jahr 1913:
Seegang in Skudenes = 2.90 + 0.96 cos (30 m — 358)°,
Mikroseismische Bewegung in Potsdam = 0.74 -}- 0.53 cos (30 m — 341)°.
Die Phase stimmt somit leidlich. Während aber beim Seegang das Ver-
hältnis der Amplitude des jährlichen Ganges zum Mittel nur 0.33 beträgt, ist es
bei der mikroseismischen Bewegung in Potsdam über doppelt so groß: es beträgt
hier 0.72! Für die beiden Jahrgänge 1912 und 1913 ist es in Skudenes nur 0.31,
während es, wie wir gesehen haben, für die mikroseismische Bewegung bei allen