Kleinere Mitteilungen.
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Kleinere Mitteilungen.
il. Stereographische oder gnomonische Karten in der Nautik?
Im Dezemberheft 1916 dieser Zeitschrift beantwortet Herr Wedemeyer
die obige Frage zugunsten der gnomonischen Projektion, und er bekämpft
einige von mir im Maiheft 1916 aufgestellte Sätze. Ich betone nochmals, wie
ich das bereits in meiner früheren Abhandlung getan habe, daß ich der Praxis
nur Anregungen auf Grund mathematischer Überlegungen geben will. Die
Praxis muß über die Brauchbarkeit entscheiden. Die Art, in der Herr Wede-
meyer über meine Vorschläge urteilt, hat mich aber nicht überzeugt. Daß bei
den gnomonischen Karten zur Distanz- und Kursmessung umständliche Hilfs-
konstruktionen nötig sind, wird von Herrn Wedemeyer bestritten. Ich weiß,
daß man jetzt mit den beigegebenen .Diagrammen verhältnismäßig leicht zum
Ziel kommt. Aber die Hilfsdiagramme selbst sind nur auf Grund schwieriger
Rechnungen und auch dann nur angenähert zu finden. Daß sie übrigens immer
noch nicht einfach genug sind, hat mir mancher Praktiker bestätigt. Es ver-
steht sich von selbst, daß derartige Hilfskonstruktionen auch für die stereo-
graphischen Karten ausgearbeitet werden könnten, Der von mir gebrachte
durchsichtige Transporteur ist ein Beispiel dafür,
Herr Wedemeyer weist dann darauf hin, daß man auch in längentreuen
Karten nicht alle Entfernungen messen kann, Das habe ich auch gar nicht be-
hauptet, Hingewiesen habe ich dann aber darauf, daß winkeltreue Entwürfe
nur den Vorzug verdienen, wenn die Orthodromen einfach zu zeichnende Kurven
und die Winkel und Strecken leicht meßbar sind. Daß diese Bedingungen bei
den stereographischen Karten erfüllt sind, hat Herr. Wedemeyer meines Er-
achtens nicht widerlegt... Daß Kreise in der Praxis so schwer zu zeichnen sind,
vermag ich nicht einzusehen. Man braucht doch nicht immer einen Zirkel dazu,
Ebenso vermag ich die Schwierigkeit der Tangentenbestimmung nicht einzusehen,
Daß alle Kreise, nicht nur die Orthodromen, als Kreise wiedergegeben werden,
macht die stereographische Projektion — man denke an die Standlinienmethode —
meines Erachtens allen anderen Projektionsarten überlegen. Auch die einfache
Konstruktion der Gradnetze spricht dafür.
Daß die »im mathematischen Schulunterricht bevorzugten Hilfskonstruktionen
für die ausübende Schiffahrt belanglos sind«, wie Herr Wedemayer behauptet,
glaube ich, wenn er darunter nur die Methoden versteht, mit Zirkel und Lineal
zu konstruieren, Er selbst weist aber darauf hin, daß man »neuerdings« auch
andere Wege einschlägt. Es ‚ist aber falsch, daß diese »Bewegungsgeometrie«,
wie die alten Griechen sie nannten, erst 1915 mit dem Dänen Hjelmslev be-
gonnen hat. Seit Plato ist sie bekannt und oft angewandt. Daß man gerade
auch bei nautischen Aufgaben diese Methode anwenden kann, sollte meine Arbeit
zeigen. Sie sollte aber nicht nur mechanische Vorschläge geben, sondern auch
die Zusammenhänge darlegen. Ich glaube immer noch, daß bei den prinzipiellen
Vorzügen der stereographischen Karten sich auch Wege finden lassen müssen,
die der Praxis in ein‘acher Weise ihre Aufgaben lösen. Hierfür neue Finger-
zeige zu geben, war der Zweck meiner Arbeit, Dr. P. Riebesell, Hamburg.
2. Bemerkungen zu »Stereographische oder gnomonische Karten in
der Nautik« von Dr. P. Riebesell,
Daß ich die obige Frage zugunsten des gnomonischen Kartenentwurfes
beantwortet hätte, entspricht nicht den Tatsachen. 58. 607 habe ich ausdrücklich
gesagt: „Oben wurde bereits ausgeführt, daß man zu allen‘ Messungen der be-
schriebenen Art nicht an gnomonische Karten gebunden ist, da es nicht unbedingt
nötig ist, den Großkreis in die Karte einzuzeichnen. Alle zenitalen Entwürfe, worunter
sich der stereographische und der mittabstandstreue besonders auszeichnen,
leisten dasselbe wie die gnomonische Karte“. Der Zweck meiner Arbeit
war, darauf hinzuweisen, daß die Vorschläge des Herrn Dr. Riebesell seit lange
überholt sind und daß Prof. Dr. Weyer darüber in diesen Annalen bereits 1890
ausführlich berichtet hat. Prof. Hans Maurer hat sich das Verdienst erworben,
in diesen Annalen 1905 nachzuweisen. daß zu Messungszwecken alle zenitalen Karten-
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