Drewes, F.: Einige Beziehungen zwischen. der Luftdruckverteilung bei Island usw, 71
Das Islandtief zieht fast immer‘ nordostwärts fort, doch bilden sich häufig
an seiner Südseite, besonders beim Kanal und auf der Nordsee, Teilminima aus,
während das Hochdruckgebiet langsam ostwärts zurückweicht. Das Vorkommen
dieses Typus hat sich in den bearbeiteten Jahrgängen auf die Monate September
bis Februar mit einem. Maximum im Januar beschränkt.
Recht unübersichtliche Verhältnisse bringt eine Wetterlage, die dem
Teisserene de Bortschen Typus C'®) entspricht: im Südwesten und Nordosten
bzw. Osten: von Europa liegen Hochdruckgebiete und dazwischen breitet sich
ein Sattel niedrigen Druckes aus, während bei Island ein neues Tief erscheint,
Dieser Fall ist ziemlich häufig; in den sieben Jahren ist er 40mal vorgekommen.
Auch hier sind starke und stürmische Winde sehr selten, sie kommen meist nur
vorübergehend beim Vorbeizuge flacher Teilminima vor. Im ganzen herrscht
trübes und nasses Wetter vor, Deutschland steht unter dem Einflusse von Teil-
tiefs, nicht selten aber dringt auch das Islandtief auf der »Schwächelinie«
zwischen den beiden Hochdruckgebieten südostwärts vor. Schon Teisserene
de Bort hatte darauf hingewiesen, daß die Furche niedrigen Druckes gerne als
Zugstraße benutzt wird. —
Fassen wir die für die Schiffahrt wichtigen Ergebnisse der Untersuchung
kurz zusammen, so gelangen wir zu folgenden Sätzen:
1. Stürmische Winde kommen, wenn ein Tief bei Island vorüberzieht,
an der deutschen Küste nicht oder äußerst selten vor, wenn das Hoch-
drückgebiet im Südosten, Nordosten oder in Mitteleuropa liegt, nur
wenig häufiger bei der Wetterlage, die dem Teisserenc de Bortschen Typus C
entspricht. i
2. Stürmische Winde sind, wenn bei Island ein Tief liegt, im Sommer
ganz allgemein sehr selten.
3. Stürmische Winde kommen im Winter fast ausschließlich dann
vor, wenn der Luftdruck in Südwesteuropa am höchsten ist. Sie wehen
vorwiegend aus den Richtungen SW bis WNW. . ..
4. Unsichtiges Wetter ist am häufigsten, wenn das Hochdruck-
gebiet im Nordosten oder in Mitteleuropa liegt. ©
Der Vollständigkeit‘ halber sei noch erwähnt, daß unter den hier nicht
behandelten Fällen nur noch vier sind, die unserer Küste Sturm brachten.
Zweimal war dabei Süd- und Mitteleuropa von einem hohen Maximum bedeckt.
In der Tabelle IV ist die prozentische Häufigkeit der Windstärken im Winter
bei allen Fällen mit Ausnahme derjenigen, bei denen das Hochdruckgebiet im
Südosten, Nordosten oder Mitteleuropa liegt und also, wie oben gezeigt, stür-
mische Winde nicht vorkommen, zusammengefaßt,
Tabelle IV (65 Fälle). ;
; Windstärke: B£,
0—1 | 2—8 | 4—5 | 6—7 | 812
1, Tag
2. Tag
3. Tag
1. Tag
2, Tag
3. Tar
Nordseeküste (Borkum, Keitum).
. m ws 20 47 25 7 1
3 ; m 4 8 42 35 Ss 7
i 3 38 37 16 5
Ostseeküste (Swinemünde, Neufahrwasser, Memel).
2.0.0.4} 129 48 25 8 1
nahm is 14 *. 47 28 9. 2
12 44 28 BB 3
Die Wichtigkeit isländischer . Beobachtungen für die tägliche Wetter-
vorhersage ist früher wohl allgemein überschätzt worden, und es wurden, als
endlich nach Herstellung einer Kabelverbindung Island in das Stationsnetz auf-
13) Siehe z. B. Hann, Lehrbuch: 3. Aufl. S. 634.