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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1917.
formen hinweisen wollen, aber da die Wandkarte doch nur die großen Züge ver-
anschaulichen soll und kann, wäre eine Begradigung sicherlich vielerorts am
Platze. Die Festländer enthalten auch die wichtigsten Ströme,
Während endlich die 1912 herausgegebenen Blätter für den Handgebrauch
stumme Karten waren, enthalten jetzt die Wandkarten der Ozeane die mehrfach
gewünschten Namen für verschiedene Meeresräume. Gewiß stellt die Namen-
gebung der Bodenformen des Weltmeeres ein schwieriges, man kann fast sagen, von
nationaler Eifersucht umstrittenes Kapitel der Meereskunde dar, auf dem eine Ver-
einbarung allgemein gültiger Art sobald nicht zu erreichen sein wird. Aber daß
Groll sich hierdurch nicht hat abhalten lassen, einen Versuch zu machen, wird
ihm gedankt werden, Ganz einverstanden mit den Einzelheiten seiner Ausführung
nach dieser Richtung kann der Berichterstatter sich nicht erklären. Man ver-
steht es, daß rein geographische Bezeichnungen, wo sie von jeher und allerseits
in Gebrauch sind, auftreten (z. B. Mittelmeer, Java-See u. s. w.) neben rein
morphologischen Begriffen, naturgemäß unter Anlehnung an benachbarte Fest-
landsteile, so z. B. Nordamerikanische Mulde, Philippinen-Graben u. s. w. Manchmal
scheinen aber. ohne hinreichenden Grund diese zwei Gesichtspunkte durch-
einander gebracht worden zu sein, Wir lesen u. a. auf der Indischen Karte
Celebes-See und gleich darunter Makassar-Graben: entweder hätten die in allen
seemännischen und auch geographischen Kreisen üblichen Landkartennamen
Celebes-See und Makassar-Straße oder die morphographischen Bezeichnungen
Celebes-Becken und Makassar-Graben Platz finden sollen, wobei noch die Frage
offen bleibt, wie Groll die Eigenschaft der Meeresenge zwischen Borneo und
Celebes als »Graben« begründen zu können geglaubt hat.
Auch im Gebrauch von Mulde und Becken scheint Groll nicht überall
folgerichtig und in Gemäßheit der klaren Beschlüsse der Wiesbadener Kommission
des Internationalen Geographentages gehandelt zu haben; Supans bekannte
Welttiefenkarte vom Jahre 1899 ist hierfür noch heute vorbildlich, wenn auch
in einem Punkte der Berichterstatter (Westafrikanische Mulde statt Supans
Südafrikanische Mulde) nach wie vor abweicht.
Jedem Geographen, insbesondere dem Ozeanographen, gewährt die wieder-
holte Betrachtung der drei großen Ozean-Wandkarten Grolls immer von neuem
einen hohen Genuß und mannigfache Anregung. Der Berichterstatter hat seit
Jahr und Tag jeweils eine Karte im Arbeitszimmer hängen und viele aufmerk-
same Betrachtungen ihnen gewidmet. Die so eigentümliche, nicht bloß von der
Geographie, auch von der Geophysik erörterte Zuspitzung der südhemisphärischen
Kontinente erfährt gerade auf den Wandtiefenkarten eine hervorragende Ver-
schärfung durch die immer deutlicher werdende unterseeische Bodengestaltung
im Bereiche der afrikanisch-australischen Gewässer; die submarinen Erhebungen
auf der Höhe der Delagoa-Bucht (Delagoa-Rücken), ferner südlich von Madagaskar
(Madagaskar-Rücken), südlich von Tasmanien (+Aurora«-Bank), südöstlich von
der Südinsel Neuseelands (Antipoden I, Auckland I) offenbaren einen überaus
wichtigen großen Charakterzug im Antlitz der ganzen Erde.
Die Grollschen Wandkarten der Ozeane (und Festländer) mögen daher
der Benutzung aller an der Erforschung der Erde als Weltkörper Beteiligten
vielınals empfohlen sein; sie werden großen Nutzen stiften. Und die Wissenschaft
wird dem schöpferischen Geiste und der unermüdlichen zeichnenden Hand des
so früh Verstorbenen noch über das Grab hinaus dankbar sein.
Gerhard Schott.