Schott, G.: Grolls flächentreue Wandkarten der Ozeane.
73
die Kriegsverhältnisse es mit sich gebracht, daß die gleich nach dem Erscheinen
in Aussicht genommene Besprechung der neuen Karten wiederholt verschoben
werden mußte und daher die Würdigung dieser letzten großen Arbeit dem Ver-
fasser nicht mehr bei Lebzeiten zuteil werden kann.
Bei dem Maßstabe von 1:20000000 kamen Karten in der ungefähren
Blattgröße von 100 X 100 bis 120 cm zustande;.das sind Tafelgrößen, die, eine
kräftige Farbengebung vorausgesetzt, für einen kleinen Hörsaal ausreichen, im
ganzen aber doch die nahe Betrachtung durch den einzelnen Beschauer, be-
sonders bei Einzelheiten, voraussetzen. Genau die gleiche Benutzungsweise er-
gibt sich übrigens für des Referenten »Weltkarte zur Übersicht der Meeres-
strömungen und Schiffswege« (Berlin, Dietrich Reimer) bei einem Maßstab
1:28000000, und der Umstand, daß diese Karte schon vier Auflagen erlebte,
hat entgegen einer seinerzeit besonders von OÖ. Krümmel vertretenen An-
schauung gelehrt, daß solche Karten, die ungefähr in der Mitte zwischen kleinen
Handkarten und großen Wandkarten stehen, doch eine weite Verbreitung finden,
wenn sie auch nicht für größere Räume brauchbare Wandkarten darstellen,
Der Berichterstatter sieht daher auch für Grolls neue drei Ozeankarten eine
mit der Zeit und mit steigender Bedeutung der Meere in verschiedensten
Richtungen wachsende Verbreitung voraus.
Im wesentlichen bilden begreiflicherweise die 1912 erschienenen Handkarten,
die wir eingangs erwähnten, die Grundlage für die neuen großen Karten; aber
es ist alles bis 1914 einschließlich bekanntgewordene Material an Tiefseelotungen
mitverwertet, so z. B. die wertvollen Messungen Dr. Brenneckes auf dem Süd-
polarschiff »Deutschland« hauptsächlich in der Weddellsee und die entsprechenden
Arbeiten der australischen Südpolarexpedition unter Sir Douglas Mawson auf
dem Expeditionsschiff »Aurora« zwischen Südaustralien, Tasmanien, Neuseeland
einerseits und dem südpolaren Kontinent anderseits.
Ferner wurde bei- der Karte des Atlantischen Ozeans die früher benutzte
flächentreue Zylinderprojektion, an der mehrere Beurteiler, auch der Bericht-
erstatter, für den vorliegenden Zweck Anstoß genommen hatten, verlassen und
nunmehr auch für dies Meer Lamberts azimutale Entwurfsart zugrunde
gelegt. Die atlantische Tiefenkarte hat dadurch ganz wesentlich gewonnen,
schon rein äußerlich im Ansehen, und es sind nun alle drei Weltmeere in gleicher
Projektion einheitlich abgebildet. .
Sodann wurde ein grundsätzlich bedeutsamer, weiterer Schritt getan:
ähnlich wie die wohl noch nicht vollendete zweite Auflage der Monaco-Welt-
tiefenkarte Isohypsen des Festlandes enthält, hat Groll in seinen Wandkarten
von 1915 Höhenlinien der Kontinente eingeführt, und zwar für folgende Stufen:
0—200— 1000 — 3000 — 6000 — mehr als. 6000 m Meereshöhe; auch sind einzelne
Höhenzahlen direkt eingetragen. Ihnen stehen die Tiefenlinien 0-— 200 — 1000 —
2000 — 3000 — 4000 u. s. w. bis 9000 m Tiefe gegenüber. Während die Flächen der
einzelnen Tiefen im allgemeinen die üblichen blauen Abtönungen, zuletzt mit Rot,
zeigen, wurden die Landhöhen durch Farben, die von Grün (geringe Höhen) über
Gelb nach Braun und Rot gehen, herausgebracht. Das Gesamtbild ist dadurch
ein sehr gefälliges geworden, bei großer Deutlichkeit. Wer Gelegenheit nimmt,
Dr. H..Haacks Physische Weltkarte in van Grintens Entwurf (gleichfalls in
1:20000 000) damit zu vergleichen, wird allerdings den Eindruck gewinnen,
daß, was’ die Farbenwirkung in rein technischer Hinsicht betrifft, die Welt-
karte der Perthes Anstalt in Gotha den Karten des Westermannschen Verlags
noch überlegen ist, soweit die plastische Wirkung des Festlandsreliefs in Frage
steht; der Vergleich liegt um so näher, als Haacks treffliche Karte die gleichen
Farbenübergänge für die Isohypsenflächen wie die Grollschen Wandkarten be-
sitzt, obschon die Isohypsen als solche etwas anders gewählt sind. Nebenbei
bemerkt, werden Haacks Isobathen bei einem Neudruck der Weltkarte große
Verbesserungen durch Zurateziehung der Grollschen Arbeit erfahren können.
‘Die Isohypsen Grolls dürften, da sie meist sehr scharf und zackig in
Spitzen und Ecken verlaufen, eine Abrundung vertragen; der Verfasser hat
wohl damit auf die wesentliche Verschiedenheit der Unterwasser- und Überwasser-
Ann, d. Hydr, usw. 1917, Heft II. -
1